Das Programm Mali-Nord, ist das größte Projekt zur Überwindung des bewaffneten Konfliktes und seiner Folgen in Mali. Es wird von der deutschen Entwicklungszusammenarbeit finanziert und unterstützt. In der Region Timbuktu hat es zur Befriedung und Stabilisierung wesentlich beigetragen.
Mali-Nord ist ein flächendeckendes Friedens- und Ernährungssicherungsprogramm. Sein Herzstück ist seit Jahren ein umfangreiches Bewässerungsvorhaben. Dieses stellt die Programmverantwortlichen vor Ort immer wieder vor neue Herausforderungen. Barbara Rocksloh-Papendieck, Mitglied des dreiköpfigen Leitungsteams, gibt einen kurzen Einblick in den ganz normalen Logistik-Alltag, der sich auf Malis Transportwegen abspielt. Wer nicht improvisieren kann, hat schlechte Karten, sein Transportgut ans Ziel zu bringen - zum Beispiel wichtige Wasserpumpen und Motoren aus Deutschland.
In Mali findet jedes Jahr im Mai und Juni ein intensiver Wettlauf mit der Regenzeit statt. Dabei geht es nicht so sehr um die Arbeiten auf den Feldern. Sorgen bereitet der Projektleitung vielmehr der Transport, die Montage und die Installation der Motorpumpen. Diese Logistikaktion wird oft zu einer Zitterpartie. Das macht deutlich, wie wichtig ein funktionierendes und befestigtes Schienen- und Straßennetz für die Entwicklung eines Landes ist.
In diesem Jahr wurden 28 neue Pumpaggregate mit Dieselmotoren erwartet. Sie sollen die Felder im Flusstal des Niger bewässern. Sie müssen das Wasser aus dem Flussbett auf die Felder drücken, im Extremfall bis zu neun Meter hoch.
Die Lieferung bestand aus sieben Containern, jeder mit vier Motorpumpen bestückt (inklusive fahrbarem Untergestell, Ansaug- und Druckschlauch). Hinzu kam ein achter Container mit 31 Ersatzmotoren von Hatz, einem deutschen Motorenhersteller aus Bayern.
Die kostbare Ladung hatte einen weiten Weg hinter sich. Die Container liefen von Passau nach Bremerhaven und von dort auf einem Containerschiff weiter nach Dakar. Von Deutschland bis zum Hafen von Dakar sind die Termine meist zuverlässig, die Schiffspassage dauert nur zehn Tage.
Die größte Unsicherheit beim Transport besteht zwischen Dakar und Bamako. Eine Eisenbahnlinie aus der Kolonialzeit verbindet beide Städte auf einer Strecke von knapp 1.400 Kilometern. Die Waggons rollen in ein modernes Containerterminal, das im Industrieviertel von Bamako, der Hauptstadt Malis, entstanden ist. Der Transport sollte eine Sache von wenigen Tagen sein - so meint man - aber weit gefehlt.
In der Regenzeit werden Jahr für Jahr Bahngleise unterspült und Straßenpisten weggerissen. Das führt zu Unterbrechungen und schweren Unfällen. Deswegen wurde großer Wert auf sofortige Verladung gelegt, um keine Zeit zu verlieren.
Sieben Container waren denn auch geschlagene drei Wochen nach ihrer Ankunft in Dakar weiter gerollt. Einer blieb aus unerfindlichen Gründen stehen. Hartnäckige Interventionen des Versenders in Deutschland führten schließlich zum Erfolg. Auch er erreichte dann endlich Bamako per Bahn.
Rund 2.500 Euro kostet der Transport eines Containers auf dem langen Weg von Passau über Bremerhaven und Dakar nach Bamako (LkW, Schiff, Bahn). Der LkW-Transport auf dem „kurzen“ Weg (950 Kilometer), von Bamako nach Diré, kostet fast ebensoviel.
In Richtung Diré (Timbuktu) gibt es keine Straße und die rund 400 Kilometer lange Strecke birgt hohe Risiken. Von den acht LkWs waren sechs im Schnitt eine knappe Woche unterwegs. Zwei kamen gar nicht durch und blieben mit Achs- oder Gelenkwellenbruch im tiefen Sand stecken.
Der Mechaniker der Werkstatt in Diré musste mehrere Male mit etlichen Männern zur Bergungshilfe ausrücken. Die Bergung war äußerst schwierig. Die schwere Ladung musste von Hand auf mehrere aus Diré mitgebrachte kleinere LkWs umgeladen werden.
Auch am Bestimmungsort, dem großen Hof der Garage de Mécanique Agricole (GMA) in Diré, geht das Entladen der Container nur von Hand vor sich. Mit Hilfe der elektrischen Winde eines Geländewagens werden die schweren Packstücke aus dem Container gezogen. Nach der Entladung werden die Aggregate mit Zubehör von Hand montiert.
In einem anschließenden längeren Probelauf werden die Pumpenaggregate schließlich vom Garagenchef Boubacar Bâ abgenommen. Schwierige und komplexe technische Vorgänge werden von ihm bei einfachsten Mitteln mit Umsicht und Sachverstand angepackt und erledigt.
Der Container mit den 31 Ersatzmotoren befand sich auf einem der liegengebliebenen LkW. Auch die Motoren mussten einzeln umgeladen werden und rollten ebenfalls nach Diré zu Boubacar Bâ. Sie werden ohne subventionierten Anteil zum realen Weltmarktpreis an die Nutzergruppen verkauft.
In Diré ist in den vergangenen dreizehn Jahren ein Zentrum technischer Kompetenz entstanden. Dazu haben die deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) und die deutsche KfW-Entwicklungsbank maßgeblich beigetragen.
Es hat sich im Lande herumgesprochen: Die GMA ist der Stützpunkt für die Landtechnik in der Region von Timbuktu. Die inzwischen rund 400 installierten Motorpumpen lassen sich durch Sachverstand allein jedoch nicht instand halten. Auf Dauer braucht man dafür auch Werkzeug, Geräte und eine vernünftig ausgestattete Wartungs- und Fortbildungswerkstatt.
In den kommenden Jahren sollen Fortbildung und Wartung daneben dezentralisiert werden. Dazu sollen mobile Werkstatt- und Fortbildungseinheiten dienen. Die defekten Pumpen brauchen dann nicht mehr mühselig auf langen Wegen nach Diré gebracht zu werden.
Die Technische Universität München hat einen viel versprechenden Entwurf für eine mobile Werkstatt zur Reparatur von Wasserpumpen vorgelegt. Solche Modelle sollen bald zum Einsatz kommen. So handfest und innovativ kann die Zusammenarbeit zwischen Hochschulen, der Wirtschaft und der Entwicklungszusammenarbeit aussehen.
(Autoren: Barbara Rocksloh-Papendieck und Henner Papendieck, Leitung Programm Mali-Nord)