Die Reinigung um die Ecke und das Restaurantpersonal – meist sind dies die ersten Assoziationen beim Thema Dienstleistung. Das Spektrum der Dienstleistungen aber ist weitaus größer, als der erste Blick vermuten lässt.
Ob Pflege, Gesundheit, Finanzen, Logistik, Tourismus und Kultur: Auch in diesen Bereichen gibt es vielfältige Dienstleistungsangebote. Das gilt auch für unternehmensnahe Dienstleistungen. Zu diesem sehr bunten Bereich gehören beispielsweise Tätigkeiten im Immobiliensektor, der IT-Branche und der Forschung und Entwicklung. Aber auch Unternehmens-, Rechts- und Steuerberatung, Marketing, Ingenieur- und Architekten-Dienste können dazu gezählt werden.
Der Dienstleistungssektor wird zunehmend wichtig. Ein Blick auf die Zahlen zeigt die volkswirtschaftliche Dimension. Innerhalb des Dienstleistungssektors ist vor allem die Zahl der Dienstleister, die für Unternehmen tätig sind, gewachsen. Ebenso legten die Branchen Grundstücks- und Wohnungswesen sowie Vermietung beweglicher Sachen in den letzten Jahren zu. In diesen Bereichen finden heute 25 Prozent mehr Menschen Arbeit als noch vor sieben Jahren. Auch im Gesundheits-, Veterinär- und Sozialwesen stieg die Zahl der Beschäftigten deutlich.
Im gesamten Dienstleistungsbereich arbeiteten im Jahr 1991 knapp 23 Millionen Menschen. Das entsprach einem Anteil von nahezu 60 Prozent gemessen an allen Beschäftigten. Mittlerweile zählt der Dienstleistungssektor gut 28 Millionen Erwerbstätige. Der Anteil an der Gesamtbeschäftigung erreicht damit 72 Prozent.
Es zeigt sich: In Deutschland haben sich die Dienstleistungen dynamisch entwickelt. Mittlerweile beträgt ihr Anteil an der Wertschöpfung 69 Prozent.
Viele Dienstleistungen werden eher regional nachgefragt. Andere hingegen sind zu Exportschlagern geworden. Wenn es darum geht, Dienstleistungen aus den Bereichen Telekommunikation, Bauwirtschaft und Seeverkehr oder Post- und Kurierdienste zu exportieren, nehmen deutsche Unternehmen international Spitzenplätze ein. Dies gilt auch für technische Dienstleistungen, EDV- und Umweltdienste sowie Finanzdienstleistungen. Kunden- und Serviceorientierung werden immer mehr zum entscheidenden Erfolgsfaktor.
Laut Welthandelsorganisation (WTO) hatte Deutschland letztes Jahr ein Exportvolumen von 164 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem Anteil von 6,1 Prozent am globalen Dienstleistungsexport. Wie in den vergangenen Jahren ist Deutschland damit drittgrößter Exporteur hinter den USA (14,3 Prozent) und Großbritannien (8,2 Prozent).
Die Dienstleistungsunternehmen profitieren vom Exportboom. Aber auch die anziehende Binnenkonjunktur trägt dazu bei, dass der Sektor wächst.
Die Bundesregierung sieht im Dienstleistungssektor erhebliche Wachstums- und Beschäftigungspotenziale. Insbesondere in wissensintensiven Zukunftsbereichen und im Bereich Gesundheit, Pflege, haushaltsnahe Dienstleistungen können künftig noch mehr Menschen Arbeit finden. Die Bundesregierung unterstützt hier innovative Ideen. Mit unterschiedlichsten Programmen, Initiativen und Maßnahmen will sie die Beschäftigungsmöglichkeiten stärker erschließen.
Denn eine zukunfts- und wettbewerbsfähige Volkswirtschaft ist Voraussetzung für langfristiges Wirtschaftswachstum und Wohlstand. Mit der 2006 beschlossenen "Hightech-Strategie für Deutschland" hat die Bundesregierung daher die Innovationspolitik ins Zentrum des Regierungshandelns gestellt. Dies gilt auch für den Dienstleistungsbereich. Seine Wettbewerbsfähigkeit wird wesentlich von Innovationen, einer hohen Produktqualität sowie von attraktiven Arbeitsverhältnissen geprägt.
Um die Nachfrage nach haushalts- und personenbezogenen Dienstleistungen zu steigern, hat die Bundesregierung die steuerliche Absetzbarkeit haushaltsnaher Dienste verbessert. Auch die Qualifizierung der Beschäftigten ist ihr wichtig. Das trägt dazu bei, niedrige Entlohnung und unsichere Arbeitsverhältnisse zu überwinden.
Im Vordergrund steht hier das Ziel, die Chancen des demografischen Wandels positiv zu nutzen. In den nächsten Jahren ist mit sinkenden Einwohnerzahlen und einer älter werdenden Bevölkerung zu rechnen. Ältere Menschen aber konsumieren anders als jüngere.
Wie die Ergebnisse der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2003 zeigen, werden von Jüngeren zum Beispiel verstärkt Dienstleistungen im Bereich der Nachrichtenübermittlung nachgefragt. Ältere Menschen dagegen fragen überdurchschnittlich Dienstleistungen in den Bereichen Gesundheit und Pflege nach. Auch für Dienstleistungen im Wohnbereich (Wohnungsinstandhaltung, Haushaltsführung) wenden Ältere deutlich mehr finanzielle Mittel auf als der Durchschnitt. Dagegen ist ihre Nachfrage im Bildungswesen unterdurchschnittlich.
Durch die steigende Zahl älterer Menschen wird die Nachfrage nach Gesundheits- und Pflegedienstleistungen weiter zunehmen. Das Gesundheitswesen ist daher ein enormer Beschäftigungs- und Innovationsfaktor. Die Bundesregierung wird vor diesem Hintergrund das Gesamtkonzept "Dienst Mensch am Menschen – Arbeitsplätze im Gesundheits-, Pflege- und Betreuungsbereich" erarbeiten und bis März 2008 vorlegen.
Wichtiger werden auch die Dienstleistungen für die Haushaltsführung und Wohnungsinstandhaltung.
In anderen Bereichen wie zum Beispiel dem Verkehrswesen und dem Freizeitbereich werden erhebliche Anpassungen an den neuen Kundenkreis erfolgen müssen. Die Anbieter von Dienstleistungen werden also ihre Angebote auf den zu erwartenden Wandel der Konsumstrukturen abstimmen müssen. Das ist Herausforderung und Chance zugleich.