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Wer sich auf ältere Kunden einstellt, ist gut beraten
Foto: picture-alliance/ ZB
"Die wichtigsten Kunden haben in Zukunft graue Haare". So könnte man die Fachtagung "Zukunftsmarkt Alter" untertiteln, die am 6. Oktober 2009 im Haus der Wirtschaft in Stuttgart stattfand.
Eingeladen zu der Veranstaltung hatten die Initiativen "Erfahrung ist Zukunft" und "Wirtschaftsfaktor Alter" der Bundesregierung. An ihr nahmen rund 130 Vertreterinnen und Vertreter aus Unternehmen, Verbänden und Wissenschaft sowie Medienvertreter teil. Inhaltlich standen im Mittelpunkt vor allem die Chancen der demografischen Entwicklung für den Handel.
Laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung verfügen die über 60-Jährigen über eine Kaufkraft von 316 Milliarden Euro. Allein auf Baden-Württemberg entfallen 400 Millionen Euro. Auf dieses Potenzial wies Prof. Dr. Claudia Hübner, Staatsrätin für Demographischen Wandel und Senioren im Staatsministerium von Baden-Württemberg, in ihrer Begrüßung hin: "Ältere sind ein bedeutender Zukunftsmarkt für Baden-Württemberg. Unternehmen, die sich heute nicht darauf einstellen, verschlafen die Zeichen der Zeit."
Denn: Während der landesweite Anteil über 60-Jähriger an der Gesamtbevölkerung heute 25 Prozent beträgt, werden es 2050 laut Statistischem Landesamt Baden-Württemberg 40 Prozent sein. Bundesweit wird ihr Anteil dem Statistischen Bundesamt zufolge bei 38 Prozent liegen.
Demografie
Zwischen dem 17. und dem 20. Jahrhundert stieg die Lebenserwartung der Menschen in Deutschland um zwölf Jahre. Weitere zwölf Jahre sind seit Anfang der 1950er Jahre, also in nur gut zwei Generationen, hinzugekommen. Dieser Zugewinn an Lebenszeit ist in unserem Bewusstsein, in unserem Verhalten und in unserer Gesellschaft noch nicht richtig ankommen.
"Unternehmen werden doppelt mit dem demografischen Wandel konfrontiert. Ihre Belegschaft wird älter, ebenso die Kundschaft." Darauf müsse sich der Handel einstellen, so Alwin Proost vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. "Ältere konsumieren anders als Jüngere, aber beide profitieren von generationengerechten Produkten und Dienstleistungen." Über entsprechende Innovationen informieren die Initiativen "Erfahrung ist Zukunft" und "Wirtschaftsfaktor Alter".
Einzelhandelsunternehmen aus der Region nutzten die Fachtagung, um zu demonstrieren, dass es gar nicht so schwierig ist, ältere Kundinnen und Kunden anzusprechen. Dafür wurden zahlreiche Beispiele vorgestellt: Größere Preisauszeichnungen, richtige Beleuchtung, mehr Sitzgelegenheiten im Verkaufsraum oder breitere Gänge. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die selbst über 50 sind, schaffen Vertrauen bei der älteren Kundschaft und erleichtern ihr das Einkaufen.
Wer ältere Kunden jedoch nur auf treue Kundschaft für Treppenlifte, Rheumadecken, Gehhilfen und Stützstrümpfe reduziert, verliert an Wettbewerbsfähigkeit und büßt einen wichtigen zukünftigen Marktanteil ein. Wie erfinderisch Industrie und Handel heute bereits sind, zeigen anspruchsvollere Entwicklungen für die grauhaarige Kundschaft. Was vor Jahren noch unvorstellbar war, gibt es heute bereits: GPS-Navigationssysteme für den Rollator, Herde, die sich ausschalten, wenn man Haus oder Wohnung verlässt, oder ein I-Phone, das den Herzschlag überwacht.
Die Fachtagung war Teil einer bundesweiten Veranstaltungsreihe der Initiative "Erfahrung ist Zukunft" der Bundesregierung. Als nächstes findet am 12. November 2009 in Schwerin der Workshop "Wirtschaft im demografischen Wandel" statt.
"Erfahrung ist Zukunft“ ist eine Initiative der Bundesregierung mit Partnern aus Wirtschaft und Gesellschaft. Sie wurde 2006 von Bundeskanzlerin Angela Merkel ins Leben gerufen. Die Initiative will die Herausforderungen des demografischen Wandels bewusst machen und für ein neues Bild des Alters und des Alterns werben. Anliegen ist, die Perspektiven einer älter werdenden Gesellschaft aufzuzeigen und gemeinsam die notwendigen Veränderungen voranzubringen.
www.erfahrung-ist-zukunft.de
„Wirtschaftsfaktor Alter“ ist eine gemeinsame Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie. Sie zielt sowohl darauf, die Lebensqualität älterer Menschen zu erhöhen als auch darauf, Wirtschaftswachstum und Beschäftigung zu fördern. Die Initiative verbindet Senioren-, Wirtschafts- und Verbraucherpolitik. Sie greift Erfahrungen, Anliegen und Wünsche der älteren Generation auf und macht gleichzeitig Unternehmen auf die ökonomischen Chancen des demografischen Wandels aufmerksam.
www.wirtschaftsfaktor-alter.de