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Donnerstag, 14. Dezember 2006

Berufliche Bildung auch Thema im ersten nationalen Bildungsbericht

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Erstmalig hat die Bundesregierung gemeinsam mit der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder (KMK) einen nationalen Bildungsbericht vorgelegt. Dieser von einem interdisziplinären Wissenschaftlerkonsortium erstellte Bericht gibt einen umfassenden Überblick über das gesamte Bildungswesen in Deutschland.

Er stellt einen ersten wichtigen Schritt zur Weiterentwicklung der Bildung nach der Föderalismusreform dar. Der nächste Schritt dieser neuen Gemeinschaftsaufgabe besteht darin, dass Bund und Länder gemeinsame Ziele für die Weiterentwicklung des Bildungswesens festlegen und diese dann in der jeweiligen Zuständigkeit umsetzen.

Die Bildung in Deutschland hat sich in den letzten Jahren verbessert. Das ist ein erfreuliches Ergebnis des Berichts. 90 Prozent der Deutschen haben einen Bildungsabschluss. Damit liegen wir auch im internationalen Vergleich an der Spitze.

Allerdings müssen wir in anderen Bereichen unsere Reformanstrengungen erhöhen. So besteht nach wie vor ein starker Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg. Auch gibt Deutschland nur 5,3 Prozent seines Bruttoinlandprodukts für Bildung aus und liegt damit unter dem OECD-Durchschnitt von 5,7 Prozent.

Berufsbildungssystem vorbildlich

Die Analyse der Experten ist insbesondere bei der beruflichen Bildung sehr positiv. Sie führen im Bericht aus: „Die deutsche Berufsausbildung unterhalb der Hochschul­ebene gilt bis heute in der internationalen Diskussion als vorbildlich. Ihren Ruf verdankt sie insbesondere dem dualen System aus betrieblicher und schulischer Ausbildung.

Die duale Berufsausbildung schuf und schafft nicht nur ein großes Reservoir gut ausgebildeter Fachkräfte, das als wichtige Voraussetzung für den wirtschaftlichen Erfolg und als komparativer Vorteil der deutschen Wirtschaft im internationalen Wett­bewerb angesehen wird. Sie vermittelt auch bis heute der Mehrheit der Jugendlichen wie kaum ein anderes Berufsausbildungssystem einen qualifizierten Berufsabschluss und ermöglicht bisher relativ bruchlose Übergänge von der Schule in den Arbeits­markt. Beide Qualitäten des Berufsausbildungssystems – große Streubreite qualifi­zierter Ausbildung und Vermeidung von Jugendarbeitslosigkeit – sind gerade in einer Zeit von Massenarbeitslosigkeit und erhöhter Unsicherheit auf dem Arbeitsmarkt von fundamentaler gesellschaftlicher Bedeutung.“

Übergangssystem wächst

Der Bericht differenziert zwischen drei Teilsystemen:

  • das duale System, d. h. die Ausbildung für einen anerkannten Ausbildungsberuf nach dem Berufsbildungsgesetz oder der Handwerksordnung;
  • das Schulberufssystem, d. h. die Ausbildung für einen gesetzlich anerkannten Beruf in vollzeitschulischer Form in Verantwortung des Schulträgers;
  • das berufliche Übergangssystem, d. h. (Aus-)Bildungsangebote, die zu keinem anerkannten Ausbil­dungsabschluss führen, sondern auf eine Verbesserung der individuellen Kom­petenzen von Jugendlichen zielen und zum Teil das Nachholen eines allgemein bildenden Schulabschlusses ermöglichen.

Der Bericht macht vor allem deutlich, wie stark das Übergangssystem in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen hat. Gingen 1995 insgesamt knapp 32 Prozent eines Jahrgangs in eine derartige Vorbereitungsmaßnahme, so waren es 2004 fast 40 Prozent. Für zwei Fünftel der Ausbildungsanfänger beginnt ihr Start ins Berufs­leben so mit Unsicherheit und ohne konkrete Berufsbildungsperspektive.

