Mittwoch, 10. Dezember 2008
Auf dem Weg zur Bildungsrepublik
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Die Reform des Bildungssystems greift. Der Bildungsstand der Bevölkerung steigt. Das ist bei dem hohen Fachkräftebedarf und immer höheren Qualifikationsanforderungen an die Menschen eine gute Botschaft. Enthalten ist diese im zweiten Nationalen Bildungsbericht "Bildung in Deutschland 2008", der im Frühsommer des Jahres erschien.
Am 3. September 2008 nahm die Bundesregierung Stellung zum Bericht. Sie machte dabei deutlich, dass die Aufstiegschancen im deutschen Bildungssystem noch besser werden müssen. Dies ist auch ein Ziel der Qualifizierungsinitiative, die die Bundesregierung auf dem Bildungsgipfel am 22. Oktober 2008 mit den Ministerpräsidenten der Länder beschlossen hat.
Mehr Geld für Bildung
"Wohlstand für alle heißt heute Bildung für alle", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel nach dem Bildungsgipfel in Dresden. Mit den Ministerpräsidenten der Länder hat sie sich für dieses Ziel auf gemeinsame Leitlinien und Leitsätze verständigt. Wie die Bundeskanzlerin betonte, ist es "das erste Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, dass es ein solches gemeinsames Bekenntnis gibt und dass man sich auf diese Hauptsache konzentriert."
Bund und Länder werden ihre Investitionen in Bildung und Forschung bis zum Jahr 2015 auf zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts erhöhen. Drei Prozent ist die Zielmarke für die Forschungsausgaben, sieben Prozent für die Bildung. Das bedeutet jährlich etwa 25 Milliarden Euro mehr. Bis Herbst kommenden Jahres soll eine "Strategiegruppe" Vorschläge erarbeiten, wie sich die Erhöhung der Bildungsausgaben erreichen lässt.
Bundeskanzlerin und Ministerpräsidenten verständigten sich darüber hinaus auf konkrete Maßnahmen zur Verbesserung des deutschen Bildungssystems. Die Quote der jungen Menschen, die ohne Abschluss die Schule verlassen, soll bis 2015 von acht auf vier Prozent sinken. Jeder, der kann und will, soll die Möglichkeit erhalten, einen Schulabschluss nachzuholen. Ebenso soll die Zahl der Jugendlichen ohne abgeschlossene Berufsausbildung halbiert werden – von heute 17 auf 8,5 Prozent.
Übergang zur Ausbildung besonders wichtig
Besonderes Augenmerk gilt dem Übergang von der Schule hin zur Ausbildung. Die Initiative "Abschluss und Anschluss" will aus Übergangszeiten Ausbildungszeiten machen. In enger Abstimmung mit der Wirtschaft werden Ausbildungsvorbereitungen gerade für Benachteiligte verbessert. Bund und Länder werden das Übergangs- zu einem Einstiegssystem machen. Vor allem anrechenbare Ausbildungsbausteine in vorbereitenden Maßnahmen könnten ein Weg sein. Daneben werden die Möglichkeiten ausgebaut, vollzeitschulische Ausbildungsleistungen anzurechnen.
Schon während der Schulzeit wird eine intensivere Berufsorientierung gefördert. Schon frühzeitig sollen Jugendlichen ihre Stärken und Schwächen bewusst gemacht werden. Die Bundesagentur für Arbeit unterstützt die Länder dabei, wenn schon während der Schulzeit ein Kompetenzprofil erstellt wird. Damit lassen sich Lerndefizite frühzeitiger erkennen und beheben. Damit kann schon während der Schulzeit die Ausbildungsreife verbessert und so der Übergang in eine Ausbildung erleichtert werden.
Der Bund wird die Voraussetzungen für den flächendeckenden Einsatz des Berufswahlpasses schaffen. Es wird geprüft, ob sich durch die durch die Einführung einer elektronischen Version mehr junge Menschen erreichen lassen.
Schon in der Schule soll auf den Beruf vorbereitet werden. Berufsorientierung wird an allen allgemeinbildenden Schulen und Förderschulen verbindlich durchgeführt. Dazu sind konkrete Maßnahmen wie Betriebsbesuche und Praktika möglich. Eingebunden werden alle Partner der Schule, nicht zuletzt Eltern, Berufsschulen, Agenturen für Arbeit und Unternehmen.
Der Bund wird die Ausbildereignungsverordnung mit dem Ziel der Qualitätssicherung reformieren. Auch werden gemeinsam mit den Sozialpartnern und abgestimmt mit den Ländern die anerkannten Ausbildungsberufe bedarfsgerecht modernisiert. Dabei soll die Flexibilität zwischen verwandten Berufen erhöht werden. Vermehrt wollen die Regierungschefs Berufe schaffen, die eher praktisch begabten Schülerinnen und Schülern einen erfolgreichen Start in das Berufsleben ermöglichen.
Der Bund will, dass jeder nicht mehr schulpflichtige Jugendliche einen Hauptschulabschluss nachholen kann. Dazu sind verschiedene Maßnahmen vorgesehen.
Einfachere Übergänge
Die Übergänge zwischen den einzelnen Bildungsstufen sollen einfacher werden. Insbesondere beruflich Qualifizierte sollen auch ohne Abitur an Hochschulen studieren dürfen. Besonders Begabte erhalten Stipendien.
Auch die berufliche Weiterbildung soll deutlich gestärkt werden. Künftig werden sich 50 Prozent der Erwerbsbevölkerung weiter qualifizieren. Heute sind es 43 Prozent. Dafür werden unter anderem die finanziellen Bedingungen verbessert.
Wenn es gelingt, all diese Schritte in den nächsten Jahren umzusetzen, so stehen die Chancen gut, dass Deutschland zur Bildungsrepublik wird. Diese Ziel, das die Kanzlerin vor einem Jahr vorgegeben hat, ist wichtig für die Zukunft unseres Landes.
