Südafrika ist die zweite Station der Afrika-Reise von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die Republik am Kap von Afrika ist von bunter Völkervielfalt. Elf Landessprachen werden dort gesprochen. Von den circa 48 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern sind rund eine Million deutscher Abstammung. Hauptstadt und Regierungssitz ist Pretoria. Das Parlament hat seinen Sitz in Kapstadt, der ältesten Stadt des Landes. Johannesburg ist das wirtschaftliche Herz.
Das Land ist reich an Bodenschätzen. Seit Ende der Apartheid hat Südafrika den Wandel hin zu einer freien Marktwirtschaftsordnung vollzogen. Südafrika ist Deutschlands größter Handelspartner auf dem afrikanischen Kontinent. Gleichzeitig gehört Deutschland zu den wichtigsten Investoren in Südafrika.
Auch in Südafrika betonte die Bundeskanzlerin das große Interesse Deutschlands und Europas an einer guten wirtschaftlichen Entwicklung des Landes wie des Kontinents. Mit dem EU-Afrika-Gipfel im kommenden Dezember wolle Europa "ein neues Kapitel der Beziehungen zwischen den beiden Nachbarkontinenten" aufschlagen. Auf der Basis einer nach vorn gerichteten gemeinsamen EU-Afrika-Strategie könnten beide Staaten miteinander viel erreichen, kündigte die Bundeskanzlerin an.
Deutschland und Südafrika unterhalten schon heute sehr intensive Beziehungen. Politisch, wirtschaftlich und in internationalen Fragen arbeiteten beide Regierungen eng zusammen, hob Merkel nach einem Gespräch mit dem südafrikanischen Präsidenten Thabo Mbeki hervor. Aktuell wolle die deutsche Wirtschaft mit Unterstützung bei der betrieblichen Ausbildung dazu beitragen, die immer noch spürbaren Folgen der Apartheid zu überwinden.
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In ihrer Rede vor der deutsch-südafrikanischen Industrie- und Handelskammer lobte die Bundeskanzlerin das deutsche Engagement von Institutionen und Persönlichkeiten, die das wirtschaftliche Engagement in Südafrika von deutscher Seite her gefördert und vorangebracht haben.
So macht beispielsweise die "Südliches Afrika Initiative der Deutschen Wirtschaft (Safri)" mit vielfältigen Initiativen auf das Potenzial der Region aufmerksam und wirbt für verstärktes Engagement. Safri wurde vom Afrikaverein und Institutionen der Deutschen Wirtschaft ins Leben gerufen.
Merkel ermutigte die südafrikanische Wirtschaft, mehr Arbeitsplätze zu schaffen, "durch die junge Menschen auf diesem Kontinent eine Zukunft haben und ihr Glück und ihr Leben selbst gestalten können".
In Pretoria würdigte die Kanzlerin auch die wichtige Rolle Südafrikas bei der Bewältigung regionaler Konflikte in Afrika: sei es in Simbabwe, im Kongo, in Somalia oder im Sudan. "Wir wissen ihre Arbeit sehr zu schätzen", sagte Merkel.
Derzeit vermittelt die südafrikanische Regierung in Simbabwe zwischen dem Regierungslager und der Opposition. Die Opposition wird von dem langjährigen Machthaber Präsident Robert Mugabe massiv unterdrückt.
Bereits tags zuvor hatte sich Merkel vor der Afrikanischen Union tief besorgt über die Menschenrechtsverletzungen und die Zerstörung von Armenvierteln in Simbabwe gezeigt. "Wir dürfen dieser Entwicklung nicht tatenlos zuschauen", appellierte sie. Besonders die Nachbarstaaten seien hier in der Pflicht.
