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Arbeitskreis Älterer erhalten und fördern
Foto: Erfahrung ist Zukunft
Die Inhaber der Bäckerei Böhmer legen viel Wert auf ihre älteren Beschäftigten. Damit Arbeitskraft und Motivation aller Angestellten lange erhalten bleiben, setzen die Besitzer auf ein angenehmes Betriebsklima und präventive Maßnahmen zum Gesundheitsschutz.
Die Bäckerei Böhmer aus Dortmund ist ein wirkliches Familienunternehmen. Seit 1981 betreibt das Ehepaar Adelheid und Udo Ruhl die Bäckerei mit insgesamt acht Verkaufsstellen und 45 Angestellten. Gegründet wurde die Bäckerei 1954 von Ewald Böhmer, dem Vater Adelheid Ruhls. Und auch die vier Kinder der Ruhls arbeiten heute im Betrieb ihrer Eltern mit. Tochter Karolina und Sohn Tobias übernehmen in wenigen Jahren die Bäckerei Böhmer. "Das passiert jedoch nicht so abrupt, sondern sanft. Meine Prämisse ist es, so lange wie möglich im Betrieb zu bleiben, aber nicht mehr mit so vielen Stunden", sagt Adelheid Ruhl. Sie ist für die Geschäftsleitung, die Logistik und das Marketing verantwortlich, während ihr Mann als Bäckermeister für die Produktion zuständig ist.
Sowohl das Handwerk als auch der Verkauf der Bäcker- und Konditoreiwaren erfordern eine hohe körperliche Belastbarkeit. "Wir haben viele Leute mit Rückenproblemen, weil es im Verkauf und auch in der Produktion sehr viele einseitige Bewegungen gibt. Ich merke das mit meinen vier Jahrzehnten Betriebszugehörigkeit auch und kann gut nachvollziehen, wie es älteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geht", so die Inhaberin.
Damit die hohen Belastungen bestmöglich abgefedert werden können, versuchen die Besitzer der Bäckerei, ihren Angestellten in vielerlei Hinsicht entgegenzukommen. So planen sie etwa die Dienstpläne einen Monat im Voraus und berücksichtigen individuelle Wünsche der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach freien Tagen. Außerdem kommt die Chefin den besonderen Fähigkeiten und persönlichen Vorlieben der Beschäftigten durch einen optimalen Arbeitseinsatz entgegen. Es gebe Tätigkeiten, die einfach gemacht werden müssten und wo man nicht immer Rücksicht auf die individuelle Motivation nehmen könne, so Adelheid Ruhl. "Entscheidend ist es aber, das Personal effizient einzusetzen und Zufriedenheit zu schaffen. Die Zufriedenheit ist mein größtes Anliegen. Ich bin von morgens bis abends im Betrieb und das sieben Tage in der Woche und da möchte ich ein harmonisches Umfeld haben." Und das merken dann auch die Kunden: "Wir werden sehr gelobt, was für ein tolles, freundliches und zuvorkommendes Personal wir haben. Die jüngere Kundschaft ist nicht immer so darauf aus, persönlich bedient zu werden. Die Leute ab 40 Jahren, die fühlen sich aber besser beraten", so Frau Ruhl.
Für den Gesundheitsschutz der Beschäftigten reichen Zufriedenheit und Mitsprache bei der Arbeitszeitgestaltung allein allerdings nicht aus. Ergonomisch optimal abgestimmte Arbeitsbereiche und entlastende Hilfsmittel sind zusätzlich notwendig. Aus diesem Grund hat sich die Bäckerei Böhmer von einer Krankenkasse professionell beraten lassen. Neben einer Fragebogenaktion und persönlichen Gesprächen wurden von den Experten der Krankenkasse auch aufwendige Videoaufnahmen von jedem Beschäftigten bei der Ausübung seiner Tätigkeiten gemacht. Dies alles diente der Analyse der tatsächlichen Arbeitsbedingungen und war Ausgangspunkt für präventive Gesundheitsmaßnahmen.
Adelheid Ruhls persönliche Spezialität ist die Konditoreiberatung. "Die individuelle Kundenberatung ist mein Hobby im Beruf, meine Leidenschaft. Ihnen die ganz besondere Torte für den ganz besonderen Anlass zu empfehlen, was auch immer sie möchten. Denn wir haben nicht die Torte, die gibt es meistens nur einmal", sagt Adelheid Ruhl. Ihr Tonfall verrät, dass sie jetzt in ihrem besonderen Element ist: "Das macht mir einfach Freude!"
So sehr sie das Backhandwerk und die Produkte mit Überzeugung vertritt, so sehr missfällt es ihr, dass in unserer heutigen Konsumgesellschaft so viele Lebensmittel weggeschmissen werden: "Wertvolle Rohstoffe werden verschwendet, wo doch gleichzeitig viele Menschen in der Welt Hunger leiden." Zwar gibt die Bäckerei überschüssige Ware an die "Tafeln" ab. Dennoch hält Adelheid Ruhl es für notwendig, das Bewusstsein der Menschen für dieses Thema noch zu erhöhen. Wenn sie einmal weniger im Betrieb sein wird, kann sie sich gut vorstellen, sich freiwillig auf diesem Gebiet zu engagieren.