Logo der BundesregierungMagazin für Verbraucher
Die Bundesregierung informiert
Nr. 006    02/2009
4 | 15

Schwerpunkt

Seniorengerechte Produkte und Dienstleistungen

 
Einkaufen im Supermarkt ist für ältere Menschen oft eine Qual. Eine Umfrage der Verbraucherzentralen und der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) mit über 3.000 Teilnehmern ergab: Aus Sicht von älteren Kunden fehlt fachkundiges und hilfsbereites Personal. Auch Kundentoiletten und Sitzplätze zum Ausruhen werden vermisst. Ältere Kunden wünschen sich überdies kleinere Verpackungsformate und größere Kennzeichnungen. Und nicht zuletzt macht Hektik beim Bezahlen und Einpacken an den Kassen – besonders bei Discountern – vielen Senioren zu schaffen.
 
Dabei könnte man mit wenig Aufwand Abhilfe schaffen, zum Beispiel durch Aufstellen von Sitzgelegenheiten. In Kiel und Leipzig, aber auch teilweise in ländlichen Gebieten beweisen bereits einige Supermärkte speziell für Senioren, dass es besser geht. So sind beispielsweise die Preis-Etiketten extra groß gedruckt, und an jedem Regal hängt zusätzlich eine Lupe. Die Waage in der Obst- und Gemüseabteilung sagt das Gewicht an – laut und deutlich. Außerdem gibt es Sanitätsräume, in denen sich Kunden auch mal ausruhen können. Märkte mit derartiger Ausstattung erfahren bei älteren Menschen enormen Zuspruch.
 

Senioren und Technik

 
Ältere Menschen sind nicht wie die jüngeren Generationen mit dem Computer aufgewachsen. Sie erkunden neue Technik nicht so unbefangen und spielerisch wie Kinder. Messen zu diesen Themen verzeichnen einen beachtlichen Besucherandrang. So melden die fünfte Auflage der Ausstellung "Aktiv im Alter" und die "Landesgesundheitsmesse Berlin-Brandenburg" eine Rekordzahl an Ausstellern. Vom 14. bis 16. November 2008 stellten 330 Aussteller Produkte und Dienstleistungen vor, die der Förderung und Erhaltung der Gesundheit dienen oder speziell auf die Bedürfnisse von älteren Menschen zugeschnitten sind. Großen Zuspruch fanden auch Sonderschauen wie Schaukochen und gesunde Ernährung, gesunder Schlaf, Gesundheitssport und funktionale Bäder. Die nächste Messe "50+aktiv" und die Landesgesundheitsmesse Berlin-Brandenburg finden vom 2. bis 4. Oktober 2009 in Berlin statt.
 
Aber auch diverse Anbieter von ausschließlich seniorengerechten Artikeln finden sich immer häufiger auf dem Markt. Im Internet werden zum Beispiel in Seniorenshops Angebote zu den Themen Mobilität, Sehen und Hören, Alltagshilfen, Sicherheit und Technik, Entspannung und Unterhaltung vorgestellt.
 

Senioren und Kredite

 
Rentnerinnen und Rentner haben es oft nicht leicht, einen Kredit zu bekommen. Das gilt nicht nur für Immobilien, sondern auch für Konsumentenkredite, mit denen Haushaltsgeräte oder Möbel finanziert werden. Immer wieder verweigern Geldinstitute selbst kleinere Kredite. So sagen einige Banken bei Kunden ab 74 "nein" zu Kreditanfragen, andere ziehen bereits bei Personen über 64 einen Schlussstrich. Viele Banken beteuern zwar, jeden Fall einzeln zu prüfen und keine pauschale Altersgrenze zu haben. Doch hohes Alter gibt häufig den Ausschlag bei der Entscheidung über die Kreditwürdigkeit.
 
Wenn Banken Kreditwünsche aus Altersgründen ablehnen, wird meistens auf das hohe Todesfallrisiko verwiesen. Das ist jedoch nur vorgeschoben. Denn die Banken drängen ihre Kunden ohnehin zum Abschluss einer Restschuldversicherung, um die Kreditsumme im Todesfall abzusichern. Für Rentnerinnen und Rentner ist diese oft besonders teuer. Sie kostet manchmal bis zu einem Drittel der Kreditsumme.
 
Wer für eine Anschaffung spart, kommt deshalb viel günstiger davon. Wird der Kredit aber trotzdem gebraucht, sollte man sich von seiner Bank nicht einfach wegschicken lassen. Oft hilft eine Beschwerde beim Vorstand der Bank.
 
Meinungsverschiedenheiten zwischen Banken und Kunden können aber auch in einem außergerichtlichen Schlichtungsverfahren geklärt werden. Es sieht vor, dass unabhängige Ombudsmänner dabei helfen, Differenzen schnell und unbürokratisch zu bereinigen. Eine genaue Beschreibung des Beschwerdeverfahrens bietet der Bankenverband auf seiner Internetseite an. Auch die Verbraucherzentralen sind Ansprechpartner.
 

Wer hilft?

 
Zahlreiche Organisationen und Verbände haben sich der Verbraucherprobleme im Alter angenommen. So tritt die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen e.V. (BAGSO) als Interessenvertretung der älteren Generation dafür ein, die notwendigen Rahmenbedingungen für ein selbstbestimmtes Leben im Alter zu schaffen. Unter ihrem Dach sind rund 100 Mitgliedsorganisationen mit etwa 13 Millionen älteren Menschen zusammengeschlossen.
 
Die BAGSO hat unter anderem das Projekt "Fit im Alter – Gesund essen, besser leben" gestartet. Es wird vom Bundesernährungsministerium unterstützt. Hier wird in den BAGSO-Verbänden gezielt abgefragt, zu welchen Themen Informations- und Schulungsbedarf besteht. Konkrete Informationen über seniorengerechte Produkte im Alltag bietet die Broschüre "Nutzerfreundliche Produkte", die gratis bei der BAGSO bezogen werden kann. Sie wird vom Ministerium gefördert und richtet sich speziell an ältere Verbraucherinnen und Verbraucher. Die Broschüre unterstützt und berät beim Kauf bedarfsgerechter Produkte wie beispielsweise Handy, Telefon, Video- und DVD-Geräte sowie Staubsauger.
 
Die Verbraucherzentralen der Länder beschäftigen sich generell mit Verbraucherfragen von Senioren. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen bietet insbesondere einen Ratgeber an, der Senioren Schreiben und Rechnen mit dem PC nahebringt. Die PC-Schule ist so aufgebaut, dass Kapitel für Kapitel Hemmschwellen abgebaut werden.
 
Und selbstverständlich bietet das Familienministerium Informationen und Hinweise. Insbesondere die Broschüre "Alter schafft Neues" enthält konkrete Tipps für den Alltag.

Kontext

4 | 15