Der Osten holt weiter auf

Sächsische Unternehmen gehören heute in vielen zukunftsträchtigen Bereichen wieder zur technologischen Weltspitze. Dies gilt für traditionell starke Branchen wie die Automobilindustrie oder den Maschinenbau, aber auch für neu angesiedelte Industrien wie die Mikroelektronik.

Schon im 19. Jahrhundert zählte Sachsen zu den am stärksten industrialisierten Regionen Deutschlands und Europas. Unter der SED-Herrschaft fiel das Land international zurück.

Im Sommer vor 20 Jahren waren die sozialistischen Diktaturen in ganz Europa bankrott. In der DDR war der Maschinenpark veraltet, die Umweltbelastung gigantisch und die Produktivität erschreckend niedrig.

Mitarbeiter des Chemnitzer Fraunhofer Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration (IZM) und des Zentrums für Mikrotechnologien der TU Chemnitz arbeiten in einem Reinraumlabor..Bild vergrößern Biotechnologie - eine wachstumsstarke Branche in Ostdeutschland Foto: picture-alliance/ ZB

Nach der Wende hat Sachsen an frühere Erfolge angeknüpft und seine internationale Wettbewerbsfähigkeit zurückgewonnen. Das Land hat dem in der DDR kaltgestellten Mittelstand den nötigen Freiraum gegeben. Das Handwerk ist seit 1990 gestärkt und hat wieder goldenen Boden.

Herausragende Beispiele sind: Die Rückkehr des Automobilbaus. Die Entwicklung der Mikroelektronik, mit der die Region zum "Silicon Saxony" wurde. Gleichzeitig wurden und werden neue Technologiefelder erschlossen. Die Biotechnologie hat sich dabei als besonders wachstumsstarke Branche erwiesen.

Abstand zu westdeutschen Ländern verringert

Die Erneuerung der wirtschaftlichen Basis ist in Sachsen und den anderen ostdeutschen Ländern gut vorangekommen. Dank der guten wirtschaftlichen Entwicklung ist der Osten auf dem besten Wege, sich dem Westen anzunähern. Die Schere schließt sich.

Es wäre ein großer Erfolg, wenn Ostdeutschland bis 2019 an die wirtschaftliche Leistungskraft der strukturschwächeren westdeutschen Länder heranreichte. Zu diesem Ergebnis kommt der Jahresbericht zum Stand der Deutschen Einheit. Der Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Länder, Bundesminister Wolfgang Tiefensee hat den Jahresbericht am 10. Juni 2009 in Berlin vorgestellt.

"Die auf Zukunftsfelder orientierte Förderpolitik stellt Ostdeutschland mit Auslaufen des Solidarpaktes auf ein gutes und hochmodernes Fundament", so Tiefensee bei der Vorstellung.

Der Solidarpakt II läuft im Jahr 2019 aus.

Wirtschaftliche Entwicklung kann sich sehen lassen

Von 2000 bis 2008 ist das Bruttoinlandsprodukt in den neuen Ländern je Einwohner von 67 Prozent auf 71 Prozent des westdeutschen Durchschnittsniveaus gestiegen. Pro Kopf gerechnet erhöhte es sich in diesem Zeitraum um 14,1 Prozent gegenüber nur plus 9,1 Prozent in den alten Ländern.

Die Produktivität hat von 75 auf 79 Prozent zugenommen. Die Exportquote wuchs von 50 auf 72 Prozent. Bemerkenswert ist, dass es mittlerweile in den neuen Ländern fast ebenso viele Unternehmensgründungen pro 1.000 Einwohner gibt wie in den alten Ländern.

Hohes Wachstum der Industrie

Sehr erfreulich ist besonders das hohe Wachstum der Industrie: 7,5 Prozent in den vergangenen drei Jahren gegenüber 4,3 Prozent im Westen.

Die Grundlage für diese Entwicklung sind die Mittel des Solidarpaktes II: Von 2006 bis 2008 sind rund 45 Milliarden an Hilfen zum wirtschaftlichen und infrastrukturellen Aufbau in Ostdeutschland geflossen.

"Die Ostdeutschen haben in den zurückliegenden zwanzig Jahren unheimlich viel geleistet", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am 5. Februar 2009 im Interview mit der SuperIllu. "Insofern können wir jetzt unterm Strich auf zwei erfolgreiche Jahrzehnte deutscher Geschichte zurückblicken".

Die Bundeskanzlerin ist aber auch überzeugt davon, dass noch für etliche Jahre besondere Anstrengungen in den neuen Bundesländern nötig sein werden: Wegen geringerer Steuereinnahmen und doppelt so hoher flächendeckender Arbeitslosigkeit.

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