Die Afrika-Reise der Bundeskanzlerin

Äthiopien: Afrika ist in Bewegung

Ihre fünftägige Afrika-Reise vom 3. bis 7. Oktober führte Bundeskanzlerin Angela Merkel zunächst in die äthiopische Hauptstadt Addis Abeba. 

Äthiopien liegt auf einem Hochplateau und hat circa 79 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner. Rund fünf Millionen Menschen leben in Addis Abeba. Die Hauptstadt liegt an den Hängen des Entoto Berges auf circa 2.300 bis 2.500 Meter Höhe. Äthiopien gehört zu den ärmsten Ländern der Welt und ist das drittgrößte Empfängerland von Entwicklungszusammenarbeit weltweit.

"Echte Partnerschaft" mit Afrika

Zum Auftakt ihrer Reise betonte Merkel das große Interesse Europas an der Entwicklung des afrikanischen Kontinents. Zugleich mahnte sie Rechtstaatlichkeit, Demokratie und die Achtung der Menschenrechte an. Diese Prinzipien der so genannten "Good Governance" seien entscheidende Voraussetzungen für die wirtschaftliche Entwicklung.

"Europa muss mehr tun", unterstrich die Bundeskanzlerin mit Blick auf das wachsende Engagement anderer internationaler Akteure in Afrika. Insbesondere China und die Vereinigten Staaten investieren zunehmend auf dem Kontinent.   

Mit einer Afrika-Konferenz der G8-Staaten im November und dem EU-Afrika-Gipfel im Dezember wollen die entwickelten Staaten ein Signal für eine intensivere Zusammenarbeit mit dem afrikanischen Kontinent setzen. Bereits beim G8-Gipfel in Heiligendamm war die Entwicklung des Kontinents neben dem Klimaschutz ein zentrales Thema. Gegenüber den afrikanischen Partnern hatten sich die G8-Staaten hier zu ihren früheren Zusagen und den so genannten Millenniums-Zielen bekannt. 

Merkel erinnerte in Addis Abeba auch an die Geberkonferenz des Globalen Fonds Ende September in Berlin. Dort hatten zahlreiche Geberländer fast zehn Milliarden US-Dollar für den Kampf gegen Aids, Tuberkulose und Malaria für die nächsten drei Jahre zugesagt.  

>> Fast sieben Milliarden Euro im Kampf gegen Infektionskrankheiten zugesagt

Demokratie: Basis für wirtschaftliche Entwicklung  

Die deutsch-äthiopischen Beziehungen sind seit über hundert Jahren sehr gut. Jetzt sollen sie nach dem Willen der Bundesregierung noch intensiver werden.    

"Wir haben ein sehr großes Interesse an einem offenen politischen System in Äthiopien", sagte Merkel nach einem Gespräch mit Premierminister Meles Zenawi. Bei der wirtschaftlichen Entwicklung, aber auch beim Kampf gegen Krankheiten und Seuchen wolle Deutschland helfen, wo es könne. Für eine Gesundheitsstrategie komme es besonders auf den Schutz und die Aufklärung der Frauen an, sagte Merkel.  

Die erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung des Landes hänge allerdings ebenso stark von den politischen Rahmenbedingungen ab, unterstrich die Kanzlerin. Demokratie, ungehinderte Arbeitsmöglichkeiten für die Opposition, die Achtung der Menschenrechte und engagiertes Einschreiten gegen Korruption seien wichtige Voraussetzungen für Entwicklung und Wachstum.

Zenawi bekannte sich zur Fortsetzung des eingeschlagenen Reformkurses, sprach aber von einem "schwierigen Weg". Er würdigte das europäische Engagement und die Zusagen der G8-Staaten. Mit Blick auf andere starke Investoren sagte er jedoch: "In jeder Beziehung liegen Chancen."  

Auftritt vor der Afrikanischen Union

Addis Abeba ist auch Sitz der Afrikanischen Union (AU). Die AU ist die Nachfolgeorganisation der OAU (Organisation für Afrikanische Einheit). Außer Marokko sind alle 53 afrikanischen Staaten Mitglied.

In ihrer Rede vor der Afrikanischen Union sprach Merkel dem ghanaischen AU-Präsidenten, John Kufuor, und dem Vorsitzenden der Kommission, Alpha Oumar Konaré, Anerkennung für ihre Arbeit aus. Beide hätten das Ansehen und das Gewicht der AU in der gesamten Welt gestärkt. Die Afrikanische Union sei ein wichtiger Akteur auf der internationalen Bühne. 

>> Afrika ist in Bewegung: Die Bundeskanzlerin vor der Afrikanischen Union

Hilfe, die ankommt 

Die Bundeskanzlerin führte aber nicht nur politische Gespräche. Sie besuchte auch ein Straßenkinder-Projekt der deutschen Kindernothilfe. Gemeinsam mit dem Hilfsprogramm Oprifs hat die Kindernothilfe in der äthiopischen Hauptstadt ein Zentrum für Straßenmädchen eingerichtet. Es soll helfen, die katastrophalen und lebensbedrohlichen Lebensumstände einiger hundert Straßenmädchen zu verbessern und sie vor sexueller Ausbeutung und Missbrauch zu schützen. Die Kindernothilfe arbeitet in Äthiopien mit verschiedenen Partnern in fast hundert Projekten. Gesamtbudget für 2007: 4,7 Millionen Euro. 

>> Angela Merkel besucht Hilfsprojekt in Addis Abeba

Mitte 2007 waren in Äthiopien etwa 230 deutsche und 500 lokale Expertinnen und Experten bei deutschen Durchführungsorganisationen unter Vertrag. Das gesamte Auftragsvolumen der deutschen Durchführungsorganisationen in der Entwicklungszusammenarbeit beträgt mehr als 400 Millionen Euro. Trotz steigender Getreideproduktion benötigen 2007 etwa 2,3 Millionen Äthiopierinnen und Äthiopier immer noch kontinuierliche Nahrungsmittelhilfe.

Kontext