Die Wirtschaftskrise hat unser Land erfasst. Doch die Deutschen sind zuversichtlich.
Viele Experten teilen inzwischen die Erwartung, dass die Talsohle im Sommer erreicht sein wird. Gleichwohl sind die Vorzeichen unsicher.
Der Konsumklimaindex der GfK-Gruppe lag im Juni stabil bei 2,6 Punkten und könnte sich im Juli auf 2,9 Punkte verbessern. Auch das Münchener Ifo-Institut meldete jüngst einen Anstieg seines Geschäftsklimaindex von 84,3 Punkten im Mai auf 85,9 im Juni. Das Mittelstandsbarometer von KfW und Ifo ergab im Juni ein Minus von 14,9 Punkte. Das war zum dritten Mal in Folge eine Verbesserung.
Der Präsident des Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Wolfgang Franz, hält Erholungstendenzen zum Jahresende für möglich. Das gelte auch dann, wenn die Wirtschaft zunächst noch nicht wachsen sollte. Der ZEW-Index über die Konjunkturerwartungen in der Finanzwelt verbesserte sich im Juni um 13,7 auf 44,8 Punkte.
Von einer Trendwende wollen Experten und Regierungsvertreter noch nicht sprechen. Aber, der Pessimismus in der Wirtschaft hat abgenommen, so Ifo-Chef Hans-Werner Sinn.
Bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel hält man ein Ende der Talfahrt für möglich. Ähnliches kommt von der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit in Europa in Paris. EU-Wirtschaftskommissar Joaquin Almunia sieht die Volkswirtschaften Europas nicht mehr im freien Fall.
Die niedrige Inflation von 0,1 Prozent im Juni und der Rückgang der Einfuhrpreise besonders für Energie wirken sich günstig aus. Auch die anstehenden Rentenerhöhungen und Entlastungen für Bürgerinnen und Bürger stimmen zuversichtlich.
Zudem stärkt das Misstrauen in die Finanzmärkte die Kauflaune. Statt zu sparen, kaufen viele lieber Konsumgüter. Nach einer Studie der DZ-Bank ist außerdem das verfügbare Einkommen deutscher Haushalte im Vergleich zu 2007 gestiegen.
Die Konjunkturmaßnahmen der Bundesregierung stabilisieren den Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote ist von 8,2 Prozent im Mai leicht auf 8,1 Prozent im Juni gesunken.
Deutschlands Exporte brachen im ersten Quartal erneut um 21,2 Prozent ein. Im Mai lagen sie aber 0,3 Prozent über dem des Vormonats.
Die reale Wirtschaftslage bleibt ernst. Der Bundesbankbericht für Juni ist eindeutig: Die Aufhellungssignale aus dem Ausland sind nur schwach und die Binnennachfrage leidet unter einer geringen Investitionsneigung. Das trifft Erfolgsbranchen. Der Maschinenbau gehört dazu. Gefahr droht auch von einer möglichen Kreditklemme für die Unternehmen, vor der Wirtschaftsverbände und Experten warnen.
Die Auftragseingänge in der Industrie haben im Mai preis- und saisonbereinigt um 4,4 Prozent zugenommen nach 0,1 Prozent im April. Das teilt das Bundeswirtschaftsministerium mit. Die Auslandsorders stiegen stärker als die Inlandsbestellungen. Die Industrieproduktion lag im Mai um 5,1 Prozent höher als im April. Besonders profitierten die Hersteller von Investitionsgütern wie die Automobilindustrie und ihre Zulieferer.
Für den Exportweltmeister Deutschland kommt es jetzt auf die Entwicklung des Welthandels an, so das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI). Von den Weltmärkten hört man aber nur wenig Gutes.
China liefert einige positive Anzeichen. Die Weltbank geht von einem Wirtschaftswachstum von 7,2 Prozent aus.
Die Nachrichten aus Japan snd schlecht. Bei der größten Volkswirtschaft Asiens brachen die Exporte im April um 40,9 Prozent ein.
Ein Lichtblick kommt aus den USA: Das Handelsministerium meldete im ersten Quartal mit 5,5 Prozent einen geringeren Rückgang der Wirtschaftsleistung als erwartet. Daher hält man es für möglich, dass die Talsohle erreicht ist.
Nur 13 Prozent der Deutschen meinen, dass die Lage noch schlechter wird, meint die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Viele erwarten sogar eine Stärkung des Wirtschaftsstandorts Deutschland, heißt es dort unter Berufung auf das Demoskopie Institut Allensbach.
Im Ausland sei die Zuversicht der Deutschen schon aufgefallen. Angelsachsen sprechen schon von einer "German Lässigkeit". Insgesamt bescheinigen die Medien, dass die Deutschen keine realitätsfernen Träumer sind. Die Sorge um den Arbeitsplatz ist weit verbreitet. Und angestellte Manager haben stark an Ansehen verloren.
Eine große Mehrheit billigt, dass der Staat in die Wirtschaft eingreift. Zustimmung gibt es besonders für staatliche Kontrolle des Bankwesens. Und die Mehrheit stimmt Hilfen für schwächelnde Unternehmen zu. 80 Prozent der Befragten stehen hinter der Sozialen Marktwirtschaft.
Deutschland zeigt in der Krise Zuversicht.