Mittwoch, 10. Dezember 2008
Gute Chancen auch für 2009
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Werden sich die düsteren Konjunkturaussichten negativ auf den Ausbildungsstellenmarkt auswirken? Zur Zeit kann diese Frage niemand beantworten, da die Prognosen für die Konjunkturentwicklung stark schwanken. Auch sind sich Experten uneinig, ob und wie stark sich eine Rezession auf den Arbeitsmarkt auswirken könnte.
Noch am 2. Dezember äußerte sich der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) optimistisch. DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun sagte der Tageszeitung Die Welt: „Schulabgänger werden auch im nächsten Jahr gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz haben."
Verantwortlich sind aus seiner Sicht die abnehmenden Schulabgängerzahlen und der sich verschärfende Fachkräftemangel. Deshalb werden viele Betriebe auch bei schwächerer konjunktureller Lage weiter ausbilden. Die Zahl der Schulabgängerinnnen und Schulabgänger wird um vier Prozent zurückgehen, in Ostdeutschland sogar um über 15 Prozent.
Positive Jahresbilanz
Somit können wir darauf hoffen, dass sich der in diesem Jahr so positive Trend fortsetzen wird. Erstmals seit sieben Jahren überstieg die Zahl der offenen Ausbildungstellen deutlich die Zahl der noch Suchenden. Das war das Hauptergebnis der von der Bundesagentur für Arbeit zum 30. September 2008 vorgelegten Jahresbilanz.
Von Oktober 2007 bis September 2008 meldeten Ausbildungsbetriebe der Ausbildungsvermittlung insgesamt 511.600 Ausbildungsstellen. Das waren 1.200 mehr als im Vorjahreszeitraum. Zugleich schalteten 620.200 Bewerberinnen und Bewerber die Ausbildungsvermittlung bei der Suche nach einer Ausbildungsstelle ein, 113.800 weniger als im letzten Jahr. Eine Ursache ist die geringere Zahl der Schulabgänger. Am 30. September suchten noch 14.500 junge Menschen einen Ausbildungsplatz. Die Zahl der offenen Stellen lag bei 19.500.
Vor allem wirken aber die intensiven Bemühungen um Altbewerber. Das wichtigste Instrument in der Ausbildungsbonus der Bundesregierung. Firmen können ihn in Anspruch nehmen, wenn sie zusätzliche Stellen für diesen Personenkreis schaffen.
Nachvermittlung läuft noch
Aber auch für die im Herbst noch unversorgten Bewerberinnen und Bewerber bestehen Chancen. Noch bis zum Jahresende können Ausbildungsverträge geschlossen werden. Die regionalen Arbeitsagenturen luden noch Suchende zu einer der bundesweit 378 Nachvermittlungsaktionen ein.
Dabei muss nicht nur aus den offenen Stellen geschöpft werden. Es gibt auch Stellen für Einstiegsqualifizierungen. Diese betrieblichen Praktika in Verbindung mit Lernangeboten stellen insbesondere eine Chance für schwer Vermittelbare dar. Viele Betriebe erleben, wie gut ein junger Mann oder eine junge Frau in den Betrieb passt, auch bei unbefriedigendem Schulabschluss. So gelang in der Vergangenheit bei etwa zwei Dritteln der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Übergang in eine reguläre Ausbildung.
Die Resonanz auf die Nachvermittlungsaktion ist nach Aussage des DIHK mehr als verhalten: Nur jeder zweite eingeladene Jugendliche erschien auch. 40 Prozent kamen nicht, weitere elf Prozent entschuldigten sich. „Im Durchschnitt konnten wir jedem erschienen Jugendlichen mehr als zwei betriebliche Ausbildungsplätze anbieten", sagte Braun. Zählt man die Praktika und öffentlich finanzierten Programme hinzu, gab es pro Bewerber sogar fast sechs Ausbildungsangebote.
Pakt eingehalten
Betriebe aus Industrie und Handel haben wieder deutlich mehr Stellen angeboten. 343.259 Jugendliche schlossen Ausbildungsverträge mit Firmen dieses Sektors. Das sind 3,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Leicht rückläufig ist die Zahl der Ausbildungsverträge im Handwerk. Das ist allerdings der Sektor, der traditionell prozentual am meisten und in den vergangenen Jahren weit über Bedarf ausbildete.
Die Zusagen der Wirtschaft bei der Verlängerung des Ausbildungspakts zwischen Bundesregierung und Wirtschaft wurden deutlich übertroffen. Es gelang, 68.300 neue Ausbildungsplätze und 42.700 Ausbildungsbetriebe zu werben.
Staatssekretär Peter Hintze vom Bundeswirtschaftsministerium bestätigte, dass sich der Ausbildungspakt bewähre. "Die Herausforderungen des Strukturwandels wurde gemeinsam geschafft. Es ist ein großer Beitrag für den sozialen Frieden, dass der Nachwuchs weiß, dass es Chancen gibt", sagte er.
Auch der Bund hält seine Zusagen ein, nicht zuletzt bei der Finanzierung von Einstiegsqualifizierungen und Ausbildungsboni. Staatssekretär Andreas Storm vom Bundesbildungsministerium wies auf die 19.000 Lehrstellen hin, die über das Programm "JobStarter" gefördert werden.
Besondere Förderung für Kinder mit Migrationshintergrund
Jugendliche mit Migrationshintergrund sollen bis 2012 das gleiche Bildungsniveau haben wie deutsche Jugendliche. Dieses Ziel wurde im Nationalen Integrationsplan vereinbart. Konkrete Maßnahmen sind berufsspezifische Sprachförderung sowie ein Coachingprogramm für Migrantinnen und Migranten. Durch dieses Programm soll den Jugendlichen eine individuelle Betreuung bis hin zur beruflichen Qualifizierung angeboten werden.
Berufswegeplanung ist Lebensplanung
Die Partner des Ausbildungspakts wollen vor allem die Berufswegeplanung in Zusammenarbeit mit der Kultusministerkonferenz und Wirtschaftsministerkonferenz verbessern. Jugendliche sollen gezielter und passgenauer als bisher bei der Berufswahl unterstützt werden. Daraus ergeben sich konkrete Aufgaben für Schulen, Wirtschaft und Arbeitsagenturen, die in einem 11-Punkte-Programm zusammengefasst wurden. Auch die Eltern werden besonders aufgerufen, die Berufswahl aktiv zu unterstützen.
