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Nr. 54   07/2007 
 

Herausforderung für Medizin und Wissenschaft

Die Malaria ist weltweit eine der bedeutendsten Infektionskrankheiten. Über ein Drittel der Weltbevölkerung lebt in Regionen, in denen die Erkrankung auftritt. Jährlich erkranken circa 500 Millionen Menschen in über 90 Ländern.
 
Die lebensbedrohliche Form, die Malaria tropica, wird durch den einzelligen Parasiten "Plasmodium falciparum" verursacht. Drei weitere Arten, die den Menschen befallen können, führen zu einer Malaria mit mildem Krankheitsbild: "Plasmodium vivax" und "Plasmodium ovale" sind die Erreger der "Malaria tertiana". "Plasmodium malariae" ist der Erreger der "Malaria quartana".
 

Malariaparasiten haben eine lange Geschichte

 
Malariaparasiten existieren seit mehreren tausend Jahren. Erreger wurden in Mumien nachgewiesen, die vor 5.200 Jahren bestattet wurden. Bis ins 19. Jahrhundert war die Malaria noch in weiten Teilen Europas, Nordamerikas und Russlands verbreitet. Auch in Deutschland kam es bis nach dem Zweiten Weltkrieg immer wieder zu Erkrankungsfällen. Heute werden in Deutschland jährlich etwa 800 Erkrankungsfälle und einige Todesfälle gemeldet.
 
Lebenszyklus der Erreger: Der Malariaerreger wird von Anopheles-Mücken übertragen. Durch den Stich der weiblichen Mücken, die Blut für die Entwicklung ihrer Eier benötigen, gelangen einige infektiöse Parasitenstadien in die Blutbahn. Von da aus dringen sie innerhalb weniger Minuten in Leberzellen ein. Dort entwickeln sich bis zu 30.000 Parasiten, die in die Blutbahn gelangen und dann rasch rote Blutkörperchen befallen. Diese werden ebenfalls zerstört, und die freigesetzten Parasiteren infizieren erneut gesunde Blutzellen. In dieser so genannten Blutphase treten dann die Symptome wie Fieber und Abgeschlagenheit auf.
 
Aus einigen Erregern entstehen männliche und weibliche Vermehrungsstadien, die dann erneut von Überträgermücken aufgenommen werden können. Innerhalb der Mücke findet eine Paarung statt. Die Erreger sammeln sich in den Speicheldrüsen der Mücken und werden beim nächsten Stich in den menschlichen Körper injiziert. So schließt sich der Zyklus.
 
Infektion und Krankheit: Im äquatorialen Afrika ist ein großer Teil der Bevölkerung mit Malariaerregern befallen. Die Infektion kann sehr unterschiedlich verlaufen. Während manche Infizierte rasch an einer Malaria tropica versterben, erkranken andere trotz jahrelang bestehendem Parasitenbefall nicht.
 
Warum nur einige der Infizierten an einer schweren Malaria erkranken, ist bisher nicht endgültig geklärt. Kommt es zu Komplikationen, leiden die Kleinkinder meist an einer schweren Blutarmut durch den Zerfall der Blutkörperchen oder an Koma und Krampfanfällen. Prinzipiell können alle Organe geschädigt werden.
 
Ein Immunschutz wird erst nach einigen aufeinander folgenden Infektionen ausgebildet. Kinder aus Afrika sind dann ab dem Schulalter für den Rest ihres Lebens vor schweren Verlaufsformen geschützt. Eine Ausnahme betrifft Frauen während ihrer ersten Schwangerschaft und Menschen, die durch einen längeren Aufenthalt in Gebieten ohne Malaria ihren Immunschutz verlieren.
 

Afrika am schlimmsten betroffen

 
Jeden Tag sterben weltweit etwa 6.000 Menschen an Malaria, die weitaus meisten aus Afrika. Dies liegt zum einen daran, dass in vielen Teilen Afrikas keine geeigneten Bekämpfungsmaßnahmen gegen Malaria etabliert sind. Zum anderen beschränkt sich die Kontrolle der Infektion meist auf die Behandlung der akuten Erkrankung. Dabei gibt es durchaus andere effektive Methoden der Vorbeugung und Behandlung. Außerdem werden die Parasiten gegen immer mehr Wirkstoffe resistent, so ass die am häufigsten eingesetzten Medikamente heute nicht mehr effektiv sind.
 

