Konjunktur

Deutsche hoffen auf Ende der Talfahrt

Es gilt den Fakten ins Auge zu sehen: Deutschlands Bruttoinlandsprodukt wird um sechs Prozent schrumpfen. Den Grund dafür liefern besonders die ausländischen Handelspartner. Doch es gibt erste Anzeichen dafür, dass die Talsohle erreicht sein könnte. 

Die globale Rezession trifft die deutsche Wirtschaft vor allem bei den Exporten. Sie gingen im April im Vergleich zum März um 4,8 Prozent zurück; im Vorjahresvergleich um 28,7 Prozent.

Bei den Erwartungen ermittelte das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln einen gravierenden Einbruch. Demnach rechnen nur knapp sieben Prozent der Firmen 2009 mit einem Exportplus. 56 Prozent befürchten einen Rückgang. Vor allem Firmenvertreter, die Investitionsgüter verkaufen, zeigen sorgenvolle Mienen. 75 Prozent sagen einen Rückgang ihrer Geschäfte voraus. Dabei zählen die Investitionsgüter normalerweise zu den Stars des deutschen Angebots. 60 Prozent dieser Produktpallette kauft das Ausland. 

Der Blick nach vorn

Erstmals gibt es aber auch wieder optimistischere Töne. Die Talsohle könnte erreicht sein. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Krise schon überwunden ist. „Wir haben vielleicht, was das Wachstum anbelangt, den tiefsten Punkt erreicht“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel unlängst vor norddeutschen Unternehmern.

Der Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann bezeichnet „es als außerordentlich schwierig jetzt etwas Konkretes zu sagen, aber es gibt erste Anzeichen, dass sich der Abwärtstrend verlangsamt, wenn er nicht gar gestoppt wird“.

Konsumklima stabil

Als Beispiele führte Ackermann die Konsumindikatoren in Deutschland an. So hat die GfK-Gruppe für Marktfoschung am 26. Mai mitgeteilt, dass die Kauflaune der Deutschen auch im Juni robust bleiben wird.

Der Indikator für das Konsumklima bleibt im Juni und damit im dritten Monat in Folge stabil. Zu den Ursachen zählt die GfK die niedrige Inflation, aber auch die Abwrackprämie. Letztere werde inzwischen von einer Reihe anderer Branchen kopiert.

Entscheidend für den Jahresverlauf bleibt allerdings die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Die Angst vor Arbeitslosigkeit dämpft die Konsumbereitschaft stark. Ein Impuls für den Konsum wird demgegenüber von den anstehenden Rentenerhöhungen ausgehen.

Die GfK befragt im Aufrag der EU-Kommission monatlich 2000 repräsentativ ausgewählte Personen. Die Ergebnisse fließen in den Klimaindikator für die Gemeinschaft und die Euro-Zone ein.

Auch Geschäftsklimaindex steigt

Die Experten des Münchener ifo-Institutes haben jüngst ihren Geschäftsklimaindex von 83,7 Punkten im April auf 84,2 Punkte für den Mai angehoben. Nach Meinung von ifo-Präsident Hanns-Werner Sinn, zeichnet sich „eine allmähliche Stabilisierung der Wirtschaftsleistung auf niedrigem Niveau ab“.

Handel belebt – Bau stagniert

Die Stimmung ist je nach Branche unterschiedlich. Im Groß- und Einzelhandel hat sich das Geschäftsklima verbessert. Im verarbeitenden Gewerbe ist die Lage unverändert, dafür sind aber die Erwartungen für das kommende Halbjahr günstiger. Die Stimmung beim Bau gilt weiter als verhalten.

Gute Nachricht - niedrigste Inflation seit 22 Jahren

Die Inflation in Deutschland ist im Mai auf 0,0 Prozent gesunken. Das ist der niedrigste Stand seit 1987.

Ausland meldet erste Hoffnungsschimmer

Die US-Wirtschaft ist im ersten Quartal weniger stark geschrumpft als zunächst angenommen. Nach Angaben des US-Handelsministeriums ging die Wirtschaftsleistung um 5,7 Prozent zurück und nicht wie befürchtet um 6,1 Prozent. Im letzten Quartal 2008 war die Wirtschaft noch um 6,3 Prozent eingebrochen.

Auch Japan meldet eine langsame Erholung. Nach Informationen des Handelsministeriums in Tokio von Ende Mai ist die Produktion im April um 5,2 Prozent gestiegen. Auch für Mai und Juni rechnet man weiter mit Verbesserungen bei der Industrieproduktion.

Nach Einschätzung von Weltbankchef Robert Zoellick kann auch vom Wachstum der chinesischen Volkswirtschaft ein wichtiger Impuls zur Überwindung der Rezession ausgehen.

Arbeitsmarkt in der Eurozone

Die Arbeitslosenquote bereitet Sorge. In der Eurozone stieg sie nach Angaben von Eurostat im April im Vergleich zum Vormonat von 8,9 auf 9,2 Prozent.

Eine gute Nachricht für den deutschen Arbeitsmarkt: Deutsche Unternehmen wollen auf die Krise nicht so stark mit Stellenabbau reagieren wie Firmen in anderen Ländern. Nach einer Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG planen nur 28 Prozent der befragten Firmen einen Stellenabbau. Der weltweite Durchschnitt  liegt bei mehr als 41 Prozent.

Nach Ansicht von Bundesbankchef Axel Weber könnte die Wirtschaft in der Eurozone in diesem Jahr wieder schrittweise auf die Beine kommen. Bei der EZB ist man sich nicht einig. Einige rechnen dort erst mit einer Erholung im nächsten Jahr, andere schon dieses Jahr.

Internationale Gemeinschaft vor der Bewährungsprobe

Über den Berg ist die Wirtschaft noch lange nicht. Aber ein Anfang scheint gemacht. „Die Bankenrettung ist im wesentlichen gelungen“, stellte die Bundeskanzlerin Anfang Juni in Berlin fest. Der Staat habe gehandelt, als das angeschlagene System in die „Intensivstation“ musste, doch nunmehr schließe sich die „Reha-Phase“ an.

Die Neuregelung der Finanzmärkte und den Abbau der Staatsschulden nannte Merkel eine „Bewährungsprobe“. Mit Blick auf das G20-Treffen in den USA im September forderte die Kanzlerin daher Entscheidungen. Ziel ist es, die Grundzüge der Sozialen Marktwirtschaft zur Grundlage des weltweiten Wirtschaftens zu machen.

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