Joghurt, der meldet, er müsse gegessen werden, Kühlschränke, die eigenständig Milch nachkaufen, Waschmaschinen, die nur bei billigen Strompreisen waschen: Das "Internet der Dinge" ist mehr als eine Zukunftsvision mit großem wirtschaftlichen Potential.
Beim Internet der Dinge kommunizieren verschiedenste mit Computerchips ausgestattete Objekte in einem Netzwerk über das Internet.
Die Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) gehören zu den "sicheren Investitionen in die Zukunft", erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel im März 2009 in Hannover. Eine Schlüsselrolle nehmen hierbei konvergente IKT ein, wie beispielsweise das "Internet der Dienste", das "Internet der Energie" oder das "Internet der Dinge".
Die fortschreitende Verknüpfung oder Konvergenz bisher eigenständiger Bereiche der IKT eröffnet Chancen: für neue Produkte, Verfahren und Dienstleistungen. Das gilt insbesondere für bisher getrennte Bereiche, wie die stationären und mobilen Telefon-, Daten- und Rundfunknetze.
Die Software und Hardware für das Internet der Dinge ist da. "Jetzt gilt es, die innovativen Anwendungen in die Unternehmen und Haushalte zu bringen", so Merkel weiter.
Das Internet dient heute dem Austausch von Daten zwischen verschiedenen Computernetzwerken. Diese Netzwerke sind jedoch kaum mit der physischen Welt verknüpft. Alltagsgegenstände wie Bücher, Autos oder Lebensmittel können Daten bisher nicht austauschen.
Die Vernetzung von Alltagsgegenständen könnte jedoch bald mithilfe von RFID allgegenwärtig sein. RFID steht für Radiofrequenz-Identifikation und zählt zu den Schlüsseltechnologien für den Standort Deutschland.
Eine RFID-Systeminfrastruktur umfasst mindestens einen Transponder, ein Sende-Empfangs-Gerät sowie ein im Hintergrund wirkendes IT-System. Herzstück der Technologie ist der Transponder, ein winziger Computerchip mit Antenne.
Die Computerchips haben einen Sender, einen Empfänger und einen Datenspeicher. Sie übertragen Daten berührungslos und ohne Sichtkontakt durch Radiowellen.
Die Chips messen mit eingebauten Sensoren etwa Temperatur, Feuchtigkeit, Vibrationen und die Helligkeit. Mittels GPS-Navigation erkennt der Chip die Position des Produkts und teilt sie mit. Der Chip erfüllt sozusagen die Funktion einer "Black Box" im Flugzeugen.
Die kleinen Chips können problemlos auf Alltagsgegenständen angebracht werden. So ausgestattete Gegenstände geben zum Vorteil für Verbraucherinnen und Verbraucher wichtige Informationen an externe Lesestationen weiter.
Eine Waschmaschine mit Chip beobachtet den Strompreis. Sie wäscht erst, wenn es preisgünstig ist. Hat die Kleidung ein RFID-Etikett, prüft die Maschine auch, ob das gewählte Reinigungsprogramm richtig für den Inhalt ist.
Ein Joghurtbecher mit Chip weiß, wer ihn wo produziert hat. Er kennt auch seine Lagertemperatur: Der Joghurt meldet, bis wann er gegessen werden muss.
Auch die Wirtschaft kann erheblich profitieren. Für die Logistik, den Handel und die Automobilbranche ist die Vernetzung von Dingen besonders wichtig.
Container oder Pakete "wissen" dann von Beginn an wo sie sich gerade befinden, was ihr Zielort ist und auf welchem Weg sie ihn erreichen. Die Steuerung des Materialflusses übernehmen sie selbst. Weicht wertvolle Fracht von der geplanten Route ab, meldet dies der Chip sofort und schützt vor Diebstahl.
Das Internet der Dinge, insbesondere RFID, gehört zu den besonders aussichtsreichen Wachstumsbranchen. Experten sehen es auf Platz zwei der zehn wichtigsten Wachstumsfelder des IKT-Standorts Deutschland.
2010 werden rund acht Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung im Produzierenden Gewerbe, Handel, Verkehr und bei Dienstleistern von RFID beeinflusst. Das besagt eine Studie des Bundeswirtschaftsministeriums. Deutsche Bank Research schätzt für 2016 das Umsatzvolumen mit RFID-Chips und –Karten in Deutschland auf etwa 2,2 Milliarden Euro.
Bundesregierung fördert
Partner aus Wirtschaft und Forschung entwickeln neue Technologien und Prozesse für das Internet der Dinge. Die Bundesregierung unterstützt diese Entwicklung. Zwei Beispiele: Das Bundeswirtschaftsministerium fördert das Projekt "next generation media" mit 40 Millionen Euro. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt das Projekt SemProm mit 16,5 Millionen Euro.
Die Entwicklung der Technologien und deren Anwendung verbessern die Chancen für Wachstum und Beschäftigung in Deutschland. Im Bereich RFID haben deutsche Technologieanbieter bereits heute weltweit eine Spitzenposition. Diese gilt es auszubauen, und auch in den Anwendungsfeldern an die Spitze zu kommen.
Glossar: Internet der DingeRadio Frequenzy Idenfication and the Internet of the ThingsGlossar: Radiofrequenz-IdentifikationWas ist RFID?Entwicklung konvergenter IKT / MultimediaInformationsgesellschaftRede von Bundeskanzlerin Angela Merkel anlässlich der Eröffnung der CeBITEin CeBIT-Rundgang: Schnelles Netz mit neuen Möglichkeiten und sinkenden KostenDas Bundesministerium für Bildung und Forschung auf der CeBIT 2009Digitales Produktgedächtnis macht Warenfluss sicher und schnellNext Generation MediaSemProM12. Faktenbericht 2009 zur IKT