Umwelt- und Klimaschutz

Mehr Autos, aber weniger Schadstoffe

Ein steigender Motorisierungsgrad bei sinkendem CO2-Ausstoß - so lässt sich die Entwicklung der Automobilbranche in den kommenden zwei Jahrzehnten auf den Punkt bringen. Eine Vorhersage, die nicht nur demographischen Wandel und Wirtschaftswachstum, sondern auch geeignete politische Maßnahmen einbezieht.

Mehr Pkw in Deutschland

Trotz gegenwärtiger Finanz- und Wirtschaftskrise erwarten Experten, dass die Zahl der Automobile bis zum Jahr 2030 von 47 Millionen auf 49,5 Milionen ansteigt – sofern die aktuellen politischen Ziele der Bundesregierung auch zukünftig Bestand haben werden. Das bedeutet einen Motorisierungsgrad von rund 630 Pkw pro 1000 Einwohner (gegenwärtig sind es noch 570 Fahrzeuge).

Die "automobile Emanzipation" schreitet voran

Für das prognostizierte Wachstum spricht vor allem die so genannte automobile Emanzipation: Die Motorisierung von Frauen wird stark ansteigen - von heute etwa 340 auf gut 430 Pkw je 1000 Frauen. Das bedeutet, 2030 fahren zwar immer noch weniger Frauen Autos als Männer, die Annäherung schreitet jedoch voran. Ein weiterer Gesichtspunkt: Menschen werden ihre Mobilität zunehmend auch im Alter erhalten. Vor allem Frauen über 50 legen hier kräftig, ältere Männer immerhin noch leicht zu.

Die CO2-Emmissionen dagegen dürften deutlich zurückgehen - bis 2020 um etwa 14 Prozent. Grund dafür ist unter anderem ein sinkender Kraftstoffverbrauch. Damit erfüllt die Bundesregierung die von der EU vorgegebenen Klimaschutzziele.

Auch Lkw-Maut soll CO2-Emmissionen senken

Seit dem 1. Januar 2009 zahlen Lkw mit hohem Schadstoffausstoß bis zu doppelt so viel wie umweltfreundliche Modelle. Wer die strengsten Emissionsnormen erfüllt, zahlt die niedrigsten Gebühren. Die Regelung betrifft alle Lkw über zwölf Tonnen. Sie schafft Anreize für den Einsatz von schadstoffarmen Nutzfahrzeugen. Lkw mit einem Partikelminderungssystem kommen ebenfalls besser weg. Wer nachrüstet, ist also wirtschaftlich im Vorteil.

Dank Umweltprämie & Co. ans Ziel

Die Bundesregierung unterstützt die Klimaschutzziele der EU. Das aktuellste Beispiel ist die Umweltprämie, umgangssprachlich auch "Abwrackprämie" genannt. Sie fördert umweltfreundliche Fahrzeuge und erreicht damit einen geringeren CO2-Ausstoß. Dafür sorgt auch die öffentliche Förderung von Innovationen in der Automobilindustrie. Insgesamt 500 Milliarden Euro setzt die Bundesregierung dieses Jahr für die Zukunft der Mobilität ein.

Die Euro-Abgasnormen

Die Euro-Abgasnorm soll den Schadstoffausstoß reduzieren. Zu Schadstoffen zählen unter anderem Kohlenmonoxid, Kohlendioxid, Stickstoffoxide, Kohlenwasserstoffe und Rußpartikel.

Um zu verhindern, dass zu viel davon in die Atmosphäre gelangt, gibt es in der EU strenge Abgasnormen. Für Pkw gilt europaweit die Euro 5-Norm, welche der Schadstoffklasse 5 entspricht. Die Hersteller sind verpflichtet, ihre Fahrzeuge so zu konzipieren, dass die festgesetzte Abgasnorm eingehalten wird. Die Abgasnorm bildet in Deutschland die Grundlage der Besteuerung. Für die Bemessung der Kraftfahrzeugsteuer wird der im Fahrzeugschein eingetragene Schadstoffschlüssel herangezogen.

Eine weitere Maßnahme der Bundesregierung ist die CO2-basierte Kfz-Steuer ab dem 1. Juli 2009. Eine Basismenge Kohlendioxid bleibt nach der neuen Regelung steuerfrei. Bis 2011 sind das 120 Gramm pro Kilometer. 2012 und 2013 verringert sich dieser Betrag auf 110 Gramm, ab 2014 auf 95 Gramm pro Kilometer. Ab dem Sockelbetrag gilt ein linearer, an der CO2-Emission orientierter Tarif mit einem Steuersatz von zwei Euro je Gramm/Kilometer. Bis zum 1. Juli dieses Jahres gilt: Wer ein neues Auto zulässt, muss ein Jahr lang keine Kfz-Steuer zahlen. Erfüllt dieses Auto die Abgasnorm Euro 5 oder Euro 6, verlängert sich die Frist auf bis zu zwei Jahre.

Ganz Europa profitiert

Da die staatliche Umweltprämie nicht an den Kauf eines deutschen Autos gebunden ist, profitieren auch andere EU-Länder von der verstärkten Nachfrage. So setzt die Bundesregierung gleichzeitig ein Zeichen für den gemeinsamen europäischen Binnenmarkt und gegen Protektionismus. Bundeskanzlerin Merkel dazu: "Wenn irgendwo in Europa einer von dem profitiert, was bei uns gekauft wird, dann ist das nur die richtige Antwort auf die allgemeine Offenheit der Märkte."

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