Die weltweite Konjunkturerholung kommt zaghaft aber sicher in Bewegung. Führende Expertengremien hoben Anfang August ihre Prognosen für 2009 an. Dazu zählen die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und die Europäische Zentralbank (EZB).
Die OECD in Paris sieht für die Euroländer einen Rückgang um 3,9 Prozent voraus. Zuvor waren es 4,8 Prozent. Und die EZB in Frankfurt erwartet im Euroraum einen Rückgang um 4,1 Prozent. Zuvor hatte man ein Minus von bis zu 5,1 Prozent befürchtet. 2010 könne es sogar ein kleines Wachstum von bis zu 0,2 Prozent geben.
Auch deutsche Experten sehen einen Trend zur Erholung. Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) rechnet mit einem Rückgang des Wachstums von 4,9 Prozent. Zuvor war von 6 Prozent die Rede gewesen. Für 2010 hält man sogar Wachstum von einem Prozent für möglich. Der Bundesverband deutscher Banken rechnet schon für das zweite Halbjahr mit Wachstum. Einig ist man sich darüber, dass das Wirtschaftsjahr 2009 das schlechteste Jahr seit dem Zweiten Weltkrieg bleibt.
Wichtige Branchen in Deutschland, wie der Maschinenbau und die Stahlbranche, bleiben skeptisch. Die Maschinenbauer sprechen für 2009 von einem Produktionsniveau, das dem von 2006 entspricht. Dies mag sich 2010 stabilisieren. Ein weiterer Stellenabbau sei die Folge. Ende Juni waren noch 936.000 Menschen in der Branche beschäftigt, rund 18.000 weniger als zu Jahresbeginn.
Auch die Stahlkocher rechnen weiter mit einem schwierigen Jahr. Verbandsvertreter bestätigen aber, dass die Konjunktur den Tiefpunkt durchschritten habe. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach im Bundestag davon, dass es immer klarer werde, dass die Talsohle erreicht sei.
Nach Angaben aus Wiesbaden sind die Auftragseingänge in der Industrie im Juli preis- und saisonbereinigt um 3,5 Prozent angestiegen.
Das gute Ergebnis im Juli wurde allerdings durch überdurchschnittliche Großaufträge begünstigt. Die Inlandsnachfrage erhöhte sich dadurch um 10,3 Prozent. Die Ordertätigkeit aus dem Ausland nahm demgegenüber um 2,3 Prozent ab.
Im Vergleich zu 2008 lagen die Auftragseingänge in der Industrie im Zweimonatsvergleich (Juni/Juli) um 22,6 Prozent tiefer. Die Inlandsbestellungen lagen dabei um 19 Prozent, die Auslandsbestellungen um 25,4 Prozent unter dem Vorjahresniveau.
Die Daten zum Produzierenden Gewerbe zeigen, dass bei weitem noch nicht alles auf dem Weg der Besserung ist. Im Zweimonatsvergleich (Juni/Juli gegenüber April/Mai) erhöhte sich hingegen die Produktion im Produzierenden Gewerbe um preis- und saisonbereinigt 2,5 Prozent. Maßgeblich war dafür die Zunahme der Industrieproduktion um insgesamt 2,3 Prozent.
Die Ausfuhren legten im Juli im Vergleich zum Vormonat um 2,3 Prozent zu. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, führte Deutschland im Juli insgesamt Waren im Wert von 70,5 Milliarden Euro aus und im Wert von 56,6 Milliarden ein. Damit lag die Ausfuhr im Vergleich zum Juli 2008 allerdings um 18,7 Prozent niedriger und bei der Einfuhr um 22,3 Prozent. Die Außenhandelsbilanz war erfreulicherweise auch im Juli 2009 mit einem Überschuss von 13,9 Milliarden Euro positiv. Dies gilt auch für die Leistungsbilanz. Sie wies einen Überschuss von 11,0 Milliarden Euro aus.
In die Mitgliedstaaten der EU wurden im Juli 2009 Waren im Wert von 43,4 Milliarden Euro versandt. Waren im Wert von 37,1 Milliarden Euro wurden von dort eingeführt. Gegenüber Juli 2008 sanken die Exporte in die EU-Länder um 20,5 Prozent und die Importe um 20,4 Prozent.
In Drittländer wurden im Juli 2009 Waren im Wert von 27,1 Milliarden Euro exportiert und Waren im Wert von 19,5 Milliarden Euro aus diesen Ländern importiert. Gegenüber Juli 2008 sanken diese Exporte um 15,7 Prozent und die Importe um 25,7 Prozent.
Experten bezeichnen die jüngsten Zahlen als "erfreulich" lehnen Euphorie aber ab. Allerdings scheint es begründete Erwartungen zu geben, dass die befürchtete Welle der Arbeitslosigkeit nicht eintritt. Was sich zeigt ist, dass Deutschland stabil ist, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel. Vor dem Deutschen Bundestag dämpfte Sie jedoch übertriebene Hoffnungen. Es werde "noch ein langer Weg sein", dorthin zu gelangen "wo wir vor der Krise waren". Fest steht jedoch, dass sich die soziale Marktwirtschaft als das richtige Wertfundament für eine zukunftsfähige Wirtschaft erwiesen hat.