Indonesien

Wissenschaft hilft, bedrohte Küstenregionen zu schützen

Tropische Küstenökosysteme wie Mangroven, Korallenriffe und Seegraswiesen zählen zu den produktivsten Ökosystemen der Erde. Sie schützen die Küsten vor Sturmfluten und Erosion durch Wellen. Für viele Tropenländer stellen sie eine lebenswichtige Ressource dar.

In vielen Tropenländern nimmt die Schädigung von Küstenökosystemen alarmierende Ausmaße an.

Besonders stark betroffen ist Indonesien. Der Küstenstaat besteht aus über 17.000 Inseln. Rund zwei Drittel der Bevölkerung lebt in Küstennähe. Stadtentwicklung, Abforstung, Umweltverschmutzung und zerstörerische Fischereimethoden belasten die Küstenzonen. 

Zusammenarbeit von Wissenschaft und Politik

Wie lässt sich die ökologische Zerstörung tropischer Küstenzonen aufhalten? Dieser Frage widmeten sich über 120 Fachleute aus Politik, Natur- und Sozialwissenschaften Ende 2006 auf einer Tagung auf Bali. Die Wahl des indonesischen Tagungsortes sollte dabei ein Zeichen setzen.

Sie diskutierten darüber, wie Forschungsergebnisse stärker in die Entwicklung von Konzepten für ein nachhaltiges Küstenmanagement einfließen können.

Auf der Tagung zeigte sich: Zu den Problemen tropischer Küsten existiert bereits eine sehr umfangreiche Datenbasis. Die Forschungsergebnisse müssen nun jedoch in Empfehlungen einmünden. Diese sollen sowohl für Entscheidungsträger als auch für die Küstenbevölkerung nachvollziehbar sein.

Man steht noch ganz am Anfang dieses Prozesses. Zu oft gründen umweltpolitische Entscheidungen auf sehr unpräzisen Annahmen. Doch es gibt bereits einige vielversprechende Ansätze, zum Beispiel im Rahmen der Forschung an Korallenriffen. 

Das Spice-Programm beispielsweise beschäftigt sich mit der Frage, wie der Zerstörung der Küstenzonen Einhalt geboten werden kann. Spice ist eine deutsch-indonesische Forschungsinitiative, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert wird. Koordiniert wird das Programm vom Zentrum für Marine Tropenökologie in Bremen.

Zerstörerische Eingriffe

Das Spermonde Archipel vor Sulawesi setzt sich aus über 120 Inseln zusammen, die von Korallenriffen umgeben sind. Sie gehören zu den artenreichsten der Erde und gelten als wahre Schatzkammern genetischer Ressourcen. Doch gerade ihr Reichtum wird ihnen zum Verhängnis.

Die Riffe werden zu stark befischt, sowohl was Nutzfische angeht als auch Zierorganismen für den Aquarienhandel. Oft werden dabei zerstörerische Fangmethoden mit Cyanid oder Sprengstoff eingesetzt.

Auch die Verschmutzung der Küste durch ungefilterte Abwässer und Sedimenteinträge der Flüsse bedrohen die Riffe.

Daher begann man, Forschungsergebnisse aus Spice in das nationale Programm Coremap einzubringen. Coremap zielt darauf, Strategien für die nachhaltige Ressourcennutzung der Riffe auf Gemeindeebene zu entwickeln und durchzuführen.

In Ost-Sumatra haben die Einträge des Siak-Flusses bedrohliche Auswirkungen auf Fluss- und Küstengewässer. Ehemals säumten ausgedehnte Torfgebiete den Fluss. Dann mussten die Torfwälder Palmenplantagen weichen, die vor allem für den Bioölmarkt produzieren. Die Torfmassen werden nun regelmäßig durch heftige Regenfälle in den Siak-Fluss gespült. Im Mündungsgebiet und den Küstengewässern führen sie zu sauerstoffarmen und übersäuerten Verhältnissen und vermutlich zu dem periodisch auftretenden Fischsterben.

Auf Betreiben von Spice wurde vereinbart, über administrative Grenzen hinweg ein Management-Programm für den Siak-Fluss einzuführen.

Probleme "spielerisch" lösen

Administrative und soziale Grenzen sowie die unterschiedlichen Interessen sind es, die ein erfolgreiches Küstenmanagement oft scheitern lassen.

Ein Rollenspiel hilft, die Kommunikation und das Verständnis für die Belange unterschiedlicher Interessensgruppen zu fördern. Ein einfaches Brett- oder Computerspiel gibt dabei die Konfliktsituation vor. Es wird nach Regeln gespielt, die die tatsächlichen lokalen Gegebenheiten widerspiegeln.

Jeder Interessensvertreter, der mitspielt, erhält Zugang zu verschiedenen Ressourcen oder Verantwortlichkeiten. So können unterschiedliche Szenarien durchgespielt werden. Ein außergewöhnlicher Ansatz, der jedoch schon Erfolge verzeichnen kann. Er wurde bereits in Nordvietnam eingesetzt. Dort sollte das Land nach der Auflösung von landwirtschaftlichen Kooperativen neu verteilt werden.

(Autoren: Susanne Eickhoff und Eberhard Krain, Zentrum für Marine Tropenökologie, Bremen)

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