Die Wirtschaftskrise spart die erfolgsgewohnte deutsche Tourismuswirtschaft nicht aus. 2009 gibt es branchenweit Umsatzeinbrüche. Dies gilt für Privatreisen und ganz besonders für Geschäftsreisen. Dauerhaft wird die Krise allerdings kaum sein.
Die Preise sind auf breiter Front gefallen. Doch schon 2010 rechnet die Branche wieder mit einem Wachstum. Dies hoben Expertinnen und Experten auf dem 13.Tourismusgipfel in Berlin Mitte November hervor.
Eine Steigerung von 370 Millionen Gästeübernachtungen in Deutschland 2008 auf 400 Millionen bis 2015 sei erreichbar. Das erklärte der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Ernst Hinsken, in Berlin. Die Zahl der Beschäftigten könne durchaus von gegenwärtig 2,8 Millionen auf drei Millionen wachsen. Die Branche spüre die Krise, zeige sich aber auch flexibel und robust.
Sinkende Passagier- und Gästezahlen begleiteten die Branche durch die ersten zehn Monate des Jahres 2009. Der Begriff Krise sei auch für die Tourismuswirtschaft fraglos treffend, meinte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) Klaus Laepple auf dem Tourismusgipfel. Trotzdem erwarte man 2010 wieder eine leichte Erholung.
Der BTW bewertet 2009 zwar als ein Jahr der Wirtschaftskrise, aber auch als ein Jahr der politischen Erfolge. Die Politik hat die Branche mit zahlreichen ihrer Anliegen gehört. So sinkt die Mehrwertsteuer für die Hotellerie ab 01.Januar 2010 auf sieben Prozent. Geregelt ist das im Wachstumsbeschleunigungsgesetz. Ermäßigte Umsatzsteuersätze gelten bereits in 22 Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Damit ist das Nachziehen in Deutschland ein wichtiger Schritt für die Tourismuswirtschaft.
Branchenvertreterinnen und Branchenvertreter würdigten auch die Korrekturen bei Erbschaftsteuer und Unternehmensteuer. Ferner begrüßten sie Pläne, Investitionen im Verkehrsbereich auf hohem Niveau sicherzustellen und einen funktionierenden Luftverkehr zu gewährleisten.
Erklärtes Ziel der Bundesregierung ist zudem die Kaufkraft der Bürgerinnen und Bürger zu stärken. Das werde der Reiselust der Deutschen wieder Auftrieb geben.
Der neue Parlamentarische Staatssekretär beim Bundeswirtschaftsminister Ernst Burgbacher, begrüßt die Verbesserung der Wettbewerbsbedingungen für das Reiseland Deutschland. Das sei das "richtige Signal" in einem konjunkturell und wettbewerblich angespannten Umfeld.
Auch auf anderen Gebieten der Tourismuspolitik gibt es Handlungsbedarf. So gilt es zum Beispiel, neben den großen Tourismus-Trends Kultur und Gesundheit, die ländlichen Räume nicht zu vergessen. Die Bundesregierung ist grundsätzlich bereit, innovative Konzepte für die mittelständische Tourismuswirtschaft zu unterstützen.
Tourismuswirtschaft eine "Querschnittsindustrie"
Kernbereiche der Tourismuswirtschaft sind das Gastgewerbe, Reiseveranstalter und Reisevermittler sowie Verkehrsbetriebe wie Fluglinien, Reedereien, Bahn, Bus- und Mietwagenunternehmen.
Neben wenigen großen Touristikkonzernen ist die deutsche Tourismuswirtschaft mit ihren 240.000 gastgewerblichen Betrieben, 11.000 Reisebüros, 4.600 Busunternehmen mittelständisch geprägt.
Die Tourismuswirtschaft trägt nach einer Studie der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung im Kernbereich des Tourismus (insbesondere Hotel- und Gaststättengewebe sowie Reiseveranstalter und Reisebüros) mit 57 Milliarden Euro (ohne Berücksichtigung von Geschäftsreisen) zur Wirtschaftsleistung in Deutschland bei. Dies entspräche einem Anteil von 3,2 Prozent am Bruttoinlandsprodukt. Nach dieser Studie können rund 2,8 Millionen Beschäftigte in Deutschland dem Tourismus zugerechnet werden. Die Tourismuswirtschaft allein stellte 2008 114.000 Ausbildungsplätze.