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Nr. 075    10/2009
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Wirtschaft

Wirtschaftskriminalität: Unternehmen müssen sich besser schützen

Geschäftsmann mit Geldkoffer.
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Foto: Volkmar Schulz / Keystone
Finanzielle Verluste durch Wirtschaftskriminalität
Das wahre Ausmaß der Wirtschaftskriminalität spiegelt sich nicht in den Schlagzeilen. Ihr enormes Schadenspotenzial zeigt sich in den finanziellen Verlusten und in der hohen Dunkelziffer: Die Wirtschaftsstraftaten machen mehr als die Hälfte des Gesamtschadens der polizeilich registrierten Straftaten aus. 
 
Allerdings werden über 80 Prozent der Fälle laut Bundeskriminalamt nicht entdeckt. Verfolgung und Ahndung der Wirtschaftskriminalität sind zwar Aufgaben von Polizei und Staatsanwaltschaften. Doch die Unternehmen können selbst viel dazu beitragen, um Wirtschaftsdelikten vorzubeugen.
 

Deutsche Unternehmen hoch gefährdet

 
Die Mehrheit der deutschen Großunternehmen ist inzwischen von Wirtschaftskriminalität betroffen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie zur Sicherheitslage in deutschen Großunternehmen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Price Waterhouse Coopers (PWC).
 
Und auch der innovative Mittelstand bleibt nicht verschont. Jedes fünfte Unternehmen mit einem Jahresumsatz bis zu 100 Millionen Euro war schon Opfer von Betrug, Unterschlagung oder Untreue. So die Bilanz der Wirtschaftsprüfer von KPMG. Das Risiko ist für viele mittelständische Betriebe wegen ihres großen technischen Know-Hows besonders hoch.
 

Finanzielle Verluste steigen

 
Mit durchschnittlich 5,85 Millionen Euro Verlusten allein in 2009 rechnet jedes der von PWC befragten Großunternehmen. Schäden entstehen vor allem durch Wettbewerbsdelikte, wie Produktfälschung oder wettbewerbswidrige Absprachen. Der jährliche Verlust für die deutsche Wirtschaft beträgt insgesamt rund sechs Milliarden Euro.
 
Zu den wirtschaftlichen Schäden kommen vielfältige negative Auswirkungen auf die marktwirtschaftliche Ordnung und den Wirtschaftsstandort Deutschland. Dazu zählen Vertrauensverlust im internationalen Wettbewerb, Wettbewerbsverzerrungen, Arbeitsplatz- und Renditeverluste und die Schädigung der Innovationsfähigkeit der deutschen Wirtschaft.
 

Kritische Öffentlichkeit

 
Neben den hohen finanziellen Verlusten erleiden die Unternehmen erhebliche Imageschäden. Korruption und Steuerhinterziehung stehen im Fokus der Öffentlichkeit. Seit Ausbruch der Finanzkrise ist die Kritik an Unternehmen, wie auch deren Managerinnen und Managern erheblich gewachsen. Vor allem börsennotierte Unternehmen spüren diesen Wandel in der öffentlichen Wahrnehmung. 93 Prozent berichten, dies wirke sich negativ auf ihren Aktienkurs aus.
 

Compliance in der Krise stärken

 
Laut PWC sind vor allem Branchen mit hohen Umsatz wie die Versicherungs- oder Finanzbranche gefährdet, Opfer von Wirtschaftskriminalität zu werden. Die Finanzkrise verschärft die Lage. Ein Drittel der befragten Unternehmen erwartet einen Anstieg der Fälle. Auch das BKA geht schon allein wegen steigender Insolvenzen von einer Zunahme der damit verbundenen Delikte aus.
 
Wirtschaftsdelikten vorzubeugen trägt insgesamt zum Unternehmenserfolg bei, so die Wirtschaftsprüferinnen und Wirtschaftsprüfer. Sie raten dazu, die Compliance-Management, also die unternehmensinterne Kontrolle noch weiter auszubauen. Dabei in der Wirtschaftskrise zu sparen wäre ein Fehler.
 

Vorbild Unternehmensleitung – Corporate Governance

 
Die Überwachung von Unternehmensregeln muss aber auch mit einem besseren Datenschutz für die Arbeitnehmer einhergehen. Der Unternehmensleitung kommt eine entscheidende Rolle zu. Sie muss die Grundwerte integrer Unternehmensregeln und nachhaltiger wirtschaftlicher Tätigkeit kommunizieren und vorleben.
 
Die Bundesregierung hat in den vergangenen Jahren die Schaffung eines Corporate-Governance Kodex für Aktiengesellschaften begleitet und im Juli 2009 einen entsprechenden Kodex für bundeseigene Unternehmen vorgelegt.
 
Corporate Governance

Corporate Governance bedeutet wörtlich übersetzt "Unternehmensregierung". Die Befolgung von Corporate Governance Grundsätzen soll eine gute und verantwortungsvolle Unternehmensführung und -kontrolle gewährleisten. Ein Corporate Governance Kodex fasst alle dafür erforderlichen Regeln zusammen: die gesetzlichen Anforderungen und darüber hinaus erforderliche Grundsätze für Unternehmensleitung.

Die Überwachung der Befolgung dieser Regeln wird als Compliance bezeichnet.

In Deutschland gibt es den Deutschen Corporate Governance Kodex für die gute Unternehmensführung in einer Aktiengesellschaft und einen "Public Kodex" für bundeseigene Unternehmen. Allerdings gibt es auch international anerkannte Grundsätze, wie zum Beispiel die OECD-Principles on Corporate Governance.
 

Politik für nachhaltiges Wirtschaften

 
Am 5. August 2009 trat das Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung in Kraft. Die Höhe von Vorstandsvergütungen hängt nun verstärkt von nachhaltigen Entwicklung des Unternehmens ab. Auch nach dem G20-Beschluss von Pittsburgh sind in alle großen Industrie- und Schwellenländer künftig nachhaltige Erfolge der Maßstab für Bonuszahlungen an Bankmanager.

Kontext

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