Südafrika ist aufgrund großer Flüchtlingsströme selbst stark von der Situation in Simbabwe betroffen. Mbeki berichtete, es gehe nun vor allem darum, im Nachbarland freie und faire Präsidentschaftswahlen für das kommende Jahr vorzubereiten. Regierung und Opposition des Landes hätten bereits angekündigt, das Ergebnis solcher Wahlen anerkennen zu wollen. Merkel kündigte an, die Lage in Simbabwe auch beim EU-Afrika-Gipfel in Lissabon kritisch ansprechen zu wollen.
Neben den politischen Gesprächen stand ein Thema im Vordergrund, bei dem Deutschland einiges an Know-how zu bieten hat: die kommende Fußballweltmeisterschaft, die 2010 in Südafrika ausgetragen wird. Zehn Stadien in neun Städten sollen die FIFA-Fußball-WM zu einem unvergesslichen Sporterlebnis machen. Der frühere Präsident Südafrikas, Nelson Mandela, ist Schirmherr der WM. Südafrika ist das erste afrikanische Land, das eine Fußball-WM ausrichtet. 1934 trat zum ersten Mal eine afrikanische Mannschaft bei einer Fußball-WM an.
In Johannesburg machte sich Merkel gemeinsam mit DFB-Team-Manager Oliver Bierhoff ein Bild vom Stand der Vorbereitungen. Beim Ausbau der Stadien stehen deutsche Fachleute den Organisatoren beratend zur Seite. Auch die Infrastruktur wird über das Ereignis hinaus von den WM-Investitionen profitieren können.
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Ebenfalls in Johannesburg traf die Bundeskanzlerin zum ersten Mal mit Nelson Mandela zu einem Gespräch zusammen. Mandela gilt als historisches Symbol zur Überwindung der Apartheid. Der 89-jährige Friedensnobelpreisträger empfing Merkel im Gebäude der nach ihm benannten Stiftung. Die Nelson-Mandela-Stiftung unterstützt viele Hilfsprojekte, Aids-Programme und führt Aufklärungskampagnen durch. Südafrika gehört zu den Ländern mit den höchsten Aids-Infektionsraten.
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Darf ein katholischer Pfarrer über Kondome sprechen? Er muss es sogar, findet der deutsche Geistliche und Gemeindepfarrer Stefan Hippler. Die Bundeskanzlerin und Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul besuchten ihn und sein HIV-Hilfsprojekt HOPE in Kapstadt. Jedes dritte Kind, das zu ihm ins Krankenhaus kommt, ist infiziert, ebenso jede dritte Schwangere.
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In der Nähe von Kapstadt besuchte die Bundeskanzlerin außerdem das von Deutschland geförderte Biodiversitäts-Forschungsprojekt "Biota Southern Africa".
Bei ihrer halbtägigen Bereisung der Kapregion informierte sie sich über die Bedeutung des Wandels der biologischen Vielfalt im Spannungsfeld von Klimawandel und der zukünftigen Entwicklung der Länder Afrikas. Deutschland gibt durch das Biota-Projekt unter anderen wissenschaftliche Unterstützung für den Schutz und die nachhaltige Nutzung von Afrikas Biodiversität. So durch das Forschungsprogramm Biolog (Biodiversität und Globaler Wandel), das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird.
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Südafrika verfügt über eine äußerst differenzierte Flora und Fauna sowie viele Nationalparks. Es gehört zu den fünf Ländern mit der größten biologischen Vielfalt auf der Erde. In der kleinen Kapregion gibt es 8.000 Pflanzenarten, von denen fast drei Viertel nur dort heimisch sind. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass das international anerkannte Biodiversitäts-Forschungsprojekt "Biota Southern Africa" dort angesiedelt ist und internationale Anerkennung genießt.
Die Bundesregierung fördert das multilaterale Biota-Verbundprojekt mit rund 2,6 Millionen Euro jährlich. Gemeinsam mit Biota Westafrika und Biota Ostafrika bildet es ein wichtiges Netzwerk in der Forschung und zur Erhaltung und zum Schutz der biologischen Vielfalt. Es wurde von südafrikanischen, namibischen und deutschen Wissenschaftlern entwickelt.