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Mit gutem Beispiel voran
Foto: BREMEN GEMEINSAM BEWEGEN - Bürgerstiftung Bremen
Die Bundesregierung will im Herbst 2011 einen nationalen Aktionsplan zu Corporate Social Responsibility verabschieden. Dass CSR nicht nur ein "Marketinggag" ist, zeigt Hoteldirektor Marc Cantauw aus Bremen: Für ihn ist CSR ein Beitrag zu einem besseren gesellschaftlichen Miteinander.
Corporate Social Responsibility ist heute ein gängiger Begriff: Es geht um die Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung durch Unternehmen. Im Jahr 2007 haben sich die Staats- und Regierungschefs unter der deutschen G8-Präsidentschaft darauf verständigt, CSR voranzutreiben. Das war auch für die Bundesregierung ein Anstoß, die Unternehmen zu mehr gesellschaftlicher Verantwortung anzuhalten.
Seit 2008 gibt es in Deutschland ein Nationales CSR-Forum. Dieses besteht aus 44 Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen. Das Forum berät die Bundesregierung und entwarf im April 2009 ein Gemeinsames Verständnis von Corporate Social Responsibility in Deutschland.
Mit dem gemeinsamen nationalen Verständnis von Corporate Social Responsibility soll eine verstärkte Verantwortung durch Unternehmen auf freiwilliger Basis wahrgenommen werden. Unternehmen sind danach angehalten, ihr Handeln nachhaltig im Kerngeschäft zu verankern. Ziel ist es, den Markt, die Umwelt, den Arbeitsplatz und das Gemeinwesen zukunftsfähig zu gestalten.
In dem Bericht schlägt das CSR-Forum der Bundesregierung verschiedene Handlungsfelder vor:
Damit CSR diese Wirkungen entfalten kann, braucht es in erster Linie engagierte Unternehmen und Beschäftigte, die ihre Geschäftsstrategien transparent machen. Von der Leyen zeigt sich über das bisher Erreichte optimistisch: "Ich bin beeindruckt davon, wie viele Unternehmen sich schon heute freiwillig und über das gesetzlich Geforderte hinaus engagieren."
Marc Cantauw, Leiter des balladins SUPERIOR Hotels in Bremen, will mit dem Projekt "MahlZeit" die gesellschaftlichen Verhältnisse in seinem unmittelbaren Umfeld verbessern: "Dass Kinder nichts zu essen bekommen, geht nicht!", so Cantauw. Eine Radiosendung in der Vorweihnachtszeit wirkte bei ihm als "Schlüsselerlebnis". Manche Kinder wünschten sich einfach nur eine funktionierende Heizung oder ein warmes Essen. Cantauw wollte helfen: "Nicht lange reden. Einfach machen!"
Bereits einen Monat später, im Januar 2008 fand mit der tatkräftigen Unterstützung seines Teams die erste "MahlZeit" im Bremer Stadtviertel Neue Vahr statt. Jeden Sonntag bietet das Projekt Hilfsbedürftigen eine warme Mahlzeit im Gemeindezentrum des Stadtviertels. Die Speisen und Getränke werden vom Hotel gestellt.
Neben Cantauw stemmen seine Verkaufsleiterin Ulrike Eichner, der Pastor der evangelischen Gemeinde vor Ort, Heinz-Martin Krauß und der Quartiersmanager Dirk Stöver das Projekt. Außerdem unterstützen 28 ehrenamtliche Helfer die "MahlZeit".
Als Cantauw das Projekt 2008 gründete, waren zwar zahlreiche städtische und kirchliche Hilfsprojekte vorhanden. Sie wurden aber nicht so gut angenommen. Deshalb wählte das Team einen "offenen Ansatz": Die "MahlZeit" sollte ein Gemeinschafts- und Nachbarschaftprojekt sein. Dazu öffnete die "MahlZeit" jeden Sonntag zunächst für bedürftige Kinder die Pforten. Da diese Kinder aber nicht von ihren Eltern getrennt essen sollten, dachte Cantauw gleich weiter: "Jeder soll zur „MahlZeit" kommen können." Bald wurden nicht mehr nur die Kinder, sondern auch die Eltern zur "MahlZeit" eingeladen. Mit großem Erfolg. Jeden Sonntag kommen etwa 60-80 Menschen im Gemeindezentrum des Stadtteils zu einer warmen Mahlzeit zusammen.
Den Schlüssel zum Erfolg des Projekts sieht Cantauw darin, eine Vertrauensbasis zu den Menschen zu schaffen: "Wir sind hier wie eine große Familie". Sonntags essen oftmals alle vier Mitbegründer zusammen mit den Menschen zu Mittag. Man tauscht sich über Probleme aus oder spielt mit den Kindern. Außerdem gibt es eine Kleider- und Spielzeugkammer.
"Das Projekt wurde von Anfang an gut angenommen", berichtet Cantauw erfreut. Für ihn zählt das menschliche Miteinander und das Gefühl, etwas Gutes zu tun. Für viele Familien sei es die einzige Möglichkeit in der Woche gemeinsam essen zu gehen.
Durch eine Auszeichnung der Bertelsmann Stiftung im Jahr 2009 und die zunehmende Medienberichterstattung wurden zahlreiche Bremer Bürger, aber auch Unternehmen auf das Projekt aufmerksam. Cantauw und sein Team freuen sich seither über ein hohes Maß an Unterstützung: "Wenn jeder einen kleinen Beitrag zum Fortkommen der Gesellschaft leistet, kann gemeinsam viel erreicht werden." Dieses Engagement ermöglicht weitergehende Projekte ("MahlZeit und Mehr"), die in Kooperation mit der Bürgerstiftung Bremen veranstaltet werden. Neben einem jährlich veranstalteten Fußballturnier (MahlZeit Cup) gibt es während der Sommerferien Ausflüge ins Bremer Umland (MahlZeit on Tour) oder eine Ausbildungs- und Praktikumsbörse.
Cantauw sieht das Networking verschiedener gesellschaftlicher Gruppen als wichtigen Bestandteil, damit ein solches Projekt gelingen kann: "Das, was unser Projekt ausmacht, ist der Zusammenschluss von Kirche, Stadt und Wirtschaft. Und ohne die ehrenamtliche Hilfe könnte das Projekt nicht bestehen". Wichtig ist ihm der langfristige Erfolg des Projekts. Seine Erfahrungen gibt er in Vorträgen an andere weiter. Um Nachahmung bittet er ausdrücklich.