Alkohol - wenn Genuss zur Sucht wird

Entspannte Musik, gut gelaunte und attraktive junge Leute, zum Beispiel auf einem Boot oder am Strand: In der Werbung treffen wir regelmäßig auf Alkohol.

Alkohol ist trendy

Oft wird mit solchen Bildern für alkoholische Getränke, etwa Mixgetränke geworben. Vermittelt werden soll, dass Alkohol einfach dazu gehört, wenn man mit Freundinnen und Freunden zusammen ist. Schon Kinder im Alter von zwölf Jahren kennen einen großen Teil der Alkoholwerbung und können die dort gezeigten Produkte zuordnen. Und die Werbung wirkt: Jugendliche, die häufig in Kontakt mit Alkoholwerbung kommen, greifen auch vermehrt zum Glas oder zur Flasche, so das Ergebnis einer Untersuchung.

Alkohol ist in unserer Gesellschaft breit verankert. Schon Kinder beobachten zum Beispiel bei ihren Eltern, dass Alkohol auf Feiern seinen festen Platz hat: Als Gegenmaßnahme bei Stress ("Auf den Schrecken trinken wir erst einmal einen Schluck"), als Belohnung ("Das hast du dir verdient") und zur Entspannung (zum Beispiel das "Feierabendbier"). Alkohol ist also in ganz vielen Lebensbereichen anzutreffen, und es scheint fast normal, mitzutrinken.

Hoher Alkoholkonsum in Deutschland

In Deutschland wurden im Jahr 2007 pro Kopf 9,9 Liter reiner Alkohol konsumiert. Bei dieser Rechnung sind auch jene Personen eingeschlossen, die gar keinen oder wenig Alkohol trinken, Kinder und ältere Menschen zum Beispiel. Das bedeutet, dass auf andere um so mehr Alkohol fällt. Im internationalen Vergleich liegt der Verbrauch damit im oberen Drittel.

Insgesamt wurden 141,6 Liter an alkoholischen Getränken umgesetzt. Mit 111,7 Litern macht Bier den größten Anteil in dieser Gesamtmenge aus, es folgen Wein mit 20,6 Litern, Spirituosen mit 5,6 Litern und Schaumwein mit 3,7 Litern.

Nahezu alle Jugendlichen – 93 Prozent der 16- bis 17-jährigen und 97 Prozent der 18- bis 25-jährigen – haben schon einmal Alkohol getrunken. Im Schnitt trinken männliche Jugendliche mehr und häufiger als Mädchen beziehungsweise Frauen. Im Jahr 2007 sind in Deutschland 23.165 Jugendliche aufgrund einer Alkoholvergiftung in einem Krankenhaus stationär behandelt worden. Damit ist diese Gruppe in den letzten Jahren immer größer geworden.

Gefahr durch "Binge Drinking"

Besonders riskant ist das schnelle Trinken von großen Alkoholmengen in kurzer Zeit. Oft wird auch der englische Begriff "Binge Drinking" verwendet. Übersetzt bedeutet das, sich mit etwas "voll zu stopfen" beziehungsweise "voll zu schütten". Der Alkohol benötigt eine gewisse Zeit, um vom Körper aufgenommen zu werden – 60 bis 90 Minuten nach dem letzten Schluck hat sich der Alkohol im gesamten Organismus verteilt. Wenn in dieser Zeit sehr viel getrunken wird, zum Beispiel bei einem so genannten Trinkspiel, wird das Warnsystem damit sozusagen überlistet. Den aufgenommenen Alkohol registrierst man dann verspätet und mit einem Schlag. Dann kann es schon zu spät sein, um noch gegenzusteuern.

Jeder fünfte Jugendliche hat in den letzten 30 Tagen das "Binge Drinking" praktiziert, dass heißt es wurden bei einer Trinkgelegenheit fünf oder mehr Gläser Alkohol getrunken. In Gesellschaften, in denen viel Alkohol getrunken wird, gibt es, statistisch gesehen, auch einen höheren Prozentsatz an Menschen, die alkoholabhängig sind oder "Alkoholmissbrauch betreiben".

Vorsicht bei Mixgetränken!

Besondere Aufmerksamkeit sollte dem Konsum von Mixgetränken gelten. Biermixgetränke oder alkoholische Mischgetränke überdecken durch den Zusatz süßer Limonade den alkoholbedingten Bittergeschmack. Ihr Alkoholgehalt beträgt durchschnittlich zwischen 5,0 und 6,0 Promille. Mehr als in vielen Biersorten. Dieser Alkoholgehalt wird dadurch erreicht, dass ein hochprozentiger Alkohol (zum Beispiel Wodka mit 40 Volumenprozent Alkohol) mit einem nicht-alkoholischen Getränk gemischt wird.

Diese Mixgetränke schmecken süß und leicht. Zudem sehen sie meist wie harmlose Fruchtlimonaden aus. Dabei haben sie es in sich. Zwei Flaschen Biermixgetränke enthalten so viel Alkohol wie 3 Schnäpse. Dagegen werden Mixgetränke in der Werbung als leichte und harmlose Drinks dargestellt werden, die man schon tagsüber konsumieren kann.

Mixgetränke gelten als trendy – auch hier hat die Werbung mitgewirkt. Bei Mixgetränken fällt es schwer, einen Überblick über den aufgenommenen Alkohol zu behalten. Mixgetränke haben es aber auch in einem anderen Sinne in sich: Sie haben einen hohen Kaloriengehalt und machen dick. Eine Flasche Alcopops à 0,33 Liter hat ungefähr 200 Kalorien, also fast so viel wie eine kleine Portion Pommes Frites.

