Das Ende der Krise kann zwar noch nicht verkündet werden, doch es geht weiter aufwärts. Die Bundesregierung und führende Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen inzwischen mit einem geringeren Einbruch der Wirtschaftsleistung als noch zu Jahresanfang.
Für dieses Jahr erwartet die Bundesregierung in ihrer Herbstprojektion im Jahresdurchschnitt einen Rückgang des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Höhe von fünf Prozent. Für das Jahr 2010 geht die Bundesregierung von einem Wachstum in Höhe von 1,2 Prozent aus.
Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg bei der Vorstellung der Herbstprojektion in Berlin: "Erfreulicherweise wird der Wachstumsrückgang in diesem Jahr etwas weniger dramatisch ausfallen, als noch im Frühjahr zu befürchten war". Die deutsche Wirtschaft habe im Sommer - nach einem Jahr des Abschwungs - die Talsohle durchschritten. "Die Chancen stehen gut, dass wir im nächsten Jahr den Aufwärtskurs festigen können", so Guttenberg weiter.
Damit bestätigt er die Einschätzung von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Diese hat bereits Anfang Oktober gesagt, sie gehe von einem Einbruch des BIP von etwa vier bis fünf Prozent aus. Die Frühjahrsprognose der Bundesregierung hatte noch ein Minus von bis zu sechs Prozent erwartet.
Die Konjunkturnachrichten bleiben verhalten, bestätigen jedoch einen positiven Trend. Zum sechsten Mal in Folge verbuchte die exportorientierte Industrie im Monat August ein Auftragsplus. Dies teilte das Bundeswirtschaftsministerium mit. Im Vergleich zum Vormonat steht bei den Unternehmen damit ein Plus von 1,4 Prozent in den Auftragsbüchern.
Damit haben die Betriebe rund ein Drittel des vorangegangenen Nachfrageeinbruchs wieder aufgeholt. Motor des Wachstums ist vor allem die weitere Zunahme der Bestellungen aus dem Ausland um 4,6 Prozent. Die Aufträge aus dem Inland gingen nach dem deutlichen Anstieg im Juli aber jüngst um 1,9 Prozent zurück.
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) bestätigt diese gute Entwicklung. Nach seiner jüngsten Prognose ist 2010 ein Wachstum von 1,3 Prozent möglich. Der DIHK spricht von 2 Prozent. Die Bundeskanzlerin sprach vor Gewerkschaftern von einem Wachstum "um" ein Prozent und warnte vor übertriebenen Erwartungen.
Wirtschaftsforschungsinstitute bescheinigen derzeit der gesamten Euro-Zone eine Erholung. So rechnen sowohl das Münchner Ifo-Institut, als auch das italienische ISAE und die französische Statistikbehörde INSEE in einer gemeinschaftlichen Prognose für das dritte Quartal mit einem Wachstum von 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Für Herbst und Winter sagen die Institute Zuwächse von jeweils 0,2 Prozent voraus.
Als Wachstumstreiber identifizierten Volkswirte vor allem die milliardenschweren Konjunkturpakete. Durch sie gebe es mehr öffentliche Investitionen. Für das Gesamtjahr 2009 erwarten die Institute ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um 4,1 Prozent. Bislang hatte man mit einem Rückgang von 4,8 Prozent gerechnet.
Das von der KFW-Bankengruppe mit dem Münchner Ifo-Institut errechnete Mittelstandsbarometer sieht auch beim Mittelstand eine bessere Stimmung. Die Unternehmen schätzten im September den dritten Monat in Folge ihre gegenwärtige wirtschaftliche Lage positiver ein. Auch die Erwartungen an die kommenden sechs Monate sind optimistischer. Besonders bei exportorientierten Branchen hellte sich die Stimmung auf. Das Barometer kletterte damit um 0,7 auf minus 11,1 Punkte, der Teilindex für die Geschäftserwartungen stieg um 0,5 auf minus 0,9 Punkte.
Auch eine Umfrage der Wirtschaftsauskunftei Creditreform unter 4.000 mittelständischen Unternehmen belegt, dass die Konjunkturzahlen zwar schlechter sind als vor einem Jahr, aber leicht positiver als noch im Frühjahr. Bereits jedes dritte Unternehmen schätzt seine aktuelle Geschäftslage als "gut" oder "sehr gut" ein. Trotz Rezession meldet immerhin jeder vierte Betrieb einen Umsatzzuwachs.
Am schwersten hat die Wirtschaftskrise das Verarbeitende Gewerbe getroffen. Hier rechnet nur ein Drittel der Firmen mit Umsatzsteigerungen.
Beim Konsumverhalten sehen die Institute kaum Erholung: Die angespannte Lage auf dem Arbeitsmarkt bremse auch weiterhin die Kauflust der Menschen. Dazu kommt, dass Konsumanreize wie die Umweltprämie nun ausgelaufen sind. Allerdings sind die Deutschen deutlich optimistischer als ihre Nachbarn. 25 Prozent beklagen in einer länderübergreifenden Studie der Unternehmensberatung AlixPartners, dass sich ihre finanzielle Situation durch die Wirtschaftskrise verschlechtert hat. In Italien und Großbritannien tut das dagegen fast die Hälfte der Befragten.
Außerdem vertrauen die Deutschen auf die Kraft ihrer Wirtschaft. Der Studie zufolge glauben rund zwei Drittel der Befragten, die Rezession sei gestoppt. 38 Prozent rechen damit, dass die Wirtschaft nun wieder wächst, 28 Prozent erwarten, dass die Unternehmen sich zunächst auf dem aktuellen Niveau stabilisieren.
Podcast der Bundeskanzlerin: Weiter intensiv mit Gewerkschaften zusammenarbeitenEntwicklung des Auftragseingangs in der Industrie im August 2009Prognose der Wirtschaftsforschungsinstitute Ifo, ISAE und INSEE zum 3. Quartal 2009Mittelstand: Geschäftsklima hellt sich im September weiter aufWirtschaftslage und Finanzierung im Mittelstand, Herbst 2009Deutsche Konsumenten sind zuversichtlicher als ihre europäichen NachbarnDIW-Prognose 2009: Grundlinien der wirtschaftlichen EntwicklungDIHK-onjunkturumfrage zeichnet verbessertes Stimmungsbild