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Nr. 009    11/2009
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Schwerpunkt

Gesund wohnen

Frau öffnet ein Fenster zum Lüften
Vergrößerung
Foto: picture-alliance
Richtig Lüften statt "dicke Luft"
In den eigenen vier Wänden kann eine ganze Reihe von Schadstoffquellen für "dicke Luft" sorgen. Neben Tabakrauch verströmen vor allem Möbel, Baumaterialien, Bodenbeläge, Lacke und Wandfarben gesundheitlich bedenkliche Stoffe wie Lösemittel, Weichmacher oder Formaldehyd. Auch offene Kamine und alte Gasherde können Quellen für Luftverunreinigungen und Mikroorganismen wie etwa Schimmel sein.
 
Wohngifte wie diese machen sich am Menschen mit Kopfschmerzen und Reizungen der Schleimhäute bemerkbar. Auch Schwindel, Konzentrationsstörungen oder ständige Müdigkeit sind typische Folgen. Doch jeder Mensch reagiert unterschiedlich empfindlich.
 
Bislang gibt es kaum Bestimmungen, welche Stoffe in welcher Konzentration in Innenräumen vorliegen dürfen. Das Umweltbundesamt legt jedoch Richtwerte fest. Hintergrund ist, dass Wohnräume Teil der Privatsphäre sind, die auch einen hohen Schutz vor gesetzlichen Regelungen genießen soll.
 

Giftstoffen auf der Spur

 
Erste Hinweise auf Wohngifte liefern unangenehme Gerüche. Formaldehyd beispielsweise hat einen stechenden Geruch. Es wird als Bindemittel unter anderem in Spanplatten eingesetzt und gilt als krebserregend. Riecht es in der Wohnung nach Teer, könnte es sich um Naphtalin handeln, das zur Herstellung von Weichmachern für PVC-Böden verwendet wird. Naphtalin steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Allerdings gibt es auch gefährliche Substanzen, die vom menschlichen Geruchssinn kaum wahrgenommen werden. Dazu gehören zum Beispiel Weichmacher und Kohlenmonoxid.
 

Schimmel – ein altes Problem ist wieder aktuell

 
"Uns erreichen pro Jahr über zweitausend Anrufe von besorgten Bürgern, die über Schimmelbefall und andere Schadstoffe in der Wohnung klagen." Dies sagt Heinz-Jörn Moriske, Direktor und Leiter des Fachgebiets "Innenraumhygiene" im Umweltbundesamt. Das Problem habe sich in den letzten Jahren eher noch verstärkt, seitdem Häuser zunehmend luftdicht gebaut und Altbauten energieeffizient saniert werden. Das verringere den notwendigen Luftaustausch.
 
"Wenn die Menschen ihr Lüftungsverhalten nicht an die neuen Gegebenheiten anpassen, kommt es schnell zu Feuchteanreicherung und in der Folge zu Schimmelbefall", warnt der Fachmann. Schimmel ist nicht nur unschön anzusehen, sondern kann allergische Reaktionen auslösen. "Nur morgens und abends kurz Lüften reicht bei modernisierten Gebäuden nicht mehr aus". Dr. Moriske rät, nach jedem Duschen und Kochen mehrere Minuten stoßzulüften, emissionsarme Bauprodukte und Möbel zu kaufen und konsequent einzusetzen.
 

Hilfe beim Kauf

 
Orientierung bei der Suche nach emissionsarmen Produkten bieten das Siegel "Goldenes M" der Deutschen Gütegemeinschaft Möbel und das Umweltzeichen "Blauer Engel".
 
So enthalten zum Beispiel Spanplatten, die damit gekennzeichnet sind, nur die Hälfte des gesetzlich erlaubten Formaldehydwertes. In Wandfarben und PVC-Böden ohne den Umwelt-Engel finden sich häufig Weichmacher, die sich im Körper anreichern können. Aufdrucken wie "lösemittelfrei" sollte man übrigens nicht trauen, denn sie kleben auch auf Farbeimern, die Weichmacher enthalten. Selbst "Natur-" oder "Biolacke" können schädliche Stoffe wie etwa Terpentinöle enthalten.
 
Neue Möbel, die einen unangenehmen Geruch verströmen, sollte man einige Tage "ausdünsten" lassen. Stinkt der neue Schrank aber trotz intensiven Lüftens nach vier Wochen immer noch, ist das ein Reklamationsgrund.
 

Radon und Asbest

 
Radon ist ein natürliches radioaktives Gas, das in der Erde beim Zerfall von Uran entsteht. In Deutschland kommt es vor allem in einigen Mittelgebirgen und dem Bayerischen Wald vor. Über undichte Fundamentplatten oder Rohrleitungen dringt es in Gebäude ein. Radon verursacht Lungenkrebs. Das Bundesamt für Strahlenschutz empfiehlt Sanierungsmaßnahmen, sobald die Radon-Konzentration in der Wohnung über 100 Becquerel pro Kubikmeter liegt. Hilfe bieten die örtlichen Bau-, Umwelt-, und Gesundheitsämter.
 
Asbest wurde vor allem in den 1950er bis 70er Jahren in Gebäuden eingesetzt. Das krebserzeugende Baumaterial findet sich heute noch vereinzelt in alten Fußbodenbelägen, Dachdeckungen oder Speicherheizungen. Es kann an seiner grauen Farbe, der faserigen Struktur identifiziert werden. Ein Indikator ist auch das Baujahr eines Gebäudes. Besondere Gefahr besteht bei Renovierungsarbeiten, denn dabei können die Fasern eingeatmet werden. Alte Bodenbeläge sollten daher nicht ungeprüft herausgerissen werden.
 

Wer kann helfen?

 
Wer bestimmte Beschwerden gehäuft nur in der eigenen Wohnung hat, der könnte unter Wohngiften leiden. Gewissheit verschafft eine Analyse der Raumluft, die zum Beispiel von der Stiftung Warentest, TÜV, Dekra oder privaten Anbietern angeboten wird. Eine Liste mit vertrauenswürdigen Laboren ist über das Umweltbundesamt erhältlich. Je nach Umfang kann eine Untersuchung mehrere hundert Euro kosten.
 
 
Portrait von Ulrich Ropertz
  • Interview mit Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund zum Thema "Lärm: Mieterrechte und -pflichten"
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Kontext

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