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Wasser in der Welt

Weltweit hat mehr als eine Milliarde Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Etwa 2,4 Milliarden müssen ohne sanitäre Anlagen auskommen. Das ist lebensgefährlich: Jeden Tag sterben rund 5.000 Menschen an Durchfallerkrankungen – verursacht durch verunreinigtes Trinkwasser und unhygienische Abwasserentsorgung.

Wasser ist der Schlüssel für wirtschaftliche Entwicklung – und es wird in vielen Regionen der Welt immer knapper. Bedingt durch die Erderwärmung, das Wachstum der Weltbevölkerung, zunehmende Industrialisierung und Verstädterung steigt der Wasserverbrauch der Menschen. Selbst vorsichtige Prognosen gehen davon aus, dass sich der Bedarf in den nächsten drei Jahrzehnten vervierfacht. In über dreißig Ländern vor allem Afrikas und des Nahen Ostens besteht bereits heute akute Wasserknappheit. Experten schätzen, dass im Jahr 2025 etwa 2,7 Milliarden Menschen in Regionen mit extremer Wasserarmut leben werden.

Wassermangel hat politische Ursachen

Unter Wassermangel und fehlender sanitärer Versorgung leiden vor allem die Armen. Die Probleme entstehen meist weniger durch geografische und klimatische Faktoren als vielmehr durch Missmanagement, Korruption der politisch Verantwortlichen und mangelnde Investitionen in die Infrastruktur. In der Hafenstadt Al Shehr im Jemen beispielsweise sind zwar alle Bewohner an das Wassernetz angeschlossen, doch sind die Leitungen marode. Nicht einmal zwei Drittel des kostbaren Guts kommen bei den Menschen an. Das Abwasser fließt ungeklärt ins Meer. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit hilft dabei, das Leitungsnetz zu sanieren und die prekäre Abwassersituation zu verbessern.

Wasser – Schwerpunkt der deutschen Entwicklungspolitik

Deutschland investiert jährlich rund 350 Millionen Euro in den Wassersektor von etwa 30 Ländern. Es ist damit seit vielen Jahren nach Japan und den USA der größte bilaterale Geber in diesem Bereich.

Bei allen entwicklungspolitischen Maßnahmen im Wassersektor orientiert sich die Bundesrepublik an dem vor drei Jahren international vereinbarten Leitbild des Integrierten Wasserressourcen-Managements (IWRM). Wichtige Ziele sind, Wasserressourcen nachhaltig zu nutzen und Konflikte um Wasser friedlich zu lösen.

Friedliche Kooperationen fördern

Viele Regionen mit Wasserknappheit liegen in internationalen Fluss- oder Seegebieten. Die Verschmutzung und Verknappung des Lebenselixiers verschärft zwischenstaatliche Konflikte. So gab es in der Vergangenheit immer wieder Streit zwischen den Anrainerstaaten des Nils unter anderem darüber, wer wie viel Wasser entnehmen darf. 1999 schlossen sie sich zur Nilbecken-Initiative zusammen. Ihr Ziel ist es, die Wasserressourcen gemeinsam zu nutzen und sich bei der Entnahme abzusprechen. Deutschland fördert diese grenzüberschreitende Kooperation, indem es die Akteure bei der Angleichung ihrer Wasserpolitiken berät.

Ähnliche Projekte gibt es entlang des Kongos und rund um den Tschadsee, dem größten Süßwasserreservoir in Afrika. In den letzten 40 Jahren hat der See 90 Prozent seiner ursprünglichen Fläche verloren. Schuld daran ist auch die unkontrollierte Wasserentnahme für die Landwirtschaft. Um Spannungen entgegenzuwirken, schlossen sich sechs Anrainerstaaten zu einer Kommission zusammen. Deutschland unterstützt sie bei der Erarbeitung einer  grenzüberschreitenden Managementstrategie, um der weiteren Schrumpfung des Sees entgegenzuwirken.

Hilfe zur Selbsthilfe

Ein wichtiges Ziel der deutschen Entwicklungszusammenarbeit ist die Bildung von selbständigen Institutionen, die nach den Prinzipien des IWRM arbeiten. Dabei soll stets die lokale Bevölkerung mit einbezogen werden. In Indien, wo über die Hälfte der Armen in trockenen Gebieten lebt, werden mit deutscher Unterstützung Dorfbewohner im Wassermanagement ausgebildet. Dadurch können viele Betroffene heute Wasseranlagen selbst betreiben und finanziell tragen. Dies stärkt nicht zuletzt ihren Einfluss und ihr Selbstbewusstsein.

Virtueller Wasserhandel in der Entwicklungsberatung

Die Deutsche Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH, die die Bundesregierung in der Umsetzung ihrer Entwicklungspolitik unterstützt, berät die Partnerländer dabei, wie man das Konzept des virtuellen Wassers in der Wasser- und Landwirtschaftspolitik umsetzen kann. Besonders Länder mit großer Wasserknappheit benötigen eine strategische Planungsgrundlage, auf deren Basis die Wasserallokation in die verschiedenen Sektoren und Regionen geschieht. Die GTZ berät einige wasserarme Länder des Nahen Ostens und Nordafrikas bei der Erstellung solcher Planungsgrundlagen (zum Beispiel Algerien, Tunesien und Jordanien). In Jordanien wurde gemeinsam mit GTZ-Beratern ein „Wasser Masterplan“ entwickelt. Sein Ziel: neben Versorgungssicherheit der stetig wachsenden Bevölkerung mit Trinkwasser, landwirtschaftliche Nutzflächen effizienter zu bewässern und die Wasserbilanz bis 2020 auszugleichen.

"Ein bewusster Handel mit virtuellem Wasser", so Andreas Kuck, Leiter des Kompetenz-Feldes "Wasser" in der GTZ, "ist besonders für Entwicklungsländer (zum Beispiel Südafrika, Namibia und Botswana) interessant, die einen relativ hohen Entwicklungsstand haben, und daher ökonomisch in der Lage sind, die nötigen Devisen aufzubringen, um Nahrungsmittel einzuführen und deren Volkswirtschaften nicht mehr überwiegend durch die Landwirtschaft getragen werden."

Fortschritte

Im Jahr 2000 einigten sich die Vereinten Nationen auf so genannte Millenniumsziele. Eins davon besagt, dass bis zum Jahr 2015 die Anzahl der Menschen, die keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, halbiert werden soll. "Momentan sieht es so aus, als könnte man dieses Ziel erreichen", sagt Christoph Merdes, Wasser-Referent im Bundesentwicklungsministerium. Zwischen 1990 und 2006 hätten 1,6 Milliarden Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser erhalten. Allerdings seien die Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern groß. Die Region mit den größten Fortschritten war Südasien, insbesondere Indien. Auch in Afrika südlich der Sahara konnten seit 1990 207 Millionen Menschen mit einem Trinkwasser-Zugang versorgt werden. Der Anteil stieg damit von 49 auf 58 Prozent.

Anders sieht es in der Sanitärversorgung aus. Hier reduzierte sich die Anzahl der Menschen, die keinen Zugang zu Toiletten und Abwassersystemen haben, bisher nur um acht Prozent. In Südasien etwa müssen fast zwei Drittel der Bevölkerung nach wie vor ohne Sanitärversorgung auskommen.

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