"Jeder siebte Arbeitsplatz in Deutschland steht direkt oder indirekt mit dem Automobil in Verbindung." Bundeskanzlerin Angela Merkel machte auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) die Bedeutung der Branche deutlich. Über 750.000 Menschen sind derzeit in der größten Industrie des Landes beschäftigt. Gut 390.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind unmittelbar am Bau von Kraftfahrzeugen beteiligt. Knapp 370.000 Beschäftigte arbeiten der Automobilherstellung zu. Ob Stoffe für die Autositze oder einzelne Kleinteile: Die Bandbreite der Produkte, die für den Autobau benötigt wird, ist groß. Hinzu kommen Ingenieursbüros, Autohändler, Werkstätten und Tankstellen. In den letzten zehn Jahren konnten in der Branche 100.000 Arbeitsplätze neu geschaffen werden. Kein Wunder also, dass diese Industrie wichtig ist.
"Die Zahlen sprechen für sich: Mit über 250 Milliarden Euro Umsatz beläuft sich der Umsatz auf rund ein Fünftel des Gesamtumsatzes der deutschen Industrie", betonte Merkel auf der IAA. Der Schwerpunkt der Branche liegt im Bereich Personenkraftwagen. Mehr als 90 Prozent der Autoproduktion entfällt darauf. Gut 80 Prozent aller Verkehrsleistungen im Personenverkehr werden in Deutschland mit dem Auto erbracht. Nach Angaben des Verbandes der deutschen Automobilindustrie (VDA) wurden im vergangenen Jahr 3,47 Millionen Fahrzeuge neu zugelassen. Das entspricht einem Plus von vier Prozent gegenüber 2005.
Die deutsche Autoindustrie produzierte knapp 14 Millionen Fahrzeuge im vergangenen Jahr, davon 5,4 Millionen in Deutschland. Jedes fünfte Auto weltweit trägt einen deutschen Markennamen. Damit steht Deutschland im Ländervergleich auf Platz vier der Autobauer. Nur in Japan, den USA und China werden noch mehr Wagen hergestellt.
Die hohe Qualität deutscher Autos wird international geschätzt. Die deutschen Hersteller verkaufen einen Großteil ihrer Produkte ins Ausland. Der Wert der exportierten Autos und Fahrzeugteile belief sich im Jahr 2006 auf gut 170 Milliarden Euro. Demgegenüber wurden Autos und Zubehörteile im Wert von 74 Milliarden Euro eingeführt. Damit bleibt ein positiver Handelsüberschuss von 96 Milliarden Euro. Das ist eine Steigerung von neun Prozent gegenüber dem Vorjahr. "Mit einem Anteil von fast 20 Prozent an den Gesamtexporten ist dieser Wirtschaftszweig natürlich eine ganz wichtige Stütze der Exportnation Deutschland", resümierte Merkel auf der IAA.
Wichtigster deutscher Handelspartner in Sachen Auto sind die USA und Großbritannien. Die höchsten Wachstumsraten konnten aber in den osteuropäischen Nachbarstaaten erzielt werden. Der Handelsbilanzüberschuss stieg um 76 Prozent auf neun Milliarden Euro an. Auch mit China laufen die Geschäfte gut. Hier betrug der Überschuss knapp vier Milliarden Euro.
Die deutsche Automobilindustrie nutzt im internationalen Wettbewerb die Chancen der Globalisierung. Sie produziert nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern. Einzelne Komponenten lassen sich günstiger im Ausland herstellen. Rund 40 Prozent der Wertschöpfung der aus Deutschland exportierten Autos stammt heute aus dem Import von Teilen und Vorleistungen. Dass der Standort Deutschland darunter nicht leidet, sondern profitiert, belegen die oben genannten Zahlen. Die Branche wächst und sichert dadurch qualifizierte Arbeitsplätze am Standort Deutschland.
Auch in Sachen Investitionen nimmt die Automobilindustrie einen Spitzenplatz ein. In den letzten zehn Jahren investierte sie 100 Milliarden Euro am Standort Deutschland. Das entspricht einem Anteil von 23 Prozent an den gesamten Industrieinvestitionen in Deutschland.
In Forschung und Entwicklung investierte die Branche in den letzten fünf Jahren 77 Milliarden. Nahezu ein Drittel aller Aufwendungen der deutschen Industrie für Forschung und Entwicklung werden damit im Automobilbereich getätigt. Ungefähr 84.000 Menschen sind hier beschäftigt. Mit ihren Forschungstätigkeiten tragen sie dazu bei, die Zukunftsfähigkeit des Standortes zu sichern. Davon profitieren Unternehmen, Kunden und Mitarbeiter gleichermaßen.
Der Markt für Autos wird sich weiter vergrößern. Die weltweite Produktion von derzeit 65 Millionen Kraftfahrzeugen dürfte bis zum Jahr 2015 auf 80 Millionen steigen. Vor allem in Osteuropa, Asien und Lateinamerika wird die Nachfrage nach Autos in den nächsten Jahren deutlich wachsen. Die deutschen Unternehmen sind für diese Entwicklung gut aufgestellt.