Unsere Haut ist nicht nur die Schutzhülle unseres Körpers. Sie bildet auch eine wichtige Schnittstelle zur Umwelt. Sie reguliert unsere Körpertemperatur und ermöglicht viele Sinneswahrnehmungen. Sie ist mit etwa zwei Quadratmetern unser größtes Organ.
Durch negative Umwelteinflüsse wie Luftverschmutzung oder verstärkte Sonneneinstrahlung wird unsere Haut erheblich belastet. Darüber hinaus führen bestimmte Modetrends dazu, die Haut zusätzlich zu strapazieren, um einem bestimmten Schönheitsideal zu folgen.
So versuchen immer mehr Menschen, insbesondere Jugendliche, die begehrte Hautbräune ganzjährig zu erreichen. Immer häufigere Besuche in Sonnenstudios sind die Folge.
Der Mensch braucht die Sonne, doch nicht zu viel. Richtig dosiert, wirken sich Sonnenstrahlen positiv auf unseren Kreislauf aus. Sie regen den Stoffwechsel an und steigern unsere Vitalität. Sonne braucht unser Körper auch zur Bildung von Vitamin D3. Zusammen mit Phosphor und Kalzium ist es die Grundlage für den Aufbau und den Erhalt der Knochen. Hierfür sind jedoch bereits kleine Mengen ausreichend. Laut Meinung der Experten reichen schon 10 bis 15 Minuten Sonne pro Tag auf Gesicht und Hände aus, selbst bei bedecktem Himmel.
Doch viele Menschen setzen sich nicht nur den natürlichen UV-Strahlen zu lange aus, sie belasten die Haut zusätzlich durch künstliche Bestrahlung. Die Folge sind Sonnenbrand, frühzeitige Hautalterung und das Risiko an Hautkrebs zu erkranken.
Hautspezialisten geben deshalb den Rat, sich nur in Maßen und mit entsprechendem Schutz zu sonnen und künstliche Strahlung ganz zu vermeiden.
Derzeit erkranken in Deutschland pro Jahr etwa 140.000 Personen neu an Hautkrebs – mit steigender Tendenz. Die Neuerkrankungsrate für den besonders gefährlichen schwarzen Hautkrebs (malignes Melanom) hat sich in den letzten 20 Jahren verdreifacht.
Die Ursache für diese Entwicklung sehen Mediziner nicht nur in der natürlichen Strahlenbelastung, sondern auch im zunehmenden Besuch von Solarien mit künstlicher UV-Strahlung. Häufig werden gesundheitliche Risiken durch UV-Strahlung in Solarien aufgrund der vermeintlich wohltuenden Wirkung und Bräunung der Haut außer Acht gelassen.
Bräunung durch kommerziell betriebene oder häusliche Solarien kann die gleichen schädlichen Strahlenwirkungen hervorrufen wie eine Bräunung durch die Sonne. So kann es zu Schädigungen des Erbguts der Hautzellen kommen, was wiederum die Grundlage für das Entstehen von Hautkrebs ist. Das Risiko hängt dabei sowohl von der Häufigkeit der Solariumbesuche als auch von der jeweiligen Bestrahlungsdauer und Bestrahlungsstärke ab.
Wer auf die Sonnenbank nicht verzichten will, sollte genau prüfen, ob die Qualität stimmt.
Bereits 2002 hat das Bundesamt für Strahlenschutz einen "Runden Tisch Solarien" (RTS) eingerichtet. Beteiligt waren wissenschaftliche und staatliche Institutionen sowie Vertreter von Sonnenstudiobetreibern und Solarienherstellern. Einigkeit wurde über Kriterien für einen Mindeststandard zum Schutz vor zu hoher UV-Belastung und damit zu hohem gesundheitlichen Risiko von Solarien erzielt. Es wurde ein Verfahren für eine freiwillige Zertifizierung von Sonnenstudios vereinbart.
Im September 2007 hat das Bundesumweltministerium zusammen mit der Deutschen Krebshilfe eine Initiative gestartet. Ziel ist, Kindern und Jugendlichen, die gefährdet sind, den Besuch von Sonnenstudios gesetzlich zu verbieten. Erwachsene sollen durch Grenzwerte für die UV-Strahlung geschützt werden. Bis zum Inkrafttreten der gesetzlichen Regelung empfehlen das Ministerium und die Krebshilfe, nur Studios mit dem Qualitätssiegel "Geprüftes Sonnenstudio" zu nutzen.
Ein "Geprüftes Sonnenstudio" ist nach den Kriterien des Bundesamts für Strahlenschutz zertifiziert. Zu den Kriterien gehören definierte Gerätestandards mit begrenzter UV-Bestrahlung, Prüfungs- und Hygienevorschriften. Weiterhin werden die fachliche Qualifikation der im Kundenkontakt stehenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und der Umfang der Kundeninformation und -beratung geregelt.
Im Zeitraum Oktober/November 2008 überprüfte das Bundesamt für Strahlenschutz stichprobenartig, ob zertifizierte Sonnenstudios die Kriterien auch einhalten. Insgesamt wurden 100 der etwa 800 zertifizierten Studios in Deutschland untersucht. Nur vier erfüllten alle Anforderungen des Zertifikats.
Mängel zeigten sich vor allem in der Kundenberatung. So fehlten detaillierte Besonnungspläne sowie Hinweise auf die Einhaltung der strikt vorgegebenen Erstbestrahlungsdosis. Manche haben mit Einverständnis der Eltern auch Jugendliche unter 18 Jahren zugelassen, obwohl dies in zertifizierten Sonnenstudios untersagt ist. Die Ergebnisse der Überprüfung unterstreichen die Notwendigkeit der vom Bundesumweltministerium geplanten gesetzlichen Regelungen.