Bangladesh

Menschen vor qualvollem Arsentod bewahren

Eine Gesundheitskatastrophe bedroht Bangladesh. Das Land ist etwa doppelt so groß wie Bayern. Dort leben 140 Millionen Menschen, von denen etwa 51 Millionen akut von einer Vergiftung durch Arsen bedroht sind. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht von der größten Massenvergiftung in der Geschichte der Menschheit.

Arsen ist ein natürliches im Erdboden vorkommendes Element. Es wird im Grundwasser gelöst. In Bangladesh ist das Grundwasser stark mit Arsen belastet. Durch Millionen neu gebauter Brunnen gelangt es ins Trinkwasser. Genauere Zusammenhänge sind noch nicht endgültig geklärt.

Unheimliche und lebensbedrohende Erkrankung

Seit etwa zehn Jahren erkranken Hunderttausende von Menschen in Bangladesh mit bis dahin unbekannten Symptomen. Sie bekommen schwarze Flecken an Händen und Füßen, Ausschlag und Geschwüre. Auch innere Organe werden befallen. Hautkrebs, Blasen- und Nierenkrebs treten als Folge auf. Medikamente zeigen keine Wirkung.

Erst nach längerer Zeit erkannten Forscher die Ursachen der unheimlichen Erkrankung. Es handelt sich um Arsenicosis, eine durch Arsen im Trinkwasser hervorgerufene Vergiftung. Arsen ist unsichtbar und geschmacklos. Die ersten Symptome fallen wenig auf. Dann verfärben sich Hände und Füße, Wunden treten auf, Gliedmaßen faulen ab. Ohne Hilfe führt die Erkrankung zu einem qualvollen Tod.

Hilfe durch Aufklärung

Es ist wichtig, dass die Menschen die Ursache für ihre Erkrankung erkennen. Viele glauben, dass es sich um Lepra oder eine Strafe Gottes handelt. Sie werden vielfach aus der Dorfgemeinschaft oder der Familie ausgestoßen. Sie müssen auf die Gefahren des verseuchten Wassers hingewiesen werden und darauf, wie man sich vor der Erkrankung schützen kann.

Die einzige Möglichkeit, die Erkrankung zu verhindern oder die Kranken zu heilen, ist die Verwendung von arsenfreiem Wasser. Jedes Wasser, das zum Trinken oder Kochen verwendet wird, muss gefiltert werden. Da besonders ärmste Menschen von der Vergiftung bedroht sind, muss ein kostengünstiger Filter eingesetzt werden.

Der Sono-Filter

Zwei Wissenschaftler aus Bangladesh, Abul Hussam und Abul Kashem Mohamed Munir, haben einen einfach zu bedienenden kostengünstigen Filter entwickelt. Der Filter besteht aus zwei übereinander stehenden Plastikgefäßen. Das belastete Wasser läuft durch einen Filter aus Sand, Kohle und Eisenspänen und wird durch einen Kran entnommen. Alle Bestandteile kommen aus dem eigenen Land. Der Filter hält ungefähr sieben Jahre.

Die Wartung ist einfach und kann mit 1,50 Euro pro Jahr von der Bevölkerung genutzt werden. Der Filter mit einem Wasserdurchfluss von 4 Litern pro Stunde wird in Familien eingesetzt. Große Filter, die 30 Liter pro Stunde filtern, werden zum Beispiel in Schulen verwendet. Die Rückstände sind ungefährlich. Die Regierung von Bangladesh hat den Filter als einzigen nicht-chemischen Filter anerkannt und zur Verwendung empfohlen.

Begehrter Technologiepreis für Entwickler des Filters

Für die Entwicklung des Filters bekamen Hussam und Munir 2007 den mit einer Million Dollar dotierten "Grainger Challenge Prize for Sustainability". Er wurde von der U.S. National Academy of Engineering vergeben. Hussam lehrt zurzeit an der George-Mason-Universität in Virginia, USA. Munir ist Arzt in Bangladesh. Mit einem Teil des Preises hat Hussam ein "Institut für sauberes Wasser für den Frieden" gegründet.

Hussam und Munir sind ehrenamtliche Mitarbeiter bei der Nichtregierungsorganisation MSUK (Manob Sakti Unnayan Kendro). MSUK ist die führende Organisation auf dem Gebiet der Arsenmessung sowie der Linderung der Krankheitsfolgen und der Filter-Produktion in Bangladesh. Bisher wurden 55.000 Filter an die Bevölkerung in Arsen verseuchten Gebieten verteilt. Die Organisation arbeitet kostendeckend, aber sie macht keine Gewinne.

Die Lichtbrücke – Partner von MSUK

Die Nichtregierungsorganisation "Lichtbrücke" aus Engelskirchen ist seit 30 Jahren auf vielen Gebieten der Entwicklungszusammenarbeit in Bangladesh tätig. Mit ihren bengalischen Partnerorganisationen arbeitet die „Lichtbrücke“ besonders auf dem Gebiet der Hilfe zur Selbsthilfe durch Ausbildung und Vergabe von Kleinkrediten.

MSUK kann das großflächige Arsenfilterprogramm nicht mit eigenen finanziellen Mitteln bewältigen. Sie wandte sich deshalb an ihre langjährige Partner-Organisation „Lichtbrücke“ und bat um Hilfe. Die „Lichtbrücke“ stellte eigene Mittel zur Verfügung. Zusätzlich reichte sie Co-Finanzierungsanträge beim Bundesentwicklungsministerium und dem Land Nordrhein-Westfalen ein. Seit 2002 wurden mit deren Hilfe 30.000 Filter in Haushalten und Schulen installiert.

MSUK klärt auch über Arsenvergiftung in den Dörfern auf. Die Organisation schickt Ärzte in die betroffenen Gebiete, um Kranke zu identifizieren und zu behandeln. Alle Menschen konnten – soweit sie sich im ersten Stadium der Krankheit befanden – durch den Konsum von arsenfreiem Wasser geheilt werden.

Wenn das Arsenfilterprogramm in großen Gebieten von Bangladesh eingesetzt werden soll, ist noch viel Unterstützung notwendig. Durch die Verleihung des Technologiepreises sind viele große Nichtregierungsorganisationen und Banken aufmerksam geworden und haben Hilfe zugesagt. Ein Sono-Filter kostet für eine Familie 30 Euro und für eine Schule 43 Euro.

(Autorin: Monika Jigalin, Stellvertretende Vorsitzende von Lichtbrücke e.V., Engelskirchen) 

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