Übergewicht ist fast für die Hälfte aller Deutschen ein Problem. Falsche Ernährung und zu wenig Bewegung machen nicht nur krank. Sie belasten auch die Volkswirtschaft. Bis 2020 will die Bundesregierung die Verbreitung von Fettleibigkeit deutlich eindämmen.
Die Eckpunkte "Gesunde Ernährung und Bewegung – Schlüssel für mehr Lebensqualität" bilden die Grundlage für einen Nationalen Aktionsplan. Dieser soll bis Frühjahr 2008 vorliegen. Bundesernährungsminister Horst Seehofer und Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt stellten die Ziele und Maßnahmen der Bundesregierung am 9. Mai in Berlin öffentlich vor.
Trotz aller Initiativen sei noch keine Trendwende eingekehrt. Deshalb müsse man die lokalen Projekte vernetzen, um allgemeine Qualitätsstandards zu erreichen, sagte Seehofer. Es gehe darum, die Menschen in ihrem Bemühen um einen gesunden Lebensstil mit ausgewogener Ernährung und ausreichend Bewegung zu unterstützen.
Das Thema Übergewicht begegnet uns immer häufiger in den Medien: Zeitschriften und Magazine bieten Diätrezepte und Ernährungstipps an, Fernsehsendungen berichten über Menschen, die nach gesunder Ernährung und mehr Bewegung erfolgreich ihr Gewicht reduziert haben. Ärzte versuchen beratend zu unterstützen. Trotzdem gibt es in Deutschland rund 37 Millionen Erwachsene und rund 2 Millionen Kinder und Jugendliche, die übergewichtig oder adipös (fettleibig) sind. Rund 30 Prozent der Erwachsenen ernähren sich falsch. Bei den Kindern gilt jedes Fünfte als essgestört. Gerade Ältere sind eine Risikogruppe für Mangel- und Unterernährung.
Zahlreiche Krankheiten sind die Folge: Durch falsche Ernährung und Bewegungsmangel hat sich im Laufe der letzten Jahre die Anzahl der Diabetiker und Diabetikerinnen erhöht. Gleichzeitig ist der Altersdurchschnitt, in dem altersbedingte Diabetes auftritt, deutlich gesunken.
Hinzu kommt, dass ein Viertel der Erwachsenen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leidet. Jede fünfte Frau und jeder siebte Mann hat mit chronischen Rückenschmerzen zu kämpfen. Allein mit ärztlicher Behandlung und dem Einsatz von Arzneimitteln lassen sich diese Erscheinungen nicht kurieren. Neben den gesundheitlichen Folgen für jeden Einzelnen, werden auch das Gesundheitssystem und die Volkswirtschaft belastet. Eine Verbesserung auf diesem Gebiet, könnte das Gesundheitsystem um rund 70 Milliarden Euro entlasten.
Die Bundesregierung hat deshalb in ihrem Eckpunktepapier fünf Handlungsfelder herausgearbeitet: Diese sollen mit konkreten Initiativen, Aktionen und Maßnahmen ausgefüllt werden.
Ziel ist es, bis 2020
Ein Schwerpunkt wird sein, gesundes Leben als gesellschaftlichen Wert bewusst zu machen und in der Bevölkerung fest zu verankern.
Veränderte Lebens- und Arbeitsbedingungen machen es oft schwer, sich bewusst zu ernähren und ausreichend Sport zu betreiben. Ob in der Schule, am Arbeitsplatz, im Krankenhaus oder im Flugzeug: Auch im Alltag sollen ausgewogene und gesunde Verpflegung sowie Bewegungsmöglichkeiten verfügbar sein.
Eine möglichst frühe und lebenslang begleitende Vermittlung von Bildung und Information über Ernährung, Bewegung und Gesundheit ist unverzichtbar. Deswegen sollen die Schulen Ernährung stärker im Unterricht verankern. Der Sport soll einen größeren Stellenwert im Stundenplan erhalten.
Gerade sozial benachteiligte Menschen aus bildungsfernen und einkommensschwachen Bevölkerungsschichten sind überdurchschnittlich von Fehlernährung und Übergewicht betroffen. Unterstützung und Hilfe soll sich deshalb speziell auch an sie richten.
Die geplante Kennzeichnung von Lebensmitteln gehört darüber hinaus zur Informationsstrategie der Bundesregierung. Auf den Produkten soll deutlich vermerkt werden, wo und wie diese produziert wurden und welche Zutaten sie enthalten.
Universitäten und Institute müssen verstärkt die Ursachen, Bestimmungsfaktoren und die Behandlung von Fehlernährung, Bewegungsmangel, Übergewicht und damit zusammenhängenden Krankheiten erforschen.
Außerdem sollten präventive Maßnahmen weiter untersucht werden, um die Wurzel des Problems greifen zu können. Ferner ist es wichtig, die Wirkungsverhältnisse von Ernährung und Bewegung und neuartigen Lebensmitteln, die das Übergewicht reduzieren, zu kennen.
Kooperation und Bereitwilligkeit, sich auf Veränderungen einzulassen und diese zu nutzen, ist ein entscheidender Punkt für das Gelingen dieses Vorhabens. Hier sind die Länder, Kommunen und weitere wichtige gesellschaftliche Akteure gefordert: Dazu gehören die Sozialversicherungen, Sportverbände, die Wirtschaft, die Wissenschaft und die Verbraucherverbände.
Schon bestehende Projekte und Ideen sollen vernetzt, aufeinander abgestimmt und erweitert werden. Der Austausch von Wissen und Erfahrungen ist unverzichtbar.
Ähnliche Anstrengungen gibt es auf EU-Ebene. 2005 hat die EU-Kommission das Grünbuch "Förderung gesunder Ernährung und körperlicher Bewegung: eine europäische Dimension zur Verhinderung von Übergewicht, Adipositas und chronischen Krankheiten" vorgestellt. Sie hat zudem die "Europäische Plattform für Ernährung, Bewegung und Gesundheit“ ins Leben gerufen.
Die Kommission beabsichtigt, Mitte 2007 darüber hinaus ein Weißbuch mit möglichen Aktivitäten der EU bezüglich gesunderhaltender Ernährung, körperlicher Bewegung und Gesundheit vorzulegen.
Verbraucherschutz geht jeden an - Neuer Ratgeber erscheint
In dem neuen Ratgeber "Verbraucherschutz kompakt - guter Rat in Alltagsfragen" des Presse- und Informationsamts der Bundesregierung werden eine Reihe von Themen angesprochen: Lebensmittelsicherheit und Lebensmittelkennzeichnung, Vertragsabschluss und Vertragserfüllung, Kauf im Internet, Kredite und Versicherungen, Dienstleistungen, Datenschutz und Rechtsberatung.
Exemplare des Ratgebers können über den Publikationsversand der Bundesregierung bestellt werden:
- unter der Telefonnummer: 01805 / 77 80 90,
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