Der Weltfinanzgipfel der Gruppe der 20 in Pittsburgh war ein Erfolg. Die Spitzen der wichtigsten Volkswirtschaften der Welt vereinbarten strengere Regeln und bessere Kontrollen für die Finanzmärkte, ihre Akteure und die Finanzprodukte.
Auf europäischen Druck und ganz besonders auf deutsch-französischen, seien bei der neuen Finanzmarktverfassung in Pittsburgh deutliche Fortschritte gelungen, erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Die großen Industrie- und Schwellenländer sind entschlossen, gemeinsam einen globalen Rahmen für die Weltwirtschaft zu schaffen. Die dafür wichtigen internationalen Institutionen werden gestärkt.
Bonuszahlungen für Finanzmanagerinnen und Finanzmanager sind künftig vom langfristigen Erfolg des Unternehmens abhängig. Bei Misserfolgen werden "Abzüge" möglich. Sie erhalten Erfolgsprämien hauptsächlich als Beteiligung am Unternehmen und weniger in Bargeld. Das stärkt das Interesse der Manager am guten Abschneiden der Firma.
Banken müssen deutlich mehr Eigenkapital als Sicherheit zurücklegen, bevor sie hohe Risiken eingehen. Diese strengeren Regeln gelten heute schon in Europa und werden auch in den USA bis 2011 eingeführt.
Zur Gruppe der G20 gehören die 19 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer und die Europäische Union. Gegründet hat sie sich 1999. Die G20 ist ein informelles Forum, das in Fragen des internationalen Finanzsystems miteinander kooperiert. Zusammen stehen die G20-Staaten für 90 Prozent der weltweiten Wirtschaftskraft. Aus Europa gehören Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien zu der Gruppe.
Die G20 wollen verhindern, dass Banken in Not Regierungen erpressen können.
Das Finanzmarktstabilitätsforum ("Financial Stability Forum") soll dazu Vorschläge entwickeln. Experten sprechen von einem "Bankenhospital".
Der IWF soll überlegen, wie der Finanzsektor einen angemessenen Beitrag zur Krisenbewältigung beitragen könnte. Die Abwicklung oder der Erhalt systemrelevanter Banken dürfen nicht zu Lasten der Steuerzahler gehen, betonte Merkel.
Über eine weltweite Spekulationssteuer, wie sie Deutschland und Frankreich vorgeschlagen haben, denken die Partner-Länder nach.
Internationaler Währungsfonds (IWF):
Der Internationale Währungsfonds vergibt befristete Kredite an Mitgliedsstaaten, die unter Zahlungsproblemen leiden. Seine Kernaufgabe ist es, die makroökonomische Stabilität in den Mitgliedsstaaten und in der Weltwirtschaft insgesamt zu untersuchen und zu fördern.
Gegründet 1944 im Rahmen der Währungs- und Finanzkonferenz von Bretton Woods/USA, ist der IWF eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen. Sitz ist Washington/D.C. Die Leitung hat ein geschäftsführender Direktor. Von 2000 bis 2004 war das der jetzige Bundespräsident Horst Köhler. Mehr unter www.imf.org.
Financial Stability Board (FSB):
Das Financial Stability Board ist eine Weiterentwicklung des Forums für Finanzstabilität (FSF).
Seit 1999 kümmert sich der FSF darum, die Stabilität des internationalen Finanzsystems zu stärken, die Funktionsfähigkeit der Märkte zu verbessern und Systemrisiken zu vermindern.
Für die Überwachung der weltweiten Geldmärkte erhält der jetzt geschaffene FSB mehr Möglichkeiten. Weitere Informationen unter http://www.fsforum.org/
Anstelle der alten G8-Gruppe werden künftig die G20 das "oberste Forum für unsere internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit" sein. So heißt es im Abschlussdokument.
Auf Betreiben der Bundesregierung treffen sich künftig nicht nur die Finanzminister, sondern auch die Arbeitsminister der G20 regelmäßig.
Die G20 beschäftigen sich künftig auch mit anderen wirtschaftlichen Fragen. So ging es jetzt auch darum, wie die Handelsnachteile für die ärmeren Länder beseitigt werden können.
Die Welthandelsgespräche der sogenannten Doha-Runde bei der Welthandelsorganisation (WTO) sollen nach Jahren der Stagnation endlich wieder in Gang kommen.
Als Doha-Runde wird ein Verhandlungsprozess zur Ausweitung des Welthandels bezeichnet. Dieser wurde 2001 im Golfstaat Katar eingeleitet. Dabei sollen die Interessen der Entwicklungsländer besonders berücksichtigt werden. Der vierte und bislang letzte Anlauf scheiterte 2008 an Meinungsunterschieden über Agrarhandelsfragen.
Die Regierungen der G20 wollen den Ausstieg aus den Konjunkturprogrammen koordinieren. Die konjunkturelle Erholung soll nicht im Keim erstickt werden.
So wie die EU mit ihrer Lissabon-Strategie, streben die G20 eine Zusammenarbeit für nachhaltiges Wachstum an. Eine "Charta für nachhaltiges Wirtschaften" soll die Grundlage bilden. Diese Idee der Bundeskanzlerin hat sich durchgesetzt.
Seit Jahresbeginn sind schon 60 neue Doppelbesteuerungsabkommen geschlossen worden. "Das ist ein Durchbruch im Kampf gegen Steuerhinterziehung und Steuerbetrug, sagte Finanzminister Steinbrück.
Die Stabilität auf den globalen Finanzmärkten hat sich verbessert, doch die Risiken bleiben hoch. Der IWF drängt in seinem Finanzmarkt - Bericht vom 30. September darauf, die Beschlüsse von Pittsburgh umzusetzen.
Bis 2010 erwartet der IWF Verluste von 3,4 Billionen US Dollar. Die Banken müssen weltweit noch Kredite und Wertpapiere von - geschätzt - 1,5 Billionen US Dollar abschreiben.
Die Kreditvergabe an die Wirtschaft problematisch bleiben. Denn die Banken müssen einerseits Eigenkapital aufbauen und andererseits Verpflichtungen zurückzahlen.