Die Deutsche Solar AG, Tochter des Bonner SolarWorld-Konzerns, produziert in Freiberg Rohlinge zur Erstellung von Solarzellen. Verwendet werden die in der Fachsprache "Wafer" genannten Rohlinge in der Photovoltaikindustrie.
Mit dem Bau einer neuen Solarfabrik in der sächsischen Kreisstadt soll die Kapazität der Waferproduktion in Sachsen von derzeit noch 500 Megawatt auf ein Gigawatt steigen. Das boomende Exportgeschäft bescherte der Deutschen Solar AG jüngst neue Langfristverträge über 500 Millionen Euro.
"Glück auf!" wünschen sich die Bergleute seit jeher in der alten "Silberstadt" Freiberg. Und Glück hat Freiberg. Mit Silber hat der boomende Wirtschaftsstandort allerdings kaum noch etwas am Hut. Heute glänzt etwas anderes in der Sonne und in den Augen der Investoren aus aller Welt: Solarzellen. Die schöne Stadt am Rande des Erzgebirges ist einer der bedeutendsten Standorte für Solar-Hightech in Europa.
Für das Interesse der Hightech-Unternehmen an Freiberg spielt die Wirtschaftsförderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz eine große Rolle. Seit dem 1. August 2004 ist es in Kraft. Der Bundesbauminister und Beauftragte für die neuen Länder Wolfgang Tiefensee will diese Branche weiter fördern. Bis sie auf eigenen Beinen steht. Die Region zeige, dass der Osten keinesfalls ein Fass ohne Boden sei, sagte Tiefensee. Das Geld werde hier Gewinn bringend investiert.
Für Tiefensee ist Freiberg "die Solarhauptstadt Deutschlands". Wenn sich der derzeitige Trend fortsetzt, hat die Stadt sogar alle Chancen, zur Solarhauptstadt Europas zu werden.
Ostdeutschland hat vom Interesse an der Solarenergie profitiert. Neue Standorte ziehen namhafte Solarindustrieunternehmen geradezu magnetisch an. So siedelte sich jüngst das aufstrebende kalifornische Signet Solar in der unmittelbaren Nachbarschaft von Freiberg an, in der Gemeinde Mochau bei Döbeln. Signet Solar ist ehrgeizig. Das Unternehmen will die Kosten für Solarenergie auf das Niveau von konventionell erzeugtem Strom senken.
Aber auch in Brandenburg gewinnt die Solarwirtschaft an Boden. Am 9. Juli eröffnete Bundesumweltminister Sigmar Gabriel in Frankfurt an der Oder eine neue Fabrik der First Solar. "Wer sich über moderne Energien informieren will, ist in Frankfurt/Oder besser aufgehoben als in Frankfurt/Main", erklärte der Minister. Die neue weltweit größte Fertigungsstätte für Dünnschichtsolarmodule bringt einen Technologie- und Arbeitsplatzschub in die Oderstadt und weit darüber hinaus.
Die amerikanische First Solar investierte 115 Millionen Euro in die Hightech-Fabrik und schuf mehr als 400 Arbeitsplätze. First Solar ist der weltweit größte Hersteller von Dünnschichtsolarmodulen. Mit der Produktion kostengünstiger Solarmodule trägt das Unternehmen wesentlich zum Klimaschutz bei.
Kritiker könnten jetzt anmerken, dass sich die Sonnenenergie im wolkigen und regnerischen Deutschland bislang schwer effektiv nutzen lässt. Von der Sonnenenergie scheinen eher die heißen und sonnenüberfluteten Weltregionen zu profitieren. Trotzdem: Mit der Produktion von Solar-Hightech kann das Exportland Deutschland heute von diesem Trend profitieren.
Noch einmal Bundesumweltminister Sigmar Gabriel: "Wenn ein Hochtechnologieland wie Deutschland so was nicht entwickelt, wird es in Ägypten, Jordanien oder Nordafrika schwer sein, erneuerbare Energien einzusetzen." Bei der deutschen Solar AG stammen zum Beispiel rund neunzig Prozent der Aufträge aus dem Ausland.
Zudem gehen Experten davon aus, dass Sonnenenergie bis zum Ende des 21. Jahrhunderts die weltweit wichtigste Quelle für Primärenergien sein wird. An der besseren Nutzung der Sonnenenergie arbeitet man währenddessen in den neuen Ländern fleißig. So kann auch Deutschland bald zu einem Land der Sonnenenergie werden. Das Klima wird es danken.