Wissenschaft arbeitet an wirksamen Strategien

 
Etablierte Schutzmaßnahmen sind die Verwendung von Bettnetzen und das Versprühen von Pestiziden an die Innenwände der Häuser. Erst seit einigen Monaten gibt es wieder eine offizielle Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation, das Insektizid DDT für diesen Zweck zu verwenden.
 
Die Wissenschaft arbeitet an neuen Bekämpfungsstrategien, die sich aber derzeit noch in den Kinderschuhen befinden. So gibt es eine Reihe von Impfstoffkandidaten, die eine Erkrankung mildern, wenn auch nicht ganz verhindern können.
 
Ein weiterer Ansatz ist der Einsatz manipulierter Mücken, die die Erreger nicht mehr übertragen können. Die Techniken für die Zucht solcher Mückenarten existieren bereits. Am wichtigsten und zugleich schwierigsten aber ist es, für die gesamte Bevölkerung der oft unterentwickelten Malariagebiete die Versorgung mit Medikamenten und Bettnetzen sicherzustellen.
 

Forschung und Förderung

 
Malaria und andere Tropenkrankheiten sind eine Bürde, die neben dem individuellen Leid auch enorme soziale und wirtschaftliche Probleme verursachen. Viele der betroffenen Länder können aus eigener Kraft keine wirksamen Kontrollmaßnahmen entwickeln und austesten. Oft fehlt es an einheimischen Forschungseinrichtungen und Unternehmen, die zur Entwicklung und Produktion von Medikamenten, Diagnostika oder Impfstoffen beitragen können.
 
Für große Forschungsprojekte ist zudem eine ausreichende finanzielle Förderung durch private und öffentliche Institutionen aus Industrienationen notwendig. Das betrifft beispielsweise die Entwicklung von Impfstoffen und neuen Medikamenten. Dabei ist die Mithilfe der Pharmaindustrie unabdingbar. Tatsächlich haben sich seit einigen Jahren solche "Privat-Public-Partnerships" gebildet, um große klinische Studien zur Medikamenten- und Impfstoffentwicklung zu ermöglichen.
 

Deutschland finanziert Projekte gegen Tropenkrankheiten

 
Ein Beispiel für eine dauerhafte Forschungskooperation ist das Kumasi Centre for Collaborative Research (KCCR). Es wurde vor zehn Jahren mit deutscher Unterstützung in Kumasi, der zweitgrößten Stadt im westafrikanischen Ghana, gegründet. Das KCCR ist ein Joint Venture der Universität von Kumasi und des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin in Hamburg.
 
Seit seiner Gründung wurden mit deutschen und internationalen Geldern mehrere Dutzend Projekte zu Malaria, Flussblindheit und anderen Tropenkrankheiten durchgeführt. In die Projekte eingebunden sind lokale Krankenhäuser und Gesundheitszentren. Somit ergibt sich ein doppelter Nutzen für die Region: Die wissenschaftlichen Studien tragen zu einer Verbesserung der Gesundheitsversorgung bei. Und sie bieten Ausbildungs- und Berufsperspektiven für den wissenschaftlichen Nachwuchs in Ghana.
 
Das KCCR und die Universität von Kumasi bilden eines von acht afrikanischen Studienzentren für die Erprobung eines neuen Malaria-Impfstoffes. Insgesamt werden hier 540 Kinder zwischen fünf und 17 Monaten über die nächsten zwei Jahre regelmäßig medizinisch betreut. Ein modernes Diagnostiklabor entsteht, und das Personal der beteiligten Krankenhäuser wird fortgebildet. So schafft das Projekt eine professionelle Infrastruktur, die zukünftig auch für Zulassungsstudien neuer Medikamente genutzt werden kann.
 
 (Autor: Jürgen May, Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin, BNI, Hamburg)