Kommunikation

Mehr Wirtschaftswachstum mit dem "Internet der Dienste"

Eine Frau mit Laptop in der Hand, im Hintergrund zwei Etagen eines Shopping-Centers, kauft online ein.
IKT-Branche ist Motor für die Wirtschaft
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Wenn ein Umzug vor der Tür steht, sind gute Nerven und Organisation gefragt. Von einem Computerprogramm, das eigenständig alles Nötige koordiniert, können wir bislang nur träumen.

Doch dieser Traum könnte mit dem "Internet der Dienste" Wirklichkeit werden. Deutsche Forscher arbeiten an seiner Entwicklung.

IKT-Branche ist Motor für die Wirtschaft

Die Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) gehören zu den wichtigsten Motoren der deutschen Wirtschaft. Die IKT zählen zu den größten Branchen in Deutschland. Der Branchenverband BITKOM rechnet 2009 mit einem Umsatz von etwa 145 Milliarden Euro. Zu den über 800.000 Beschäftigten in der IKT-Branche kommen weitere rund 650.000 Fachkräfte in den Anwenderbranchen.

"Gerade in der gegenwärtigen Wirtschafts- und Finanzkrise bietet IKT große Chancen, um mit technologischen Innovationen und neuen Geschäftsmodellen zu mehr Wachstum und Beschäftigung zu gelangen", so die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium, Dagmar Wöhrl, im Juni 2009.

IKT-Anwenderbranchen können durch Innovationen einen zusätzlichen Umsatz in Höhe von 100 Milliarden Euro erzielen. Davon gehen Experten aus. Das "Internet der Dienste" hat hierbei eine besondere strategische Bedeutung.

Kommunikation von Mensch und Maschine verbessern

Das Internet ist Segen und Fluch zugleich. Es ist als Informationsquelle nicht mehr wegzudenken. Doch Suchergebnisse von einer Million Treffern sind keine Seltenheit. Und nicht alle Ergebnisse sind hilfreich.

"Golf" ist für den Menschen je nach Kontext eine Sportart, ein Auto oder eine Meeresbucht. Suchmaschinen orientieren sich beispielsweise an Schlagwörtern und statistischen Kriterien. Der Computer hat kein "Verständnis" von Sinn und Bedeutung eines Wortes, also von der Semantik.

Dies könnte sich bald ändern. Mithilfe sogenannter "semantischer Technologien" lassen sich Informationen auf ihre Inhalte hin auswerten, einordnen und verknüpfen.

Computer mit kognitiven Fähigkeiten

Das Ziel der semantischen Technologien ist hochgesteckt. Entwicklerinnen und Entwickler wollen dem Computer ein nahezu kognitives Verständnis für im Internet verfügbares Wissen beibringen. Computerprogramme

  • ermitteln damit eigenständig Informationen und deren Bedeutung,
  • setzen die Informationen in Beziehung zu anderen Informationen,
  • modellieren die Informationen als Ordnungssysteme– sogenannte Ontologien – und
  • ziehen daraus nach bestimmten Regeln logische Schlüsse.

Mensch und Maschine könnten dann besser kommunizieren.

Von der Such- zur Antwortmaschine

Im Idealfall versteht der Computer eine Frage genauso wie eine Person. Gleichzeitig verfügt der Computer aber über ein enormes "Wissen" in Datenbanken. Der Computer könnte so jede Frage sofort präzise und zutreffend beantworten: Das Internet würde von der "Suchmaschine" zur "Antwortmaschine".

Semantische Technologien für das Internet der Dienste

Im Rahmen des Forschungsprojekts "Theseus" erproben 30 Partner aus Wirtschaft und Wissenschaft semantische Technologien für das Internet der Dienste. Theseus soll:

  • den Zugang zu Informationen im Internet vereinfachen,
  • die vorhandenen Daten zu neuem Wissen vernetzen und
  • die Grundlage für neue Dienstleistungen im Internet schaffen.

Vielfältige Anwendungsmöglichkeiten

Die Wirtschaft nutzt die Theseus-Ergebnisse, um ihre Geschäftsprozesse zu optimieren und neue Dienste und Geschäftsmodelle zu entwickeln.

In sechs Anwendungsszenarien erproben die Partner entsprechende Technologien. Die Anwendungsszenarien reichen von der Medizintechnik über die Digitalisierung von Kulturgütern bis hin zum Unternehmensmanagement.

Beispiel: Dienstleistungen verknüpfen und bündeln

Dienstleistungen wie Online-Shopping oder Recherchedienste sind bisher nur einzeln im Internet verfügbar. Mithilfe semantischer Technologien könnten Computer solche Dienstleistungen verknüpfen und bündeln.

Dann meldet die Nutzerin oder der Nutzer dem Computer einfach: "Ich möchte von Berlin nach Hamburg ziehen." Der Computer erfasst die Bedeutung dieser Meldung und zieht daraus logische Schlüsse. Das Computerprogramm ermittelt und koordiniert die passenden Angebote für die Wohnungssuche, den Umzug bis hin zum Anmelden des Wohnsitzes.

Mit Theseus langfristig die Wirtschaft stärken

Deutschland will das Internet der Dienste aktiv mitgestalten und von diesem Zukunftsmarkt profitieren. Das stärkt die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands, erschließt künftige Wachstumsmärkte und sichert nachhaltige Arbeitsplätze. Eine weltweite Spitzenposition bei Informations- und Kommunikationstechnologien ist das Ziel.

100 Millionen Euro vom Bund

Das Bundeswirtschaftsministerium fördert Theseus mit 100 Millionen Euro. Es ist damit das größte Informations- und Kommunikationstechnologie-Projekt der Bundesregierung. Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft geben zusätzlich 100 Millionen Euro.

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