Die Lage ist unverändert ernst. Doch es mehren sich die Stimmen, die mit einem Abklingen der Rezession rechnen. Eine rasante Erholung sagt aber niemand voraus und Rückschläge bleiben möglich.
Immerhin ist die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal 2009 erstmals seit einem Jahr wieder gewachsen.
Für das zweite Quartal 2009 errechnete das Statistische Bundesamt eine Zunahme des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Auch der Rückgang im ersten Vierteljahr erwies sich mit einem Minus 3,5 Prozent geringer als ursprünglich berechnet.
Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg führt diese positive Entwicklung auch auf das schnelle und beherzte Handeln der Bundesregierung zurück. Zwar gibt die Erholung noch keinen Anlass zur Euphorie. Im Vergleich zum Vorjahr nahm das BIP kalenderbereinigt um knapp sechs Prozent ab. Dennoch sind die neuen Zahlen ermutigend: "Sie belegen, dass der stärkste Einbruch der Wirtschaftsleistung hinter uns liegt", so zu Guttenberg.
Mut macht die Konsumforschung. Danach kaufen die Deutschen wieder. Besonders beliebt sind derzeit technische Konsumgüter wie Unterhaltungselektronik und Haushaltsgeräte. Der Absatz von großen Küchengeräten hat von Januar bis Mai um 8,6 Prozent zugelegt. Bei Informations- und Unterhaltungselektronik gab es ein Plus von 5,5 und 3,3 Prozent.
Die Neuzulassungen von Autos stiegen zweistellig, im Juli um 29,5 Prozent. Die Umweltprämie, gemeinhin Abwrackprämie genannt, hat den Markt belebt. Nach Angaben des Verbandes der Internationalen Kraftfahrzeughersteller e.V. (VDIK) haben sie 1,7 Millionen Käufern genutzt. In den ersten sieben Monaten des Jahres 2009 gab es 2,4 Millionen Neuzulassungen. Das sei ein Plus von 26,6 Prozent.
Nach Meinung der Experten der GfK-Gruppe in Nürnberg kann der Konsumklimaindex für August 3,5 Punkte erreichen. Das wäre der höchste Stand seit Juni 2008.
Zu den Ursachen zählen die stabilen Preise, steigende Realeinkommen durch Rentenerhöhungen, sinkende Krankenkassenbeiträge und Einkommensteuern und – natürlich auch die Abwrackprämie.
Der ifo-Geschäftsklimaindex erreichte im Juli 87,3 Punkte. 7.000 befragte Unternehmen bewerteten sowohl ihre Geschäftslage als auch die Aussichten besser als zuvor.
Der monatliche GfK-Konsumklimaindex basiert auf rund 2.000 Befragungen. Die Ergebnisse fließen in den Klima-Indikator für die EU und die Euro-Zone ein.
Die Forscher des Markit-Instituts mit Hauptsitz in London melden, dass begonnen werde, die in der Krise geleerten Lager wieder aufzufüllen.
"Wir werden im dritten Quartal wieder eine positive Wachstumsrate haben", meint ifo-Experte Klaus Abberger. Zunächst bedeute dies aber noch keinen starken Anstieg. Die Lage bleibt ernst. Risiken durch restriktive Kreditvergabe und steigende Arbeitslosenzahlen bestehen weiter.
Der Härtetest steht nach Einschätzung vieler Experten im Spätherbst an. Dann ist ein deutlicher Anstieg der Arbeitslosigkeit möglich.
Im Juli haben die Arbeitsmarktdaten allerdings überrascht. Nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeit (BA) stieg die Zahl der registrierten Arbeitslosen um 52.000 auf 3,46 Millionen. Das sind zwar 250.000 mehr als zwölf Monate zuvor. Doch gegenüber zum Juni habe sich der Abstand zum Vorjahr kaum vergrößert. Der Grund dafür liege in der starken Nutzung der Kurzarbeit. Schätzungen zufolge waren Ende Juni 1,4 Millionen Arbeitgeber in Kurzarbeit. Die Arbeitslosenquote legte so nur um 0,1 Prozent auf 8,2 Prozent zu.
Die Auftragseingänge der Industrie sind vorläufigen Angaben zufolge im Juni preis- und saisonbereinigt erneut kräftig um 4,5 Prozent angestiegen. Bereits im Mai gab es ein Auftragsplus von 4,4 Prozent.
Von realwirtschaftlicher Seite wird zunehmend untermauert, was Stimmungsindikatoren bereits seit einigen Monaten andeuten: Eine Stabilisierung der konjunkturellen Entwicklung im Verlauf dieses Sommers.
Die Besserungstendenzen bei der Bestelltätigkeit sind breit über eine Vielzahl von Industriezweigen angelegt. Erfreulich sind auch die weiterhin kräftigen Impulse aus dem Ausland.
Bundeswirtschaftsminister zu Guttenberg: "Der wiederholte und stärker werdende Anstieg der Auftragseingänge ist ein breiter werdender Hoffnungsschimmer".
Für den deutschen Export bleibt die wirtschaftliche Lage in den USA auch in der Zukunft wichtig. Von dort gab es Ende Juli aber wieder eine einigermaßen gute Nachricht. Der US-Wirtschaftsabschwung scheint sich im zweiten Quartal verlangsamt zu haben. Nach Angaben des US-Handelsministeriums verringerte sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwischen Mai und Juni nur noch um 1,0 Prozent. Gerechnet wurde mit einem Minus von 1,5 Prozent.
Im ersten Quartal war das US-BIP noch um 6,4 Prozent und im vierten Quartal 2008 um 5,4 Prozent zurückgegangen. Es besteht Hoffnung, dass die Talsohle erreicht ist. Andere Volkswirtschaften profitieren davon, auch die deutsche Wirtschaft.
Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) schätzt, dass der Einbruch des Welthandels seinen Tiefpunkt erreicht hat. Die deutschen Exporte dürften sich in den nächsten Monaten leicht erholen. "Wir erwarten jetzt eine Konsolidierung der Exporte", erklärte BDI-Hauptgeschäftsführer Werner Schnappauf.