50 Elektro-Minis fahren durch Berlin. Einen davon steuert Carl Woebcken, der Chef der Studio Babelsberg AG. Für den Spitzenmanager ist es nicht das erste Mal, dass er ein Elektroauto ausprobiert.
Frankfurt am Main, 1985. Carl Woebcken ist 29 Jahre alt, Ingenieur der Elektrochemie, und hat ein Erlebnis, das ihn bis heute nicht loslässt: Im Rahmen seiner Forschungsarbeit bekommt er die Gelegenheit, ein Elektroauto zu testen. "Einen Golf 1", erinnert er sich, "um die 25 PS. Ein Prototyp."
Nicht im Traum wäre Woebcken eingefallen, dass er noch manche berufliche Schleife drehen würde, bevor er schließlich Chef der traditionsreichen Filmstudios werden würde. Dass er irgendwann das Experiment "Elektroauto" wiederholen wollte, war dem Autofan dafür umso klarer.
24 Jahre später, Berlin 2009. Durch Zufall erfährt der heute 52-Jährige vom Pilotprojekt "Mini E Berlin" und setzt seinen alten Wunsch in die Tat um. Es fand ein aufwendiges Auswahlverfahren mit 700 Bewerbern statt. Der Babelsberg-Chef sowie 49 Berlinerinnen und Berliner wurden ausgewählt, für die nächsten sechs Monate mit je einem batteriebetriebenen Kleinwagen durch die Hauptstadt zu fahren. Der Startschuss für den größten Feldversuch zur Elektromobilität in Deutschland war gefallen.
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel war bei der feierlichen Übergabe der 50 Elektroautos im Juni persönlich dabei. "Elektrofahrzeuge, angetrieben durch Strom aus erneuerbaren Energien, sind eine Schlüsseltechnologie für den Verkehr der Zukunft." Er lobte "Fahrspaß, Effizienz und Umweltfreundlichkeit" der Testwagen. Auch wichtig: Dass der Strom aus erneuerbaren Energien stammt. "Erst hierdurch werden die Elektrofahrzeuge zu wirklichen Null-Emissions-Fahrzeugen." Denn bei der Nutzung des herkömmlichen, konventionell erzeugten Stroms würden die CO2-Emissionen nur vom Verkehrssektor in den Bereich der Kraftwerke verlagert. Elektromobilität solle auch den Automobilstandort Deutschland stärken.
Die Bundesregierung fördert die Entwicklung der Elektromobilität, auch das Projekt "Mini E Berlin". BMW und der Energieversorger Vattenfall haben sich für den Alltagsversuch eines Elektro-Mini Coopers in Berlin zusammen getan. Während die bayerische Autofirma die Wagen stellt, kümmert sich das Energieunternehmen um den Strom aus erneuerbaren Quellen wie Wind- oder Sonnenenergie. Für die Stromversorgung stehen den Elektro-Minis 50 Strom-Zapfsäulen in der Hautstadt zur Verfügung. Auch RWE und Daimler bauen seit September 2008 eine Infrastruktur für Elektroautos in Berlin auf. Bis Ende 2009 sollen für 100 Elektro-Smarts 500 Stromtankstellen aufgestellt werden. VW und der Energieversorger E.ON planen ebenfalls den Probebetrieb eines elektrisch angetriebenen PKWs für den Großraum Berlin. Alles mit finanzieller Unterstützung durch die Bundesregierung.
Carl Woebcken wagt den Praxistest. Wie ist es denn nun, wenn man jeden Tag "elektronisch" unterwegs ist? Für einen der wichtigsten Männer der Filmbranche gehört ein großer Auftritt zum Job. Auch wenn das Testauto keine Limousine ist: "Der Mini E fällt auf", stellt Woebcken fest. Während andere Wagen Geräusche machen, gibt das Elektroauto keinen Ton von sich. "Es ist jedes Mal ein frappierendes Erlebnis, wenn das Auto absolut geräuschlos dahinschwebt. Ein Ruhepol mitten im Stadtverkehr."
Und wie läuft es mit dem Tanken? Der projektbeteiligte Energieversorger hat an verschiedenen Stellen Berlins Ladestationen aufgestellt. Falls es knapp wird, steckt man dort einfach das Kabel ein und tankt "grünen" Strom. "Meistens ist das Aufladen in der Stadt nicht mal nötig", sagt Woebcken. Etwa 150 Kilometer weit reiche die Batterie bei normalem Fahrverhalten.
"Einmal von Berlin nach Potsdam-Babelsberg und zurück. Eine Extrarunde ist auch noch drin, wenn man abends was essen gehen will." Maximal fünf Euro kostet eine Tankladung Strom. Über Nacht in die Ladebox in der Garage eingestöpselt, ist die Batterie schon nach drei bis vier Stunden wieder voll.
Mit dem alten Elektro-Modell, das Woebcken Mitte der 80er Jahre testete, hat der neue Testwagen nicht viel gemeinsam. "Er zieht an wie ein Sportwagen", sagt der Autofan, der auch privat einen ähnlichen Wagen fährt.
2010 startet in Berlin die zweite Testphase, für die man sich ab Herbst 2009 bewerben kann.
Fahrtechnische Daten - Der Mini E hat eine 204 PS (150kW) starke Motorisierung, die ein maximales Drehmoment von 220 Newtonmeter aktiviert. Der Wagen beschleunigt in 8,5 Sekunden von 0 auf 100 – bis zu einer elektronisch begrenzten Höchstgeschwindigkeit von 152 km/h. Moderne Lithium-Ionen-Batterien speichern den Strom an Bord. Die Reichweite des Wagens liegt bei 150 bis 170 Kilometern bei normaler Fahrt und bei 250 Kilometern bei energiesparender Fahrweise.