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Wie unser Wasser gewaschen wird

Trinkwasser ist in Deutschland das am besten kontrollierte Lebensmittel. Ein Blick in eine der Berliner Leitungswasser-"Küchen" – das Wasserwerk Tegel.

In den großen, drei Meter breiten Becken blubbert es braun-gelb. Weißer Schaum schwappt über die Ränder. Appetitlich sieht es nicht gerade aus, was hier im Berliner Wasserwerk Tegel aus bis zu 170 Metern Tiefe gepumpt wird. Dennoch ist diese Flüssigkeit trinkbar. Allerdings schmeckt das Wasser ziemlich rostig. Die bräunliche Verfärbung kommt durch Eisen- und Manganflocken zustande, die hier, in den Schnellfilteranlagen, entfernt werden.

Trinkwasseraufbereitung mit natürlichen Mitteln

Etwa 700 Brunnen pumpen das Trinkwasser an die Oberfläche. Dort wird es zunächst in einer Belüftungsanlage über Düsen versprüht, damit es sich mit Sauerstoff anreichert. Der Sauerstoff oxidiert mit den Eisen- und Manganverbindungen und lässt sie ausflocken. In der Schnellfilteranlage werden die Flocken dann mithilfe einer zwei Meter dicken Sandschicht entfernt. Fertig ist das Reinwasser! Nun muss es nur noch zu den Verbraucherinnen und Verbrauchern gepumpt werden.

Für die Kontrolle des Trinkwassers sind die regionalen Wasserversorger sowie die Gesundheitsämter zuständig. Allein in Berlin werden an 180 Stellen direkt monatlich Proben entnommen. Darüber hinaus bewachen Messfühler in den Wasserwerken rund um die Uhr die chemische Zusammensetzung.

Abwasseraufbereitung mechanisch ...

Saubere Flüsse und Seen sind wichtig, um die Qualität unseres Trinkwassers zu garantieren. Daher darf Abwasser aus Haushalten und Fabriken nicht ungeklärt in die Natur gelangen. Die Berliner Wasserbetriebe reinigen jeden Tag rund 620.000 Kubikmeter Abwasser. Dies wird anschließend in die Spree oder in die Havel geleitet.

Wie alle Klärwerke in Deutschland arbeitet man auch in Berlin nach einem mehrstufigen Prinzip: Zunächst wird das Abwasser in der Rechenanlage von allen groben Verunreinigungen befreit. Die trübe, grau-gelbliche Flüssigkeit fliest an engen Gittern vorbei. Diese halten Speisereste, Plastik und Hygieneartikel, manchmal auch Schmuck zurück.

Weiter geht es in den Sandfang. Er besteht aus langen Rinnen, in denen sich Sand, Kies und Steine am Boden absetzen und abgepumpt werden. Langsam strömt das Wasser nun in das Vorklärbecken. Dort sammeln sich schwimmfähige Teilchen, größtenteils Fett, an der Oberfläche und werden entfernt.

... und bio

Das mechanisch vorgereinigte Wasser fließt anschließend in die biologische Reinigungsstufe. Hier bauen Milliarden von Mikroorganismen (Einzeller) die Schadstoffe, Phosphate und Stickstoffverbindungen ab. In den großen, fünf Meter tiefen Becken blubbert es grau-braun, weißer Schaum bildet sich an der Oberfläche. Nach getaner Arbeit verbleiben die Mikroorganismen im so genannten Belebtschlamm.

"Diese Technik wurde in den letzten Jahrzehnten perfektioniert", erläutert Stephan Natz, Sprecher der Berliner Wasserbetriebe. Allerdings gebe es bestimmte Substanzen, gegen die auch die Kleinstlebewesen bisher nicht ankommen, beispielsweise einige Arzneiwirkstoffe. "Von den Tausenden von Wirkstoffen gelangt ungefähr ein Dutzend in Spuren ins Oberflächengewässer", erklärt der "Wassermann". Um auch dieser Stoffe künftig Herr zu werden, testen die Berliner Wasserbetriebe derzeit eine vierte Reinigungsstufe. Denkbar seien zum Beispiel Nano- oder Mikrofiltration, die Bestrahlung mit UV oder der Einsatz von Ozon.

Problemquelle Mensch

"Momentan sind Arzneimittelrückstände im Wasser noch kein Anlass zur Besorgnis", beruhigt Hermann Dieter, Trinkwasser-Toxikologe beim Umweltbundesamt. Allerdings könne sich dies langfristig zu einem echten Problem auswachsen, wenn jetzt nicht vorsorglich gehandelt werde. Ein Grund sei die steigende Lebenserwartung der Menschen und die Tatsache, dass immer mehr rezeptfreie Medikamente erhältlich seien. Es sei anzunehmen, dass die Menge der eingenommenen und später ausgeschiedenen Wirkstoffe zunehme. Die Pharmaunternehmen seien daher gefordert, verstärkt Produkte zu entwickeln, deren Wirkstoffe nicht ins Trinkwasser gelangen können. Aber auch die Verbraucher dürften Medikamente nicht über die Toilette entsorgen, so der Experte.

Uran im Trinkwasser – Blei in den Rohren
In einigen Gegenden Deutschlands, vor allem in Nordbayern, Baden-Württemberg und im Harz, befindet sich Uran in höheren Werten im Trinkwasser. "Werte bis zehn Mikrogramm pro Liter sind unbedenklich", sagt Hermann Dieter. Trinkwasser, das höhere Uran-Werte aufweise, solle aber mittels Ionenaustauschfilter aufbereitet werden, empfiehlt das Bundesumweltamt. Noch gibt es keinen Grenzwert für dieses Schwermetall im Trinkwasser. Das soll sich aber nach dem Willen des Bundesgesundheitsministeriums bis zum Ende des Jahres ändern. In der neuen Trinkwasserverordnung will es einen Grenzwert von zehn Mikrogramm festschreiben. Ein Problem, das dagegen immer kleiner wird, ist die Belastung des Leitungswassers durch Bleirohre. Seit 2003 sind Hausbesitzer verpflichtet, dafür zu sorgen, dass die ihnen anvertrauten Mieterinnen und Mieter einwandfreies Wasser erhalten. Ab 2013 darf ein Liter Wasser nicht mehr als zehn Mikrogramm Blei enthalten, bisher sind 25 Mikrogramm zulässig. Diesen Grenzwert könne man nur einhalten, wenn kein einziger Meter Rohr mehr aus Blei sei, so Natz. 

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