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Montag, 2. März 2009

Ausbildungsbilanz 2008: Trendwende auf dem Ausbildungsmarkt

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Während im Parlament über Pläne zur Stimulierung der Konjunktur beraten wird, können Bundesregierung, Wirtschaftsverbände und die Bundesagentur für Arbeit eine positive Bilanz des Ausbildungsjahres 2008 ziehen. Erstmals seit 2001 gab es am 30. September mehr freie Ausbildungsplätze als Ausbildungssuchende: 14.500 noch unversorgten Jugendlichen – nur noch halb so viele wie im Vorjahr – standen noch 19.500 offene Ausbildungsstellen gegenüber.

Nach der jährlichen Nachvermittlungsaktion sieht es noch besser aus: Zu Januar­beginn gab es nur noch knapp 6.000 Jugendliche, die noch keinen Ausbildungsplatz gefunden hatten. Dem stehen noch mehrere Tausend freie Ausbildungsplätze und über 10.000 Plätze für Einstiegsqualifikationen in Betrieben gegenüber. Damit konnte die Zahl der noch suchenden Bewerberinnen und Bewerber bis Januar nochmals um 59 Prozent gesenkt werden.

Für jeden ein Angebot

Die 2007 erneuerten Zusagen der Wirtschaftsverbände im Ausbildungspakt wurden dabei auch 2008 weitgehend übertroffen. Mit 616.300 abgeschlossenen Ausbil­dungsverträgen ist zwar ein Rückgang von knapp 9.600 zu verzeichnen, aber im Vergleich zum Jahr 2003, vor Beginn des Ausbildungspaktes, wurden 59.000 Ausbil­dungsverträge mehr abgeschlossen – ein Zuwachs von 10 Prozent. Zugleich warben die Paktpartner 86.500 neue Ausbildungsplätze ein und konnten 52.700 Betriebe erstmals für die Ausbildung gewinnen. Bei gleichzeitigem Rückgang der Schul­abgängerzahl haben sich die Chancen für Altbewerber auf dem Ausbildungsmarkt deut­lich verbessert.

Die Kammern luden im Rahmen der Nachvermittlungsaktion alle 14.500 noch unvermittelten Jugendlichen zu Ausbildungsbörsen ein, an denen knapp die Hälfte der Eingeladenen teilnahm. 15 Prozent der nicht Erschienenen entschuldigte sich begründet. Allen Bewerberinnen und Bewerber, die an den Veranstaltungen teil­nahmen, konnte mindestens ein Angebot gemacht werden. Viele erhielten so einen Ausbildungsplatz.

Auch die Einstiegsqualifizierungen ermöglichten vielen Jugendlichen im vergangenen Jahr, in ein reguläres Ausbildungsverhältnis zu wechseln. Für das neue Ausbil­dungsjahr stellen Betriebe und Unternehmen 37.650 Plätze für diese betrieblichen Praktika zur Verfügung.

Stimmung von 2008 nach 2009 übertragen

Sowohl Bundesregierung als auch die Paktpartner aus der Wirtschaft sehen für 2009 die Möglichkeit einer weiteren positiven Entwicklung. Zwar stehe der Ausbildungs­markt 2009 vor einer Bewährungsprobe, wie der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Ludwig Georg Braun, betonte: „Die Finanz- und Absatzkrise wird nicht spurlos am Ausbildungsmarkt vorbeigehen.“ Aber nach einer aktuellen DIHK-Umfrage plane die überwiegende Mehrheit der Betriebe, die Zahl ihrer Ausbildungsplätze zu halten oder sogar zu erhöhen, so Braun.

„Für die Unternehmen wird es schwieriger, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen“, erklärte Braun. 2009 werden wieder deutlich weniger Jugendliche die Schulen verlassen – bis zu vier Prozent. Während der Rückgang in den westlichen Bundes­ländern etwa 1,5 Prozent betragen wird, gehen die Statistiker für die östlichen Bun­desländer von einem Rückgang von bis zu 15 Prozent aus. Für die Betriebe stehe daher nun ein strategisches Ziel im Vordergrund, so der DIHK-Präsident: „Jetzt aus­bilden, damit die Fachkräfte vorhanden sind, wenn es wieder besser läuft.“

Der Bundesminister für Arbeit und Soziales, Olaf Scholz, wies besonders auf die Benachteiligten  hin. „Wenn wir nicht auch Jugendliche mit schlechten Abschlüssen berücksichtigen, fehlen uns in Zukunft die Fachkräfte.“ Das Ziel müsse sein, allen, die ausbildungsfähig seien, auch ein Ausbildungsangebot zu machen. Sonst drohe diesen Menschen die Armut.

Ausbildungsbonus noch wenig genutzt

Scholz sprach auch den im Sommer 2008 neu geschaffene Ausbildungsbonus an. Er soll die Chancen von Altbewerbern und benachteiligten Jugendlichen erhöhen: Betriebe, die solche Bewerber einstellen, werden von der Bundesagentur für Arbeit mit 4.000 bis 6.000 Euro bezuschusst. 100.000 neue Ausbildungsplätze sollen so entstehen.

Bisher werden aber erst 11.500 Ausbildungsverhältnisse durch die neue Maßnahme gefördert. „Die Einführung des Ausbildungsbonus kommt bisher nur schleppend voran,“ so der Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), Manfred Kremer und appellierte an die Sozialpartner, Kammerverbände und Kammern vor Ort, die Bundesagentur mehr zu unterstützen.

Nach einer aktuellen repräsentativen Befragung des Bundesinstituts für Berufsbildung haben von 1.000 Betrieben erst zwei Prozent Ausbildungsboni für neu geschaffene Ausbildungsplätze beantragt. Weitere 2,6 Prozent hatten sich zum Zeitpunkt der Befragung noch nicht entschieden. Vor allem Unternehmen, die bereits vorher ausgebildet haben, nehmen die Zuschüsse in Anspruch.

Dabei dürften die finanzielle Entschädigung in vielen Fällen für den Mehraufwand entschädigen, der sich bei leistungsschwächeren Auszubildenden ergeben kann. So ist der Bonus eine Chance gleichermaßen für Altbewerber wie für Betriebe, die zunehmend über zu geringe Bewerberzahlen und mangelnde Ausbildungsreife klagen.

Langfristige Perspektive

Sowohl in der Bundesregierung als auch auf Seiten der Wirtschaft werden längerfris­tige Überlegungen angestellt. Dabei geht es beispielsweise um besondere Informationsmaßnahmen für Menschen mit Migrationshintergrund.

Mit dem Konzept „Berufswegeplanung ist Lebensplanung“ wollen die Partner außer­dem die frühzeitige Berufsorientierung stärken. Insbesondere im schulischen Bereich könne hier viel getan werden, erklärte Staatssekretärin Cornelia Quennet-Thielen vom Bundesbildungsministerium: „Es darf uns niemand verloren gehen.“ Unterneh­menspatenschaften für Schulen, Hilfe für Schüler bei der Berufsorientierung möglichst schon zwei oder drei Jahre vor Abschluss sowie gezielte Mentoren- und Patenschaftsprogramme sollen hier greifen.