Schwerpunkt

Heiligendamm-Prozess: Dialog mit Schwellenländern stärken

Als 1975 der erste Weltwirtschaftsgipfel stattfand, trafen sich im französischen Rambouillet die Staatschefs der sechs führenden Industrienationen. Nur ein Jahr später war auch Kanada beteiligt.

Und auch nach 1998, dem Beitritt Russlands zur G8, beschränkte sich der Teilnehmerkreis der jährlichen Gipfel nicht auf die Staatschefs dieser Länder. Die zunehmende Globalisierung führte vielmehr dazu, die Gesprächsrunden weiter auszudehnen.

Beteiligung der Schwellenländer seit 2003

Bereits im Jahr 2000 diskutierten die G8 mit Repräsentanten afrikanischer Länder auf dem Gipfel in Okinawa über neue Möglichkeiten der Entwicklungshilfe. Der französische Präsident Chirac lud 2003 erstmals Vertreterinnen und Vertreter von sieben Schwellenländern ein. In den folgenden Jahren nahmen Brasilien, China, Indien, Mexiko und Südafrika an den Gipfeln teil.

Die Einbeziehung dieser Staaten ergibt sich aus der immer weiter wachsenden Bedeutung der Schwellenländer für die gesamte Weltwirtschaft. Weder die G8-Staaten noch die Schwellenländer können die globalen Herausforderungen alleine bewältigen.   

Heiligendamm-Prozess sorgt für klare Strukturen

Erstmals in der Geschichte des Weltwirtschaftsgipfels wurde dieser Dialog nun in formalisierte und strukturierte Bahnen geleitet. Mit dem von der deutschen Präsidentschaft angestoßenen Heiligendamm-Prozess werden die fünf wichtigen Schwellenländer noch enger eingebunden. Über einen Zeitraum von zwei Jahren soll der neue und intensivere Dialog stärker formalisiert werden.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris bietet dabei eine feste Plattform. Der Dialog beginnt in der zweiten Jahreshälfte 2007. Ein Zwischenbericht über erzielte Fortschritte wird anlässlich des G8-Gipfels 2008 in Japan vorgelegt. Einen Abschlussbericht gibt es auf dem Gipfeltreffen in Italien.

Globalisierung kann nur gemeinsam gestaltet werden

Angela Merkel, Bundeskanzlerin und G8-Präsidentin, würdigte den Heiligendamm-Prozess als großen Erfolg. Sie sprach, im Hinblick auf die Globalisierung, von einer "der vielleicht wichtigsten Entscheidungen der nächsten zwei Jahre."

Ein strukturierter Dialog zwischen den G8-Staaten und den Schwellenländern werde so möglich. Dies sei etwas qualitativ Neues. "Die Botschaft ist, dass wir ohne einander nicht mehr auskommen", sagte Merkel. Nur gemeinsam könne die Globalisierung menschlich gestaltet werden.

Die Themen des Dialoges sind vielfältig. Die Staaten haben sich im Rahmen des Heiligendamm-Prozesses verpflichtet in fünf Bereichen intensiv zusammen zu arbeiten:

  • Investitionen: In- und Auslandsinvestitionen sollen durch günstigere Bedingungen gefördert werden. Ein solides Investitionsumfeld soll global gewährleistet sein und weiterentwickelt werden.
  •  Forschung und Innovation: Innovationen sind für eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung von zentraler Bedeutung. Die Diskussion über den Schutz von Innovationen und geistigem Eigentum wollen die G8 und die Schwellenländer verstärken.
  • Energie: Im Sinne einer sicheren und bezahlbaren Energieversorgung wollen die Staaten die Zusammenarbeit ausbauen. Auch sollen saubere und erneuerbare Energiequellen verstärkt genutzt werden.
  • Entwicklung in Afrika: Die G8 Staaten und die Schwellenländer haben vereinbart, auch bei der Armutsbekämpfung noch enger zusammenzuarbeiten. Sie bekräftigten zudem die Verpflichtung zu den Millenniums-Entwicklungszielen.

Die G8-Staaten und die Schwellenländer haben sich auf dem Gipfel zudem zu Fragen des Klimawandels ausgetauscht. Herausgehoben wurde die Rolle wirtschaftlicher Anreizsysteme wie der Emissionshandel. Alle Länder sind aufgerufen, sich konstruktiv an der Klimakonferenz in Bali zu beteiligen.

Kontext