Der Dienstleistungssektor boomt. Die Bedeutung des produzierenden Gewerbes hat in der Vergangenheit kontinuierlich abgenommen. Heute sind Dienstleistungen die vorrangige Erwerbsquelle der Bundesbürger. Rund zwei Drittel des Bruttoinlandsproduktes erwirtschaftet der Dienstleistungssektor.
Das mittelständische Unternehmen GOING PUBLIC! bietet seit 1990 Aus- und Fortbildungsschulungen im Finanz- und Versicherungssektor an. Kein leichtes Unterfangen, der Weiterbildungsmarkt ist hart umkämpft. Im Jahr 1998 erwirtschaftete der Qualifikationsanbieter einen Umsatz von rund 500.000 Euro pro Jahr. Zehn Jahre danach hat sich der Umsatz auf drei Millionen Euro versechsfacht.
Heute arbeiten 20 fest angestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Unternehmen. Über 100 freiberufliche Dozenten und Trainer unterstützen das Team. Der Erfolg kann sich sehen lassen.
Geschichten wie die des Schulungsunternehmens verdeutlichen, wie erfolgreich der Dienstleistungssektor in der Vergangenheit gewachsen ist. Die Unternehmen des Dienstleistungssektors erbringen Dienstleistungen für andere Unternehmen und für Endverbraucher.
Der „tertiäre Sektor“ Dienstleistungen
Der Dienstleistungssektor wird als „tertiärer Wirtschaftssektor“ bezeichnet. Zum „primären Sektor“ gehören zum Beispiel Land- und Forstwirtschaft und die Fischerei. Der sekundäre Sektor besteht aus dem produzierenden Gewerbe, der Industrie.
Zum Dienstleistungssektor gehören:
- Distributions-Dienstleistungen (Handel, Verkehr, Nachrichten)
- Unternehmens-Dienstleistungen (Finanzdienste, Leasing, Weiterbildung)
- Persönliche Dienstleistungen (Gastgewerbe, Kultur, Sport, Haushalte)
- Soziale Dienstleistungen (Staat, Gesundheit, Unterricht, Kirchen)
Dabei spielen soziale Dienstleistungen eine wichtige Rolle. Das sind in erster Linie Dienstleistungen für Menschen, die Hilfe und Unterstützung benötigen: Beispielsweise betreutes Wohnen für Menschen mit Behinderungen. Oder Haushaltshilfen für Senioren. Oder ambulante Pflegedienste für alte und kranke Menschen. Allein die Zahl der Pflegebedürftigen soll bis zum Jahr 2030 um fast 60 Prozent zunehmen, sagt das Statistische Bundesamt.
Dienstleistungsunternehmen haben ganz überwiegend (zu 81 Prozent) einen Eigentümer oder befinden sich im Besitz einer Familie. Diese haften mit ihrem Privatvermögen.
Die meisten Unternehmen sind ausschließlich auf ihrem unmittelbaren lokalen Markt tätig. Es gibt aber auch im Dienstleistungssektor große international tätige Global Player, die überwiegend Unternehmensdienstleistungen anbieten. Zudem gewinnt der Dienstleistungsanteil in deutschen Industrieunternehmen immer stärker an Bedeutung: Maschinen werden in der Regel mit Wartungsvertrag verkauft.
Dienstleister erwirtschaften heute 70 Prozent der Bruttowertschöpfung in Deutschland. Die Bruttowertschöpfung ist die wichtigste Größe bei der Ermittlung des Bruttoinlandsprodukts (BIP), das den Wert der im Inland erwirtschafteten Leistung misst. Sie haben damit den mit Abstand größten Anteil an der gesamtwirtschaftlichen Leistung.
Finanzierungs-, Vermietungs- und Unternehmensdienstleister tragen seit 1994 innerhalb des Dienstleistungssektors den größten Anteil zur Wertschöpfung bei. 2007 erzeugte dieser Bereich fast ein Drittel der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung.
1970 waren rund 45 Prozent der 26,6 Millionen Erwerbstätigen im früheren Bundesgebiet im Dienstleistungsbereich tätig. Heute arbeiten dort über 29 Millionen von den über 40 Millionen Erwerbstätigen in Deutschland. Das sind 72,5 Prozent aller Erwerbstätigen. 1991 waren es noch 59,5 Prozent.
2007 trug der Dienstleistungsbereich sehr zur positiven Wirtschaftsentwicklung bei. Besonders viele Arbeitsplätze entstanden in den Bereichen Finanzierung, Vermietung und Unternehmensdienstleister, einschließlich Zeitarbeitsfirmen. Und auch 2008 steigt die Zahl der Erwerbstätigen in der Dienstleistungswirtschaft weiter: Im zweiten Quartal um 1,5 Prozent oder 444.000 Personen gegenüber dem Vorjahr.
Die Bundesregierung fördert diesen wichtigen Wirtschaftszweig mit vielfältigen Programmen. Sie unterstützt beispielsweise mit dem "Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM)" kleine und mittlere Dienstleistungsunternehmen in ihren Innovationsbemühungen.
In Europa hat der Dienstleistungsbereich bisher nur einen Anteil am Handel von 20 Prozent. Die Bundesregierung hat sich daher für die Verabschiedung einer europäischen Dienstleistungsrichtlinie eingesetzt, die den Handel mit Dienstleistungen erleichtert.
Bundeswirtschaftsminister Michael Glos: "Hier eröffnet die Dienstleistungsrichtlinie zusätzliche Chancen auch für deutsche Dienstleister. Denn wir haben eine Vielzahl von Dienstleistungen, die wir erfolgreich in Europa anbieten können."
Der Bundesverband der Dienstleistungswirtschaft – BDWi: Kennzahlen der DienstleistungswirtschaftStatistisches Bundesamt: Dienstleistungen, Finanzdienstleistungen - Strukturwandel in DeutschlandBundesministerium für Wirtschaft und Technologie: "Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM)"Forschungsprogramm "Innovationen mit Dienstleistungen"GOING PUBLIC!