Noch nie konnten Minderjährige selbstbestimmt über so viel Geld verfügen wie heute. Noch nie gerieten andererseits so viele Jugendliche, sobald sie volljährig und geschäftsfähig waren, in die Verschuldung.
Mit Geld umzugehen muss erlernt werden. Kinder brauchen Rat und Begleitung, um die gewonnenen Spielräume sinnvoll zu nutzen. Finanzielle Bildung wird zunehmend zum Thema für Eltern, Schulen und Politik.
2,5 Milliarden Euro fließen jährlich in Form von Taschengeld und Geldzuwendungen in Deutschland durch Kinderhände. Durchschnittlich 23 Euro monatlich erhalten die 6- bis 13-Jährigen. Hinzu kommen 3,6 Milliarden, die auf Sparkonten liegen – 626 Euro pro Kind.
Die Kreditauskunft "Schufa" hat ermittelt, dass Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 17 Jahren über monatlich durchschnittlich 92 Euro verfügen. Nach Abzug fester Kosten verbleiben ihnen noch 76 Euro.
Jugendliche zwischen 14 und 19 Jahren haben mehr Geld zur freien Verfügung als 55- bis 59-Jährige, wenn man bei ihnen die gesamten Lebenshaltungskosten abzieht. Die Jugendlichen verfügen über annähernd genauso viel wie Erwachsene zwischen 45 bis 69 Jahren, wie eine Analyse des Bauerverlages zeigt.
Kinder und Jugendliche sind heute in ihren Kaufentscheidungen freier als Minderjährige früherer Zeiten. Sie haben in zunehmendem Maße die Erlaubnis, alleine etwas zu kaufen, auch wenn es um Güter geht, die teurer sind.
Kinder kaufen von ihrem Taschengeld vor allem Süßigkeiten (53 Prozent), Zeitschriften und Comics (40 Prozent), Eis (34 Prozent) und Getränke (27 Prozent).
2007 haben 6- bis 19-Jährige 942 Millionen Euro für "Fastfood" ausgegeben, weitere 800 Millionen für Süßigkeiten und Eis. 2,2 Milliarden Euro sind in das Telefonieren mit einem Handy und in Downloads geflossen.
Fragt man Jugendliche im Alter von 13 bis 17 Jahren, rangiert das Mobiltelefon auf Platz zwei der "Taschengeldfresser". So ist auch die Handyrechnung oftmals das Einstiegstor in die Schuldenspirale.
Mobiltelefondienste, aber auch Internetseiten enthalten mitunter Fallstricke und Kostenfallen. Anbieter versuchen, die mangelnde Erfahrung Minderjähriger auszunutzen. Bereits 22 Prozent der 12- bis 13-Jährigen und 45 Prozent der 14- bis 15-Jährigen geben an, gelegentlich im Internet einzukaufen.
Mit sieben Jahren ist ein Kind beschränkt geschäftsfähig. Jüngere Kinder können gar keine Verträge abschließen. Bis zur Volljährigkeit wird ein geschlossener Vertrag nur wirksam, wenn die gesetzlichen Vertreter (in der Regel die Eltern) dem Vertragsschluss zustimmen.Davon gibt es jedoch Ausnahmen. Ein Kind kann selbst etwas kaufen, solange man unterstellen kann, dass es die Kosten mit seinem Taschengeld bestreiten kann. Das ist beispielsweise der Fall, wenn sich das Kind eine Süßigkeit oder eine Zeitschrift kauft. Ein Einkauf durch ein Kind in diesem Umfang ist auch ohne Zustimmung der Eltern rechtskräftig (§ 110 BGB "Taschengeldparagraph").
Gerät das Kind in eine Kostenfalle oder hat es etwas gegen den Willen der Eltern bestellt, muss es keineswegs in jedem Fall zahlen. Es genügt der Hinweis, dass die Eltern die Zustimmung nicht erteilt haben.
Droht der Internetanbieter mit einer Betrugsanzeige, wenn der Minderjährige eine falsche Altersangabe gemacht hat, ist dies für den Vertragsabschluss unerheblich.
Junge Menschen unter 20 Jahren verschulden sich sehr viel stärker als noch vor fünf Jahren. Mittlerweile können 128.000 Personen dieser Altersgruppe ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen. Das sind fast doppelt so viel wie 2004. Immer mehr Schulden drücken zudem die 20- bis 29-Jährigen. In dieser Altersgruppe ist der Anstieg der Überschuldung zwischen 2004 und 2008 am größten.
Fast jeder Siebte der 14- bis 21-Jährigen hat heute bereits Schulden, meist bei Freunden, Verwandten oder den Eltern. Bei den volljährigen Jugendlichen steigt die Verschuldung, da sie auch Kredite aufnehmen können. Durchschnittlich lasten etwa 1.950 Euro an Verbindlichkeiten auf den überschuldeten Jugendlichen in Deutschland.
Taschengeld
Experten empfehlen: Sobald Kinder rechnen können, sollten sie auch selbständig mit kleinen Beträgen umgehen dürfen. Wichtig sei es, konsequent zu bleiben: Dem Kind nichts vorstrecken oder außer der Reihe bezahlen, wenn das Taschengeld ausgegeben ist.
Sparen
Die klassische Spardose kann für Kinder das Sparen konkret erfahrbar machen. Ein kleines Kind ist stolz auf viele Münzen und Scheine. Und es fängt bald an, auszurechnen, wann es sich mit seinem Ersparten etwas leisten kann. So lernt es, dass man sich Wünsche erfüllen kann, wenn man zuvor Verzicht geleistet hat. Wenn die Eltern erfolgreiches Sparen belohnen, indem sie den Kindern zu dem gesparten Betrag etwas dazu geben, kann das ein zusätzlicher Anreiz sein.
Preise vergleichen
Kostenbewusstsein kann schon früh erlernt werden. Das in Nordrhein-Westfalen erstmals erprobte Schulprogramm "MoKi" (Money & Kids) arbeitet bereits mit Grundschulkindern. Die Kinder werden zum Beispiel auf Entdeckungstour in den Supermarkt geschickt, wo sie lernen, Preise miteinander zu vergleichen. Oder sie gehen als Spardetektive daheim auf die Suche nach Geldverschwendern wie unnötigem Stand-by-Betrieb von Fernseher und Stereoanlage. Das Projekt wurde von den Vereinten Nationen im Rahmen der UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" als offizielles Dekadeprojekt 2007/08 und 2009 ausgezeichnet. Auch der Verbraucherzentrale Bundesverband und die Arbeitsgemeinschaft der Schuldnerberatung bieten Unterrichtsmaterial zum Thema an.
Die Verbraucherminister von Bund und Ländern haben im September 2008 angeregt, die Finanzkompetenz junger Menschen stärker zum Gegenstand des Schulunterrichts zu machen. Einen Ansatz dazu sehen die Minister darin, schulische und außerschulische Jugend- und Verbraucherbildung besser zu verzahnen und zu vernetzen. Darüber hinaus liegen aus ihrer Sicht Ansatzpunkte in der Lehrerausbildung und -fortbildung sowie der Lehrplangestaltung. Die Länder sind für Bildung zuständig. Entsprechend haben sie im Oktober 2009 einen Austausch unter dem Thema "Mehr Finanzkompetenz in die Schulen" veranstaltet. Bestehende Angebote wurden vorgestellt und Möglichkeiten diskutiert, wie Angebote flächendeckend in den Schulen aufgegriffen werden können.