Konjunktur

Wirtschaft kommt langsam auf die Beine

Arbeiter in einer Triebwerk-Produktion.
Höhere Drehzahl in der Produktion
Foto: Ulf Dieter

In vielen Unternehmen zeigt der Daumen wieder nach oben. Die Indikatoren deuten mehrheitlich Verbesserungen an. In den Medien kann man wieder von Wachstum lesen.

Die deutsche Wirtschaft wuchs im dritten Quartal 2009 um 0,7 Prozent gegenüber dem zweiten Quartal. Für 2010 erwarten die Wirtschaftsweisen sogar ein Wachstum von 1,6 Prozent. Die EZB hat jüngst ihre Wachstumsprognose der Eurozone für 2009 von minus 4,5 Prozent auf minus 3,9 korrigiert. Für 2010 hält sie ein Wachstum von ein Prozent für möglich. Das ist erfreulich. Doch sollte der Optimismus mit Realismus gepaart sein.

Wirtschafts- und Finanzkrise noch nicht vorbei

Deutschland steht noch mitten in der "Bewährungsprobe". Der Absturz ist "gestoppt". Es gibt "leichte Aufwärtsbewegungen". Aber die Wirtschaftszahlen liegen immer noch weit unter dem Niveau von 2008. "Gleichzeitig werden weltweit die Karten neu gemischt." Die Überwindung der internationalen Wirtschafts- und Finanzkrise bleibt eine der Hauptaufgaben der Bundesregierung. So umriss Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer Regierungserklärung am 10. November schonungslos die aktuelle Lage.

Auftragsbücher auch im dritten Quartal etwas dicker

Die Aufträge in der Industrie haben sich im September um 0,9 Prozent erhöht. Im August waren es plus 2,1 Prozent. Ausschlaggebend dafür ist das Wachstum der Auslandsnachfrage um 3,7 Prozent. Demgegenüber gingen die Inlandsaufträge um 2,3 Prozent zurück.

Im Zweimonatsvergleich (August/September gegenüber Juni/Juli) stieg das Volumen der Aufträge um 4,0 Prozent an. Die stärkeren Impulse kamen dabei aus dem Ausland. "Es gibt wieder Regionen in der Welt, wo investiert wird, davon profitieren wir", so DIHK-Außenwirtschaftschef Axel Nitschke.

Der Weg zu alten Höchstständen ist aber noch weit. Die Auftragseingänge in der Industrie lagen im Zweimonatsvergleich (August/September) bei den Inlandsbestellungen um 15,1 Prozent und bei den Auslandsbestellungen um 17,4 Prozent unter dem Vorjahresniveau.

Höhere Drehzahl in der Produktion

Nach fünf Quartalen mit teilweise herben Enttäuschungen erholte sich die Produktion im Produzierenden Gewerbe im dritten Quartal. Dabei spielte die Industrieproduktion die tragende Rolle. Aber auch hier liegen die Werte weiterhin erheblich unter dem Stand vor dem Ausbruch der Krise. Immerhin erwarten Expertinnen und Experten auch im vierten Quartal die Fortsetzung des Aufholprozesses.

Im September stieg die Produktion insgesamt um 2,7 Prozent. Im Vormonat hatte sie um 1,8 Prozent zugenommen. Die Lage ist weiter uneinheitlich. Während die Produktion in der Industrie um 3,2 Prozent wuchs, verbuchte das Baugewerbe einen Rückgang um 1,8 Prozent. Innerhalb der Industrie profitierten vor allem die Herstellerinnen und Hersteller von Investitionsgütern, darunter der Maschinenbau. Die Produzenten von Konsumgütern konnten ihre Leistung um 2,3 Prozent erhöhen.

Ausfuhren wieder Wachstumsträger

Die Exporteure weiteten ihre Lieferungen im September, im Vergleich zum August, um 3,8 Prozent aus. Dies teilte das Statistische Bundesamt mit. Wie weit Deutschland aber auch hier von alten Rekorden entfernt ist, zeigt wieder ein Vergleich mit dem Vorjahr. Der Euro-Wert der Ausfuhren betrug im September 70 Milliarden. Eine beachtliche Summe. Dies sind aber 18,8 Prozent weniger als im Vergleichsmonat 2008. Die Einfuhren erreichten 59,4 Milliarden Euro, 16,3 Prozent weniger als 2008.

Nach Einschätzung des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) wird der Außenhandel weiterhin Boden gut machen. Aber auch dort fordert man Augenmaß. "Vor uns liegt ein langer und beschwerlicher Weg", erklärte Anton Börner, Präsident des BGA. Frühestens 2012 sei das Export-Niveau von 2008 erreichbar. 2010 können die Ausfuhren wieder die Größenordnung des Jahres 2006 erreichen.

Deutschland bleibt gut aufgestellt

Fachleute sind sich sicher: Der Außenhandel bleibt die tragende Säule der deutschen Wirtschaft. "In der Krise haben die Unternehmen bewiesen, dass sie zur Weltspitze gehören und sich auch in einem äußerst schwierigen Umfeld behaupten können", so BGA-Chef Börner. Neue Märkte wie China würden zunehmend jenes Geschäft auffangen, das im transatlantischen Handel schwindet.

Staatliche Stabilisierungsmaßnahmen werden jedoch weiter gebraucht. Vor einem stabilen Aufschwung wäre es "falsch", die Konjunkturmaßnahmen abzubrechen, meint der BGA.

Asien wird zur Konjunkturlokomotive

Die Perspektiven in Asien rechtfertigen Hoffnungen für den deutschen Export. Der Internationale Währungsfonds hält dort eine stärkere Erholung für möglich. Nach seiner Wachstumsprognose wird Asien (einschließlich Australien und Neuseeland) 2009 um 2,75 Prozent und 2010 um 5,75 Prozent wachsen. Das sind 1,5 Prozent mehr als ursprünglich geschätzt. Der Wert liegt aber deutlich unter dem Durchschnittswert der vergangenen zehn Jahre von 6,75 Prozent.

Auch die USA liefern bessere Nachrichten. Wie das US-Handelsministerium jüngst mitteilte, legte die Wirtschaft im dritten Quartal geschätzt um 3,5 Prozent zu. Das wäre der erste Zuwachs nach vier schlechten Quartalen.

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