EZB / Geldpolitik

Wächter der Preisstabilität

Das Eurozeichen ist Teil der Euroskulptur vor der Europäischen Zentralbank EZB in Frankfurt am Main.
Rettungsmaßnahmen halten Bankenmarkt aufrecht
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Die Europäische Zentralbank (EZB) hat nach Ausbruch der Finanzmarktkrise gehandelt. Sie hat die Leitzinsen zur Refinanzierung der Banken für den Euroraum in kurzer Folge auf den historisch niedrigen Wert von ein Prozent gesenkt.

Außergewöhnlich niedrige Leitzinsen und weitere längerfristige Liquiditätshilfen haben - neben den staatlichen Rettungsmaßnahmen - den Bankenmarkt aufrechterhalten. So konnten die Banken auch in der Krise ihr eigentliches Geschäft ausüben und privaten Haushalten und Unternehmen weiter Kredite gewähren.

Banken sind wichtige Dienstleister

"Damit eine anhaltende Erholung der Kreditvergabe einsetzen kann, müssen die Banken ihre Bilanzen sanieren", fordert EZB-Präsident Jean-Claude Trichet. Die Banken sollen ihre Eigenkapitalbasis stärken und bei Bedarf die staatlichen Maßnahmen zur Unterstützung des Finanzsektors in vollem Umfang in Anspruch nehmen. Der Finanzsektor muss zu seiner traditionellen Rolle als Dienstleister der Realwirtschaft zurückkehren.

Im Euroraum spielen die Banken eine zentrale Rolle bei der Aufrechterhaltung und Ausweitung der Kreditvergabe an alle sonstigen Wirtschaftsfaktoren. Vor allem kleinere Unternehmen sind auf die Banken angewiesen.

Rückkehr zur Normalität

Die weltweite Finanzmarktkrise hat außergewöhnliche Maßnahmen der Zentralbanken erforderlich gemacht. Wenn sich die Lage wieder normalisiert, müssen die Zentralbanken - und die Regierungen - ihre massiven Hilfen allmählich zurückfahren und die umfangreichen Impulse zurücknehmen. Wie der EZB-Präsident erklärt, hat die EZB ihre Maßnahmen von Anfang an mit Blick auf eine Ausstiegsstrategie entwickelt.

Der Euro habe sich in den letzten zwei Jahren als Stabilitätsanker erwiesen, betont der EZB-Präsident. "Die 330 Millionen Bürgerinnen und Bürger des Eurogebietes können sich darauf verlassen, dass die EZB ihre Verantwortung für eine stabile europäische Währung auch weiterhin wahrnehmen wird."

Hebel Zentralbankgeld

Die Geschäftsbanken benötigen Liquidität, um selbst Kredit zu vergeben und Geld zu schöpfen. Denn die Kreditinstitute müssen damit rechnen, dass sich ein Teil ihrer Kunden seine Einlagen entweder bar auszahlen oder an andere Banken überweisen lässt. Außerdem sind die Kreditinstitute dazu verpflichtet, Einlagen in Höhe eines bestimmten Prozentsatzes als Guthaben beim Eurosystem als Mindestreserve zu unterhalten. Für beides ist Zentralbankgeld notwendig, das die Banken nicht selbst schaffen können.

Das Monopol der Zentralbank auf ihr Geld ist also der Hebel, mit dem sie auf die Geschäftstätigkeit der Kreditinstitute Einfluss nimmt. Die Zinssätze am Geldmarkt richten sich damit stark nach den Bedingungen, zu denen die Zentral- oder Notenbank den Kreditinstituten Zentralbankguthaben anbietet. Teure Tagesgeldzinsen bei der Notenbank verteuern also auch die Zinsen für Kredite am Markt.

Geldpolitische Strategie

Wie schnell sich die gesamtwirtschaftliche Nachfrage und die Preise verändern, hängt nicht nur von der Höhe der Notenbankzinsen ab. Die Geldpolitik kann das Preisniveau nicht direkt steuern. Denn es kann lange dauern, bis sich eine geldpolitische Maßnahme auswirkt. Ganz entscheidend sind das Verhalten der Banken und der Zustand der Wirtschaft.

Eine geldpolitische Strategie muss daher auch berücksichtigen, wie private Haushalte, Unternehmen und der Staat voraussichtlich handeln. Eine Notenbank muss deshalb die langen und variablen Wirkungsverzögerungen der Geldpolitik stets im Blick haben.

Die Zentralbanken im Euroraum betreiben daher eine mittelfristige Geldpolitik. Es ist nicht ihre Aufgabe kurzfristig die Konjunktur zu steuern, sondern die Geldwert- und Preisstabilität zu gewährleisten. Sie ist auf längere Sicht eine grundlegende Voraussetzung für das reibungslose Funktionieren der Marktwirtschaft, für Wirtschaftswachstum und Beschäftigung.

Das Eurosystem

Bis Ende 1998 sorgte in Deutschland die Bundesbank dafür, dass der Wert des Geldes erhalten blieb. Mit der Einführung des Euro ging diese Aufgabe auf das so genannte Eurosystem über: Es besteht aus der EZB und den Zentralbanken der Länder, die den Euro als gemeinsame Währung eingeführt haben. Die Zentralbanken nehmen ihre Aufgaben unabhängig von den Regierungen wahr.

Zu ihren Aufgaben gehört auch die Unterstützung der allgemeinen Wirtschaftspolitik in der Gemeinschaft. Sie berät die EU-Organe und die Mitgliedstaaten, zum Beispiel zu Fragen der Bankenaufsicht oder der Stabilität des Finanzsystems.

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