Der Bericht berücksichtigt nicht die neueren Daten der Vermittlungsjahre 2005 und 2006. Neuere Statistiken belegen, dass in den beiden letzten Jahren die Zahl der Altbewerber deutlich gestiegen ist. Insbeson­dere die im Jahr 2004 im Rahmen der Nachvermittlungsaktion des Ausbildungspakts erstmals angebotenen Einstiegsqualifizierungen für Jugendliche (EQJ) finden noch keine Berücksichtigung. Wie aktuelle Evaluierungen zeigen, vergrößert diese Maßnahme die Zahl der Personen im Übergangssystem erheblich. Andererseits führt sie zu einer Übernahmequote in Ausbildung von 60 Prozent. Das ist eine dreifach höhere Erfolgsquote als bei den meisten übrigen Vorbereitungsmaßnahmen. Dies zeigt, dass es nicht primär darum gehen sollte, die Vermittlung in Vorbereitungsmaßnahmen zu verringern. Wichtig ist, dass die Maßnahmen wie EQJ die Voraussetzung dafür schaffen, danach schnell und mit guten Erfolgsaussichten eine Ausbildung beginnen zu können.

Ausbildungsstrukturdaten

In einem weiteren Kapitel analysiert der Bericht das betriebliche Ausbildungsplatz­angebot generell und differenziert nach Wirtschaftszweigen. Danach sind die Ver­luste von Ausbildungsplätzen besonders hoch im Baugewerbe, begrenzt im Einzel­handel, aber beträchtlich in den modernen Dienstleistungsbranchen des Kredit- und Versicherungsgewerbes sowie Verkehr- und Nachrichtenübermittlung. Die zuletzt genannten Branchen waren lange Zeit Hoffnungsträger für die Beschäftigtenstruktur.

Während das verarbeitende Gewerbe in seinem Ausbildungsangebot relativ stabil bleibt, haben das Hotel- und Gaststättengewerbe sowie Immobilien und Dienst­leistungen für Unternehmen ihr Angebot ausgeweitet.

Weiterhin stellt der Bericht die Zahl aufgelöster Ausbildungsverträge dar. Hier gibt es leichte Schwankungen im Zeitverlauf ohne einen klaren Trend. Die höchste Quote mit 26 Prozent findet sich im Handwerk, gefolgt von freien Berufen mit 24 Pro­zent und IHK-Berufen mit 18 Prozent. Wesentliche Unterschiede zwischen alten und neuen Bundesländern zeigen sich im IHK-Bereich, wo die Quote im Osten deutlich höher ist. Der Bericht vermutet die Ursache in der anhaltenden Labilität der ostdeut­schen Industrie.

Schließlich geht der Bericht auf die Übernahme- und Beschäftigungsquote der Ausgebildeten ein, die eine der Hauptstärken des dualen Ausbildungssystems sind. Bedingt durch die zunehmend schwierigere Wirtschaftslage und zunehmende Arbeitslosigkeit im Beobachtungszeitraum ist ein negativer Trend zu erkennen. Es ist  zu erwarten, dass die derzeit anspringende Konjunktur und abnehmende Arbeits­losigkeit diesen Trend umkehrt. Auch wird die demographische Entwicklung mittel­fristig zu einer höheren Fachkräftenachfrage führen.

Maßnahmen des Bundes

In ihrer Stellungnahme macht die Bundesregierung deutlich, dass es schwieriger geworden ist, die überwiegende Mehrheit der Jugendlichen in eine qualifizierte Ausbildung zu vermitteln. Sie will daher ihre zahlreichen Maßnahmen u.a. zur Modernisierung des Systems verstärken.

Die verschiedenen berufsvorbereitenden und grundbildenden Maßnahmen der Län­der, der Bundesagentur für Arbeit sowie sonstige Aktivitäten sollen besser aufeinan­der abstimmt und der Übergang von der Berufsvorbereitung in die betriebliche Aus­bildung erleichtert werden. Dabei sollen die unterschiedlichen „Aus- und Vorbil­dungsbiographien“ der Jugendlichen stärker berücksichtigt werden.

Aktuell wird dazu im beim BMBF angesiedelten Innovationskreis „Berufliche Bildung“ die Konzeption und Erprobung eines Systems von Ausbildungsbausteinen beraten. Die Grundprinzipien – Berufskonzept und Abschlussprüfung – bleiben bei diesem Konzept unberührt. Dabei sollen kompetenzorientierte Ausbildungsbausteine aus den Ausbildungsordnungen des dualen Systems entwickelt werden.