Alkoholkonsum mit Folgen

Schätzungen zufolge führt riskanter Alkoholkonsum beziehungsweise Alkoholkonsum in Kombination mit dem Risikofaktor Rauchen in Deutschland zu etwa 74.000 Todesfällen pro Jahr. Das sind über 200 Menschen am Tag. Im Jahr 2008 wurde bei 48.226 Unfällen Alkohol festgestellt. In 6.981 Fällen kam es zu Schwerverletzten, 523 Menschen wurden durch Alkoholunfälle getötet.

Alkohol spielt bei auch vielen Straftaten eine Rolle, entweder als (Mit-) Ursache oder negativer Begleitfaktor. So weist die Polizeiliche Kriminalstatistik des Bundeskriminalamtes für das Jahr 2007 einen Anteil von 12,3 Prozent aller Tatverdächtigen als "alkoholbeeinflusst" aus. Bei bestimmten Delikten liegt dieser Prozentsatz deutlich höher, etwa bei Sachbeschädigung (25,6 Prozent).

"Saufen" gefährdet die Gesundheit

Fast jeder, der schon einmal über sein Limit getrunken hat, kennt die Folgen am nächsten Morgen: Übelkeit, Kopfschmerzen und ein fieses trockenes Mundgefühl erinnern an den Abend davor. Jetzt haben Wissenschaftler aus den USA Hinweise dafür gefunden, dass durch intensiven Alkoholkonsum die Immunabwehr deutlich geschwächt wird – und das für mindestens 24 Stunden nach dem letzten Glas.

Dieses Ergebnis konnte in zwei parallel durchgeführten Experimenten gezeigt werden: In dem einen Fall wurde Mäusen Alkohol in Form von Ethanol (trinkbarer Alkohol) zugeführt. Der zweite Versuch wurde im Reagenzglas umgesetzt. Der Alkohol führte in beiden Fällen zu einer Schwächung der so genannten Zytokine. Das sind Proteine, die die Immunabwehr mit aktivieren und steuern. Die negativen Effekte blieben auch dann noch beobachtbar, wenn der Alkohol bei den Mäusen bereits abgebaut war.

Die beiden Forscher Stephen Pruett vom College of Veterinary Medicine an der Mississippi State University und Ruping Fan von der Louisiana State University schließen aus ihren Befunden, dass durch die herabgesetzte Immunabwehr die Wahrscheinlichkeit zum Beispiel einer Infektion erhöht ist. Der Zeitraum, in dem der Körper anfälliger für Krankheiten ist als sonst, wird auf mindestens 24 Stunden geschätzt, kann also noch bedeutend länger sein.

Rechtzeitig Grenzen ziehen

Wo fängt Alkoholmissbrauch an? Und wann ist jemand abhängig? Auf diese Frage lässt sich keine einfache Antwort finden, die für jeden Menschen gleichermaßen gilt. Der Übergang von einem Alkoholmissbrauch zu einer Abhängigkeit beziehungsweise Sucht ist fließend. In beiden Fällen wird beispielsweise der Konsum fortgesetzt, obwohl es eindeutig zu Schäden kommt. Kinder und Jugendliche sind besonders gefährdet: Die Entwicklung der menschlichen Organe dauert bis über das 20. Lebensjahr hinaus an. Das Zellgift Alkohol kann hier einen viel größeren Schaden bewirken als bei Erwachsenen. Besonders betroffen ist das Gehirn: In einer Studie konnte nachgewiesen werden, dass durch hohen Alkoholkonsum im Jugendalter vor allem eine Hirnregion beeinträchtigt wird, die mit Lernen und Gedächtnis zu tun hat. Die auftretenden Störungen sind oft nicht umkehrbar. Aus diesem Grund gibt es für Jugendliche keine Grenzwerte für risikoarmen Alkoholkonsum.

Für gesunde Erwachsene wurden Obergrenzen festgelegt, die auf aktuellen medizinischen Studien basieren. Für Frauen liegt der Grenzwert bei 12 Gramm und für Männer bei 24 Gramm reinem Alkohol pro Tag. Allerdings sollte an mindestens 2 Tagen pro Woche gar kein Alkohol konsumiert werden – das gilt gleichermaßen für Frauen und Männer. Innerhalb dieser Trinkmengen und -häufigkeiten spricht man von einem risikoarmen Konsum. Wer regelmäßig Alkohol trinkt, gewöhnt sich schnell an seine Wirkung.

Kein Alkohol in der Schwangerschaft, der Stillzeit und im Job

In der Schwangerschaft und der Stillzeit sollte immer auf Alkohol verzichtet werden, denn das Kind trinkt mit. Es gibt hier auch keinen risikoarmen Konsum. Der Alkohol wird von dem Körper des Embryos aufgenommen und dort abgebaut.

Auch am Arbeitsplatz, im Ausbildungsbetrieb und in der Schule schränken bereits geringe Alkoholmengen die Wahrnehmung und das Reaktionsvermögen erheblich ein. Die Risikobereitschaft nimmt gleichzeitig zu. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit für Arbeitsunfälle. Deshalb gilt auch hier: Null Promille!

Werden Medikamente eingenommen, können diese bei gleichzeitigem Alkoholgenuss zu gefährlichen Wechselwirkungen führen. Außerdem wird der kranke Körper zusätzlich geschwächt.

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