Corina Schukraft-Wadle liebt Bücher. Ihren Ruf als "Büchertante" erwarb sie sich im Freundes- und Familienkreis als beliebte Vorleserin und Kinderbuchschenkerin. Und da in ihrem persönlichen Umfeld viele binationale Paare ihre Kinder zweisprachig erziehen, griff sie den Gedanken auf, einen Online-Shop für internationale Kinderbücher aufzuziehen. Die "gründerinnenagentur" half ihr beim Start.
"Es gab einfach kein Internetportal, das meinen Wünschen entsprach", erklärt Corina Schukraft-Wadle ihren Entschluss. Als der befristete Vertrag der Politikwissenschaftlerin an der Universität Würzburg auslief und sie mit ihrem Ehemann nach Berlin zog, war für Corina Schukraft-Wadle die Zeit ihres eigenen beruflichen Neuanfangs reif.
"An der Uni habe ich mich hauptsächlich mit internationaler Politik, also mit Krisen und Konflikten auf dieser Welt, beschäftigt. Ein Feld, das leider wenig Lichtblicke bietet". So beschreibt sie ihre Motivation für einen Neustart als selbstständige Unternehmerin. Und so wurde aus einem Gedanken eine Idee für einen konkreten Businessplan. Und dessen Umsetzung führte zur Gründung des eigenen Unternehmens.
Dieses Beispiel zeigt: Immer mehr Frauen möchten ihr eigener Chef sein, wollen ein eigenes Unternehmen gründen. Der Gründerreport 2007 des Deutschen Industrie- und Handelskammertages verdeutlicht: Das Interesse von Frauen an einer beruflichen Selbstständigkeit nimmt weiter zu. So nutzten im vergangenen Jahr rund 144.00 Frauen die Beratungs- und Hilfsangebote der Industrie- und Handelskammern (IHK) zur Existenzgründung – rund 1.000 mehr als 2005. Im Vergleich zu 2002 wuchs die Zahl der angehenden Jungunternehmerinnen sogar um 26 Prozent.
Dabei ist der Trend zur Unternehmensgründung insgesamt leicht rückläufig. In 2006 führten die Kammern etwa 376.000 Beratungsgespräche – drei Prozent weniger als 2005. Tatsächlich gegründet wurden vergangenes Jahr laut Institut für Mittelstandsforschung gut 471.000 Unternehmen. Davon etwa jedes dritte von Frauen. Grund für diesen "Frauen-Boom" sehen die IHK vor allem in einem veränderten Selbstverständnis: Mit der Gründung ihrer eigenen Firma verwirklichen Frauen den Wunsch nach Unabhängigkeit. Und nach Umsetzung eigener Ideen, mit denen sie ihr eigenes Einkommen erwirtschaften können.
Branchen, in denen Frauen insbesondere eine eigene Existenz gründen, sind Handel, Gastronomie und Medien. So wollten rund 85 Prozent der Starterinnen zum Beispiel ein Café, ein Kosmetikstudio oder ein Übersetzungsbüro eröffnen. Das sind Branchen, in denen ein vergleichsweise geringeres Startkapital erforderlich ist.
Zwar liegt der Anteil von Frauen an Existenzgründungen mittlerweile bei rund 30 Prozent. Nach einer IHK-Umfrage haben es Frauen dabei dennoch schwerer als Männer. Viele Frauen verfügten über weniger Eigenkapital. Die Kreditaufnahme sei für sie schwieriger. Hauptgrund: Viele Frauen nehmen zunächst das Unternehmen "Familie" in Angriff. Daher fällt der Aufbau einer Existenz für Frauen oftmals in eine Lebensphase mit großen persönlichen und familiären Verpflichtungen. Im Unterschied zu Männern, die sich in der Mehrzahl schon vor dem 35. Lebensjahr selbstständig gemacht haben, gründen die überwiegende Zahl der Frauen im Alter zwischen 35 und 54 Jahren Unternehmen.
Trotz der erschwerten Bedingungen haben von Frauen gegründete Unternehmen eine höhere Überlebenschance. "Frauen haben eine deutlich positive Einstellung zur Selbstständigkeit. Das zeigt die Vielfalt erfolgreicher weiblicher Gründungswege und -geschichten", erklärt Iris Kronenbitter, Projektleiterin der bundesweiten "gründerinnenagentur" (bga). Es sei daher das Anliegen der bga, wertvolle Impulse zu geben und Handlungsempfehlungen für eine weitere dynamische Entwicklung des Gründerinnengeschehens zu formulieren.
