Es ist für Professor Jürg Kramer von der Berliner Humboldt-Universität eine Art Orden, dass die Berlin Mathematical School (BMS) jährlich weit über eine Million Euro aus der Exzellenzinitiative erhält. Damit ist es dieser Graduiertenschule möglich, die besten angehenden Mathematikerinnen und Mathematiker aus der ganzen Welt nach Berlin zu holen. Etwa 60 Prozent der Mittel flössen direkt in Stipendien, erläutert er.
Die BMS ist eine von 39 Graduiertenschulen, die in den ersten beiden Runden der Exzellenzinitiative der Bundesregierung erfolgreich abschnitten. Durchschnittlich erhalten die Schulen 5,7 Millionen Euro auf fünf Jahre. Dafür bieten sie strukturierte Promotionsprogramme für den wissenschaftlichen Nachwuchs.
Die drei Berliner Universitäten gründeten die BMS vor vier Jahren. Wer an einer Hochschule besonders gute Leistungen erbringt, kann sich bei der BMS bewerben. In diesem Jahr liegen 250 Bewerbungen aus der ganzen Welt vor. Etwa dreißig davon werden erfolgreich sein. Entscheidend sind gute Noten während des Studiums und Empfehlungen von zwei Professoren.
Dabei reicht ein Bachelor-Abschluss aus. Wer mit diesem Abschluss an die Schule kommt, beginnt mit der so genannten Phase 1. In meist drei Semestern wird ein für die Promotion qualifizierender Abschluss nach amerikanischem Vorbild erreicht. Der dann etwa dreijährige Abschnitt 2 schließt mit der Promotion ab. Dabei hat man in Berlin die erste Phase so konzipiert, dass der Abschluss auch als Masterabschluss anerkannt wird.
Das Neue an Graduiertenschulen ist, dass sich nicht nur der Doktorvater um seinen Doktoranden kümmert. Zwar haben alle Studierenden von Anfang an einen persönlichen Mentor. Dieser ist aber in der Regel nicht der eigentliche Betreuer der Promotion.
Die Studierenden der BMS lernen alle Schwerpunkte der mathematischen Fakultäten der drei Universitäten kennen. Gemeinsam mit ihren Kommilitonen erarbeiten sie unterschiedliche Themen. Dabei sind auch mehrere Berliner Forschungsinstitute einbezogen, die eng mit der BMS kooperieren. Daraus entwickeln sich dann das Thema für die Doktorarbeit und der dafür am besten geeignete Doktorvater.
Sehr wichtig ist für Kramer auch das soziale Element. "Wir holen die Phase-2-Studierenden aus ihren Kämmerchen", sagt er. „Sie sind eingebunden in unser Ausbildungsprogramm mit speziellen Kursen. Sie arbeiten also nicht nur an ihrer Arbeit."
Ein besonderes Highlight sind die Freitagsvorträge, die sogenannten BMS-Fridays. Alle zwei Wochen hält eine renommierte Mathematikerin oder ein Mathematiker einen Vortrag aus ihrem oder seinem Fachgebiet. Dabei soll dieser Vortrag so ausgerichtet sein, dass alle Studierenden der BMS ihm folgen können. In Arbeitsgruppen bereiten sie sich darauf gemeinsam vor.
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Studierende an der Berlin Mathematical School (BMS)
Foto: BMS / Herschelmann
So entsteht gemeinschaftlich und unter Einbeziehung junger Menschen aus der ganzen Welt eine Elite von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Manch einer fragt sich, ob es Aufgabe des Bundes ist, so eine Elite zu fördern. Die Bundesregierung sieht dies als eine ihrer Aufgaben neben dem zentralen Anliegen, dass alle Menschen Zugang zur bestmöglichen Bildung haben sollten. Jeder soll nach seinen Begabungen und Neigungen gefördert werden. Was Deutschland für die weitere Stärkung als Innovations- und Forschungsstandort ebenfalls dringend braucht, sind herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.
Für die Förderung herausragender Fachkräfte investieren Bund und Länder daher in die Exzellenzinitiative. Das wissenschaftsgeleitete Wettbewerbsverfahren erfährt international große Anerkennung. Es gibt die drei Förderlinien Graduiertenschulen, Exzellenzcluster und Zukunftskonzepte.
Mit Exzellenzclustern sollen an den Universitäten international sichtbare und konkurrenzfähige Forschungseinrichtungen etabliert werden. Sie sollen mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen, Fachhochschulen und der Wirtschaft kooperieren. So bilden sie ein hervorragendes Umfeld für den wissenschaftlichen Nachwuchs.
"Zukunftskonzepte zum Ausbau universitärer Spitzenforschung" werden derzeit bei neun ausgewählten Universitäten besonders gefördert. Voraussetzung ist, dass eine Hochschule mindestens ein Exzellenzcluster und eine Graduiertenschule sowie eine schlüssige Gesamtstrategie für den Ausbau ihres Forschungsprofils vorweisen kann.
Nach zwei Runden startet nun die neue Ausschreibung. Um Neuanträgen und Fortsetzungsanträgen aus den ersten beiden Förderrunden eine gleichberechtigte Chance zu geben, wird das Fördervolumen um 30 Prozent auf rund 2,7 Milliarden Euro mit einer Laufzeit bis 2017 gesteigert. Voraussichtlich im Sommer 2012 wird mit einer Entscheidung über die Neu- und Fortsetzungsanträge zu rechnen sein.