Wir haben uns daran gewöhnt, dass das durchsichtige Nass Tag für Tag zur Verfügung steht – in genügender Menge, rund um die Uhr und vor allem in hoher Qualität. Hinter dieser Selbstverständlichkeit stehen jedoch eine hohe wirtschaftliche Leistung und eine strenge Kontrolle.
Deutschland gehört zu den privilegierten Ländern, die nicht unter Wassermangel leiden müssen – im Gegenteil. Die Bundesanstalt für Gewässerkunde schätzt die Wassermenge, die in Grund- und oberirdischen Binnengewässern vorhanden ist, auf 188 Milliarden Kubikmeter. Davon sind circa 49 Milliarden Grundwasser, das sind 26 Prozent des verfügbaren Wassers.
Für die 82,5 Millionen Einwohner Deutschlands stehen rein rechnerisch ungefähr 6.241 Liter Wasser pro Kopf und Tag zur Verfügung – der gegenwärtige Verbrauch liegt bei circa 125 Liter pro Tag.
Grundwasser ist für die Trinkwassergewinnung wichtig. Fast noch unentbehrlicher scheint es für die Wirtschaft: Der Wasserbedarf der privaten Haushalte macht nur circa 16 Prozent des Gesamtverbrauchs aus, der Rest – 84 Prozent – geht in die Industrie. Davon werden gut drei Viertel von Wärmekraftwerken vor allem für Kühlzwecke entnommen. Knapp 27 Prozent benötigen Bergbau und Verarbeitendes Gewerbe für Produktionsprozesse. Die Landwirtschaft verbraucht demgegenüber nur eine kleine Menge.
Jährlich werden etwa 5,4 Millionen Kubikmeter Wasser gefördert (Stand: 2004), 74 Prozent aus Grund- und Quellwässern. Die Versorgung mit Trinkwasser übernehmen deutschlandweit über 6.700 meist kommunale Unternehmen, die aus über 18.000 Anlagen Wasser gewinnen.
Einige Bundesländer können ihren Bedarf an Wasser zu 100 Prozent aus Grundwasser decken. Andere nutzen auch natürliche oder künstliche Oberflächengewässer – also Seen, Flüssen oder Talsperren. Auch "Uferfiltrat" – Brunnen in der Nähe von Flüssen oder Seen – und künstlich angereichertes Grundwasser werden genutzt. Vor allem in Ballungsgebieten oder im Sommer übersteigt der Wasserbedarf regional das Angebot. Hier schaffen Fernleitungen den Ausgleich zwischen Mangel- und Überschussgebieten. Auch die 300 Talsperren spielen dabei eine Rolle.
Der aktuelle Qualitätsbericht des Bundesministeriums für Gesundheit und des Umweltbundesamtes belegt erneut die gute bis sehr gute Qualität des deutschen Trinkwassers. Bei den meisten mikrobiologischen und chemischen Parametern werden zu über 99 Prozent die Anforderungen eingehalten und die Grenzwerte nicht überschritten.
Zentrale Vorschrift für unser Trinkwasser ist die Trinkwasserverordnung von 2001. Sie enthält spezielle Anforderungen an die Beschaffenheit und die Aufbereitung. Vor allem enthält sie Grenzwerte für gesundheitsschädliche Stoffe – etwa für Schwermetalle, Nitrat, organische Verbindungen – und Krankheitserreger. Die Verordnung verlangt nicht nur, dass Trinkwasser gesundheitlich unbedenklich ist. Es soll auch ästhetisch ansprechen: Es muss farblos, klar, kühl, geruchlos sein und darf keinen anormalen Geschmack haben.
Die amtliche Überwachung übernehmen in der Regel die Gesundheitsämter. Die Fachaufsicht führt das jeweils zuständige Landesministerium des Bundeslandes.
Die Wasserversorger sind verantwortlich, dass im abgegebenen Wasser keine Krankheitserreger enthalten sind. Dasselbe gilt für chemische Stoffe in gesundheitsschädlichen Konzentrationen. Um die Wasserqualität sicherzustellen, untersuchen die Versorger regelmäßig das Wasser nach einheitlichen Verfahren.
Die Gesundheitsämter entnehmen zusätzliche Proben und geben sie zur Analyse weiter. Die Gesundheitsämter kontrollieren auch Hausinstallationen in öffentlichen Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten, Schulen, Krankenhäusern, Senioreneinrichtungen oder Gaststätten.
Trinkwasser sollte den Weg vom Wasserversorger zum Wasserhahn möglichst rasch zurücklegen. Oft lagert Wasser jedoch in den Hausleitungen, da nicht an allen Hähnen ständig gezapft wird.
Stagniert Wasser in der Leitung, kann es Inhaltsstoffe aus den Leitungsrohren und metallische Korrosionsprodukte aufnehmen. Das gilt unter Umständen für Blei, das bis in die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts für Wasserrohre verwendet wurde.
Nach etwas längerer Zeit können sich aber auch mikrobielle Einflüsse aus Biofilmen oder aus schwach durchströmten Winkeln des Verteilungsnetzes nachteilig bemerkbar machen – kurz: das Wasser verkeimt.
Das Umweltbundesamt empfiehlt deswegen: Trinkwasser, das mehr als vier Stunden in der Leitung gestanden hat, sollte man nicht zur Zubereitung von Speisen und Getränken verwenden. Insbesondere ist es für Säuglingsnahrung nicht geeignet.
Verwenden Sie für alle Lebensmittelzwecke frisches, nachfließendes Wasser. Das erkennt man daran, dass es etwas kühler aus der Leitung kommt als das "Stagnationswasser".
Wichtig ist auch, dass die Armaturen nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik installiert sind.
Die Gesamthärte des Wassers gibt an, wie stark das Wasser mit Calcium- und Magnesiumionen versetzt ist. Dieser Wert ist besonders bei technischen Vorgängen wichtig, da die Ionen zu Ablagerungen in Töpfen, in Maschinen und Rohrleitungen führen. Calcium und Magnesium bilden im Übrigen bei einer Zugabe von Waschmitteln schwer lösliche Kalkseifen. Das Waschmittel muss also bei einer größeren Härte des Wassers stärker dosiert werden, um die gleiche Waschwirkung zu erzielen. Die Härte des Trinkwassers kann innerhalb Deutschlands stark variieren. Welchen Härtegrad Ihr Wasser hat, erfahren Sie beim örtlichen Wasserversorger.
Wie und wo können Sie Ihr Trinkwasser untersuchen lassen? Falls es Anlass für einen begründeten Verdacht auf Grenzwertüberschreitung gibt – zum Beispiel durch Blei aus Bleirohren – oder auf vermeidbare oder unerwünschte Korrosionsprodukte oder von Verunreinigungen aus Ihrer Trinkwasser-Installation, sollten Sie hierüber das örtliche Gesundheitsamt informieren. Es kann beispielsweise dabei helfen, eine fach- und sachgerechte Überprüfung durch eine in Ihrem Bundesland akkreditierte Untersuchungsstelle zu veranlassen. Gesundheitliche Fragen zur Bewertung Ihres Trinkwassers beantwortet das örtliche Gesundheitsamt, technische Fragen Ihr Installationsunternehmen beziehungsweise der Wasserversorger.