Montag, 2. März 2009
Betriebliche Weiterbildung 2009: Anschub für den Aufschwung
Die Krise kommt, war 2008 überall zu hören. Trotzdem war der Bedarf an qualifizierten Fachkräften ungemein hoch. Jetzt hat die Krise Deutschland erreicht. Nachdem Bundesregierung und Parlament das Konjunkturpaket II verabschiedet haben, gerät die Frage „Was kommt nach der Krise?“ immer mehr in den Blick. Die Bundesregierung will deswegen 2009 sowohl Arbeiternehmerinnen und Arbeitnehmer individuell als auch die Unternehmen in Deutschland dabei unterstützen, ihre Mitarbeiter weiter zu qualifizieren, damit sie für den Aufschwung gerüstet sind.
Arbeitgebern wie Arbeitnehmern bietet die Bundesregierung verschiedene Wege in die Weiterbildung an. Die Bildungsprämie unterstützt jeden Menschen individuell bei seinem Vorhaben, sich fortzubilden. Die Bundesagentur für Arbeit unterstützt Arbeitgeber bei der Organisation von betrieblichen Fortbildungen, indem sie für Beschäftige in Kurzarbeit die Sozialbeiträge übernimmt, wenn diese an einer Fortbildung teilnehmen. Außerdem weitet sie die allgemeinen Fördermittel für betriebliche Weiterbildung aus.
Förderung für den Einzelnen
Bereits im letzten Jahr wurde die Bildungsprämie verwirklicht. Diese individuelle Förderung besteht aus drei Komponenten: dem Prämiengutschein, dem Weiterbildungssparen und dem Weiterbildungsdarlehen.
Der Prämiengutschein ist ein Zuschuss von bis zu 154 Euro für eine Weiterbildungsmaßnahme – er deckt bis zu 50 Prozent der Weiterbildungskosten ab. Voraussetzung für den Zuschuss sind eine Weiterbildungsberatung und ein Jahreseinkommen von maximal 17.900 Euro bzw. 35.800 Euro bei Ehepaaren.
Das Weiterbildungssparen ermöglicht, Sparguthaben wie beispielsweise aus einem Bausparvertrag schon vor dem Auszahlungstermin teilweise für Weiterbildungsmaßnahmen zu nutzen. So kann jeder auch Maßnahmen finanzieren, die über den Prämiengutschein hinaus gehen.
Das Weiterbildungsdarlehen ist die dritte Komponente der Bildungsprämie: Jeder, der eine aufwendige und kostenintensive Weiterbildung finanzieren möchte, kann ein Darlehen zu günstigen Konditionen erhalten.
Förderung für Unternehmen
Zusätzlich zu der individuellen Förderung hat die Bundesregierung im Rahmen der Konjunkturpakete I und II die Förderung von betrieblicher Weiterbildung ausgeweitet. Um den Firmen das Erhalten ihrer Arbeitsplätze zu erleichtern, wird länger Kurzarbeitergeld gezahlt und der Kreis der anspruchsberechtigten Unternehmen erweitert. Während der Kurzarbeit soll die Weiterbildung besonders gefördert werden: Die Bundesagentur für Arbeit übernimmt 2009 und 2010 für Beschäftigte, die Kurzarbeitergeld beziehen, bis zu 100 Prozent der Sozialbeiträge. Dazu müssen sie während der Zeit ihrer Kurzarbeit an betrieblichen Weiterbildungsveranstaltungen teilnehmen.
Die Fördermittel für betriebliche Ausbildungsprogramme, die die Bundesagentur bereits zuvor bereitstellte, werden nun ausgeweitet. Bisher unterstützte sie vor allem kleine und mittlere Unternehmen bei der Weiterbildung von älteren und minderqualifizierten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. 2009 und 2010 steht die Förderung allen Firmen zur Verfügung, unabhängig von Unternehmensgröße oder bestimmten Belegschaftsmerkmalen. So unterstützt die Bundesagentur die weiterbildenden Unternehmen dreifach.
Rückblick auf 2008
Angesichts voller Auftragsbücher stagnierte die Betriebliche Weiterbildung in Deutschland auch im letzten Jahr, erklärt eine Erhebung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) für 2008. Weniger Unternehmen haben Weiterbildungsmöglichkeiten angeboten. Die Betriebe, die Weiterbildungskurse anboten, haben ihre Bemühungen zwar intensiviert. Zwar erhielten insgesamt immer weniger Arbeitnehmer die Chance, solche Angebote wahrzunehmen. 2009 bietet sich nun die Möglichkeit, diese Entwicklung umzukehren.
Dabei zeichnet sich schon in den Daten für 2008 eine Verschiebung des Fokus in der Weiterbildung ab. Das BIBB fragte unter anderem nach der heutigen und zukünftigen Bedeutung verschiedener Kompetenzbereiche. Der Anteil der Unternehmen, die bei ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Sozialkompetenzen für besonders wichtig halten, wird der Studie nach von derzeit 30 auf bis zu 40 Prozent steigen. Auch personale (jetzt 20, zukünftig 26 Prozent) und Methodenkompetenz (jetzt 13, zukünftig 19 Prozent) erfährt größere Wertschätzung.
Trotzdem schätzen die meisten Unternehmen Fachkompetenzen weiterhin am meisten: Gegenwärtig 77 Prozent und zukünftig 75 Prozent der Unternehmen halten diese für ein wichtiges Feld der Weiterbildung.

