Nutztiere und Entwicklung

Hilfe zur Selbsthilfe: Milchkühe für Uganda

John Makumbi aus der Gemeinde Bisanje in Uganda hat sich mit seinen zehn Kindern vor seiner Hütte versammelt. Sie schauen gespannt auf einen Mann aus Deutschland. Karl Pfeifer hält eine Kuh an der Leine, die er symbolisch dem Familienoberhaupt übergibt. Seit seine Frau vor einem Jahr an Aids gestorben ist, muss John allein für seine große Familie sorgen.

Diese Kuh, die er jetzt sein Eigen nennen kann, hat die Lebenssituation seiner Familie entscheidend verändert. Die neue Lebensgrundlage auf vier Beinen wird daher von allen gehegt und gepflegt, denn sie bedeutet für eine Familie in Uganda auch Reichtum und Ansehen.

Ankauf von Milchkühen aus der Region

Bei den Milchkühen, die von der Kolping-Organisation in Uganda von Farmen in der Region beschafft werden, handelt es sich um europäische Rassen, die mit einheimischen gekreuzt wurden. Diese Kühe sind zwar nicht ganz so widerstandsfähig gegen Krankheiten und Parasiten wie die einheimischen Rinder. Sie geben aber bis zu 20 Liter Milch am Tag, erzählt der rüstige Rentner aus Friedrichshafen am Bodensee e.velop.

„Die Milch ist eine ganz wertvolle Ergänzung des kargen Speiseplans der Familie, denn die Armut der Landbevölkerung Ugandas ist besonders groß. So können Mangelerscheinungen durch fehlendes tierisches Eiweiß vermieden werden. Das kommt besonders der Gesunderhaltung der Kinder zugute.“

Jetzt kann die Familie sogar überschüssige Milch verkaufen und somit ihr Einkommen aufbessern. Aber nicht nur die Milch, sondern auch der durch den Kuhdung erzielte höhere Ertrag auf den Feldern verbessert die Lebensgrundlage. Eine Kuh bewirkt eine ganze Kette von Verbesserungen.

Schneeballsystem sichert die Verbreitung

Damit möglichst viele Familien eine Kuh bekommen, muss das erste weibliche Kälbchen an eine andere Familie gegeben werden, die bisher noch keine Kuh hat. So entsteht ein Art „Schneeballsystem“, das für eine Verbreitung des Kuhprojektes sorgt, erklärt Pfeifer die auferlegte Bedingung.

Entscheidung für das Kolping-Milchkuhprojekt

Zustande gekommen ist die Kuh-Initiative als Karl Pfeifer im Jahr 2000 mit acht Bergsteigern aus der Bodenseeregion eine Exkursion nach Kenia und Tansania unternahm. Für die Alpinisten bestand schon lange der Wunsch, auch den Mount Kenya und den Kilimanjaro zu besteigen, die beiden höchsten Berge Afrikas.

Die Teilnehmer der Exkursion wollten aber in Afrika auch „ein Zeichen“ setzen. Und somit entstand die Frage nach einem geeigneten Projekt für das soziale Engagement. Da der Friedrichshafener Alpinist und ehemalige Dozent beim Kolping-Bildungswerk Württemberg gute Kontakte zum Kolping-Entwicklungsdienst hatte, war die Frage schnell geklärt. So kam es zu dem Engagement für das Kuhprojekt.

Viel Überzeugungsarbeit brauchte Pfeifer bei seinen Kameraden nicht zu leisten. Das Projekt war schon von der Idee her einfach und Erfolg versprechend. Zudem war sichergestellt, dass das Projekt durch die Kolping-Organisation vor Ort organisiert und betreut wird.

 

Die "Brücke Friedrichshafen–Uganda" geht ins achte Jahr

Mittlerweile sind sieben Jahre vergangen. Rund 60.000 Euro hat Karl Pfeifer in dieser Zeit sammeln können. Mehr als 150 kinderreichen Familien in Uganda, Tansania und Kenia konnte mit den Spendengeldern zu einer Milchkuh verholfen werden – und damit zu einer Chance für ein besseres Leben.

Im Januar 2006 war Pfeifer das letzte Mal in Afrika: Auf seiner Reise durch Uganda, mit Unterstützung der dortigen Kolping-Organisation, hat er 15 Familien in den entlegensten Winkeln besucht. Dabei konnte er sich vor Ort von den verbesserten Lebensumständen überzeugen. Auch über die Haltung und die Pflege der Kühe hat Pfeifer sich ein Bild gemacht. „Ich war sehr zufrieden“, erzählt er e.velop.

Freude über ein Dankeschön

Besonders beeindruckend für Karl Pfeifer ist immer wieder die freundliche und zufriedene Atmosphäre, die in den afrikanischen Landfamilien herrscht. Auch die Disziplin und die Achtung der vielen Kinder den Eltern und Erwachsenen gegenüber war für ihn überraschend.

„Aber auch die unsagbare Dankbarkeit über die Kuh kann ich als schönstes Souvenir mit an den Bodensee nehmen“, schwärmt der Friedrichshafener. „Diese Dankbarkeit versuche ich an die vielen Spender hier um den Bodensee weiterzugeben.“

Denn eine Kuh kostet in Uganda so um die 400 Euro - für die meisten Familien unerschwinglich.

Eine Arbeitsstunde für das Kuhprojekt

Im Mai dieses Jahres arbeiteten die Mitarbeiter von 15 Handwerksbetrieben in der Bodenseeregion eine Stunde für das Kuhprojekt in Uganda. Ihr Motto: „Wenn sich Kleine zusammentun, können sie auch Großes bewirken.“ In der Zwischenzeit konnten mit den überwiesenen Spenden sieben Kühe in Uganda angeschafft werden.

Auch dies ist für e.velop ein Beispiel dafür, dass die Idee und das soziale Engagement eines Einzelnen viel bewegen und andere mitreißen kann. Pfeifer ist auch heute noch ehrenamtlich für das Kolpingwerk tätig.

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