Bundesweite "gründerinnenagentur"
Die bundesweite "gründerinnenagentur" (bga) ist das erste und einzige deutschlandweite Informations- und Servicezentrum zur unternehmerischen Selbstständigkeit von Frauen. Es berät und unterstützt Frauen über alle Branchen und Phasen der Existenzgründung, -festigung und Unternehmensnachfolge.
Die bga ist Ansprechpartnerin für Wirtschaft, Wissenschaft, Politik, Gründerinnen und Unternehmerinnen. Die Agentur bündelt die Kontakte und Informationen zu Experten und Expertinnen, Studien, Beratungseinrichtungen und Netzwerken bundesweit. Die Telefon Hotline 01805/22 90 22 bietet eine persönliche Erstberatung für Gründerinnen und Unternehmerinnen.
Die "gründerinnenagentur" startete Anfang 2004. Als Gemeinschaftsprojekt wird sie von den Bundesministerien für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSJ), für Bildung und Forschung (BMBF), für Wirtschaft und Technologie (BMWi) und dem Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert.
Dennoch sei das Potenzial für Existenzgründungen von Frauen bei weitem noch nicht ausgeschöpft, erklärt Claudia Böhnke, Projektleiterin der bga. "Die Entwicklungsdynamik der letzten Jahre zeigt das große Interesse von Frauen am Unternehmertum." Die bga trete dafür ein, die Rahmenbedingungen für Frauengründungen weiter zu verbessern, um diesen Aufwind möglichst nachhaltig zu fördern.
In Deutschland leben auch mehr als eine halbe Million Unternehmerinnen und Unternehmer mit Migrationshintergrund. Das geht aus aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor. Migrantinnen gründen und führen zwar seltener als Migranten ein Unternehmen. Dennoch entspricht ihr Anteil von 30 Prozent dem der Frauen ohne Migrationshintergrund.
Dazu die Staatsministerin für Integration, Maria Böhmer: "Frauen mit Migrationshintergrund haben in einem beachtlichen Aufholprozess bei der Gründung von Unternehmen nachgelegt." Insbesondere Frauen mit eigener Zuwanderungsgeschichte seien oftmals risikobereiter und spontaner. Sie besäßen eine hohe Entscheidungskompetenz und erführen sehr viel Unterstützung aus ihrer Familie. Böhmer: "Diese besonderen Fähigkeiten und Umstände müssen wir weiter stärken, damit noch mehr Frauen aus Zuwandererfamilien ihr eigenes Unternehmen gründen und dies auch erfolgreich führen."
Die bga unterstützt dieses Anliegen und führt beispielsweise Tagungen mit besonderem Augenmerk auf Existenzgründungen von Frauen mit Migrationshintergrund durch.
Auch Corina Schukraft-Wadle nutzte das Beratungs- und Unterstützungsangebot der bga. In der Berliner Repräsentanz der bga, der Gründerinnenzentrale der "WeiberWirtschaft eG", stellte sie ihren Businessplan vor. In der Weiberwirtschaft, dem größten Gründerinnenzentrum Europas, konnte die Jungunternehmerin auch ihre ersten eigenen Büroräume zu besonders günstigen Konditionen mieten. Unternehmerische Grundkenntnisse und erste buchhändlerische Fachkenntnisse erwarb sie in entsprechenden Seminaren. Die Jungunternehmerin: "Das Feedback der Gründerinnenzentrale hat mir sehr geholfen." Die Beraterinnen hätten sich sehr positiv und unterstützend mit ihrer Geschäftsidee auseinandergesetzt, ohne dabei kritische Punkte auszuklammern.
Im März 2007 war es dann soweit. Der Online-Shop für internationale Kinderbücher "ibambiboo". (Abkürzung aus international + bambini + books) ging an den Start. In ihrem Online-Shop bietet Corina Schukraft-Wadle englische, französische, italienische und spanische Kinderbücher, Hörbücher und Lernmaterialien für Menschen zwischen 3 und 12 Jahren an.