Mit dem Start des Gesundheitsfonds zu Jahresbeginn zahlen alle Beitragszahler den gleichen Beitragssatz in der gesetzlichen Krankenversicherung. Damit wurde im Gesundheitswesen ein neues Kapitel aufgeschlagen. Lockten die Kassen bis dahin vor allem mit niedrigen Beiträgen, hat nun verstärkt ein Wettbewerb um die höchste Versorgungsqualität, den besten Service eingesetzt. Die Gesundheitsreform wirkt.
Für die Versicherten stellen sich Fragen wie: Warum lohnt sich der Beitritt gerade in diese Krankenkasse oder rechnet sich ein Wechsel zu einer anderen Kasse? Was bietet die Kasse für mich, für meine Lebenslage und für meine Familiensituation? Gibt es besondere Chronikerprogramme? Kann mir die Kasse einen Termin beim Spezialisten vermitteln, wenn ich an einer bestimmten Krankheit leide? Welche Angebote sind vor allem für Familien attraktiv? Welche Präventionsangebote gibt es? Kann mir die Kasse Arzttermine am Samstag verschaffen?
Die Kassen entwickeln sich so zu echten Dienstleistern, die sich um die individuellen Bedürfnisse der Versicherten kümmern und bemühen müssen.
Wer die Kundenmagazine der Versicherungen aufschlägt, dem springen Botschaften von "mehr Service" ins Auge. Kein Zweifel, die Bemühungen gehen in Richtung auf ein großes "Plus" an Qualität, Service und Leistung. Denn wer den Versicherten in den Mittelpunkt stellt, hat die Nase vorn.
Dies schließt Vorsorgeangebote ebenso ein wie "Extras". Belohnt wird eine gesündere Lebensweise: zum Beispiel fördern Kassen Mitgliedschaften in Sportvereinen und Fitnessstudios. Aber zum Beispiel werden auch Heilbehandlungen finanziert, die nicht im Katalog der Regelleistungen stehen. Manche Kassen tragen auch die Kosten, wenn Eltern im Krankenhaus übernachten (Rooming-In), weil ihr Kind dort stationär gerade behandelt wird.
Auch mit eigenen Versorgungszentren werben die Krankenkassen. Ärzte, Therapeuten und andere Heilberufler arbeiten hier unter einem Dach – oft haben sie auch Sprechstunde abends und am Wochenende. Die Fachkräfte können bei der Behandlung eng zusammenarbeiten. So werden Arzneimittel besser abgestimmt und Doppeluntersuchungen vermieden. Wartezimmer mit Internetanschluss oder Lernecken für Kinder sollen die Wartezeiten verkürzen.
Für den Versicherten bedeutet der Wettbewerb, dass er genau hinschauen sollte, was die Kassen für ihn bieten. Nicht nur, um möglicherweise die Kasse zu wechseln. Sondern auch, um herauszufinden, welche besonders auf ihn zugeschnittenen Angebote seine Krankenkasse für ihn bereithält.
Um sich im Angebotsdschungel zurechtzufinden, gibt es eine Vielzahl seriöser Informationsangebote: etwa die Stiftung Warentest oder der Bundesverband der Verbraucherzentralen helfen bei dem Thema weiter. Zu einem guten Service gehört allerdings auch, dass die Kassen ihre Versicherten umfassend über ihre neuen Angebote aufklären – schon in ihrem eigenen Interesse.
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Foto: REGIERUNGonline/BMG
Um die Verbraucherinnen und Verbraucher zu ermuntern, ihre Kassen auf den Prüfstand zu stellen, hat das Bundesgesundheitsministerium eine Informationskampagne gestartet. Zusammen mit der Stiftung Warentest und den Verbraucherzentralen will es den Service- und Leistungsvergleich zwischen den Krankenkassen erleichtern. Unter dem Motto "Fragen Sie Ihre Krankenkasse!" bieten die Partner Hilfestellungen an, um sich in der Fülle der Angebote zurecht zu finden. Herzstück ist eine kleine Karte mit neun Fragen, die jeder an seine Versicherung richten kann.
Daneben gibt es eine Informationsbroschüre sowie ein umfangreiches Informationsangebot im Internet.
Natürlich hat eine gute Gesundheitsversorgung auf medizinisch hohem Niveau ihren Preis. Der Einheitsbeitrag und flexible Angebote geben aber viel Spielraum für Wettbewerb und neue Kreativität beim Anbieter. Bonusprogramme, Zusatz- und Spartarife sowie sogar "Geld-Zurück-Optionen" zeugen davon. Gutes Wirtschaften lohnt sich – für die Krankenkassen und für die Versicherten. Also: Fragen Sie Ihre Krankenkasse!
Ein weiterer Trend betrifft das Verhältnis der Kassen untereinander. Hier ist ein Konzentrationsprozess feststellbar. Die gesetzlichen Kassen fusionieren oder kooperieren, um kostengünstiger als bisher Leistungen anbieten zu können. Experten erwarten, dass die Anzahl der gesetzlichen Krankenkassen weiter sinkt. Für das Verhältnis von Verwaltungsaufwand und Versicherungsleistungen ist das tendenziell von Vorteil.