Schweinegrippe

Impfstoffe gegen die saisonale Grippe und gegen die 'Schweinegrippe' – was sind die Unterschiede?

 Auswertung eines Tests auf die Wirksamkeit der Influenza-Impfstoffe
Paul-Ehrlich-Institut prüft den Influenza-Impfstoff
Foto: Paul-Ehrlich-Institut

Von Dr. Susanne Stöcker, Pressesprecherin des Paul-Ehrlich-Instituts

Die Zulassung, Herstellung und Anwendung von Impfstoffen gegen die pandemische Influenza (H1N1) 2009 ("Schweinegrippe") beruht auf der jahrzehntelangen Erfahrung mit saisonalen Grippeimpfstoffen. Verglichen mit diesen gibt es jedoch einige Unterschiede.

Hier die Wichtigsten: 

  • In saisonalen Grippeimpfstoffen sind drei verschiedene Influenzaviren (Stämme) enthalten, im Impfstoff gegen die Schweinegrippe nur ein Stamm.
  • Der Impfstoff gegen die Schweinegrippe enthält sehr viel weniger Antigen (Wirksubstanz) als die saisonalen Impfstoffe, denn man will und muss in kurzer Zeit sehr viele Impfstoffdosen produzieren können.
  • Der Impfstoff gegen die Schweinegrippe enthält als Ausgleich für die geringe Antigenmenge einen Immunverstärker, der dem Immunsystem hilft, auf die geringe Menge seinen 'Feindes' zu reagieren. Gleichzeitig hat das den Vorteil, dass auch leichte Veränderungen (Mutationen), die das Virus durchmacht, die Wirksamkeit des Impfstoffs nicht einschränken. Es gibt derzeit nur einen saisonalen Impfstoff (für Menschen über 65), der ebenfalls einen solchen Verstärker enthält.
  • Der saisonale Impfstoff muss jedes Jahr nur einmal verimpft werden. Um gegen ein neues Virus wie das neue H1N1 (2009)-Virus überhaupt eine ausreichende Schutzwirkung erzielen zu können, ist es notwendig, die Menschen zweimal zu impfen, wie man es von der Grundimmunisierung von kleinen Kindern kennt (auch für saisonale Influenza). 

Was die reine Herstellung angeht, gibt es kaum Unterschiede.

Zusammenarbeit mit der WHO

Um mit der Produktion der Impfstoffe beginnen zu können, werden zunächst von internationalen Kooperationszentren der WHO aus den festgelegten Virusstämmen (dem pandemischen H1N1-Stamm) Saatviren entwickelt. Saatviren sind vermehrungsfähige Grippeviren (Impfviren), die für die Produktion von Grippeimpfstoffen geeignet sind. Diese Saatviren müssen zwei Eigenschaften miteinander verbinden: die gute Vermehrung im Brutei oder in Gewebekulturzellen und die Übereinstimmung mit den besonderen Virusbestandteilen der zirkulierenden Grippeviren (dem eigentlichen Antigen). Schließlich müssen sie in ihren krankmachenden Eigenschaften (Pathogenität) abgeschwächt sein.

Die Dauer der Saatvirenherstellung ist abhängig vom verwendeten Herstellungsverfahren. Ein gängiges Verfahren zur Herstellung geeigneter Saatviren mit den oben beschriebenen Eigenschaften ist zum einen die klassische Methode der Herstellung von Mischviren in bebrüteten Eiern. Hier entstehen nach einer gleichzeitigen Doppelinfektion mit dem neuen Virusisolat (Wildvirusstamm) und einem an das Ei angepassten Stamm mit guten Wachstumseigenschaften neue Mischviren. Das Mischvirus, das die gewünschten Eigenschaften hat, wird spezifisch herausgefiltert, vermehrt und anschließend seine Eigenschaften überprüft. Eine andere Möglichkeit ist der gezielte Zusammenbau mit Hilfe molekulargenetischer Methoden. Beide Verfahren sind relativ zeitaufwändig und können bis zu zwölf Wochen dauern, da die krankmachende Fähigkeit (Pathogenität) dieser Saatviren im Tierversuch überprüft werden muss. Viren, die mit Hilfe molekulargenetischer Methoden hergestellt werden, sind zudem gentechnisch veränderte Organismen (GVO), so dass die Impfstoffproduktion mit diesen Viren besonderen Sicherheitsbestimmungen unterliegt und nicht in allen Produktionsanlagen möglich ist.

Die Saatviren werden den Herstellern zur Verfügung gestellt, die damit in zwei bis drei Schritten eine ausreichend Produktionsmenge an Viren herstellen, mit denen sie Hühnereier oder Gewebekulturzellen beimpfen können und darin die Viren zu vermehren. Anschließend werden die Viren isoliert, abgetötet, aufgereinigt und aufgespalten. Daraus wird der eigentliche Impfstoff hergestellt. Einige Impfstoffe enthalten nur das gereinigte Hämagglutinin (H), auf das das Immunsystem reagieren soll, andere eine Mischung von Oberflächeneiweißen. Entscheidend für die Wirksamkeit ist die Menge an Hämagglutinin pro Impfdosis.

Bei den saisonalen Impfstoffen wird dann bei der so genannten Stammanpassung überprüft, ob die Hersteller in der Lage sind, diese (neu zusammengesetzten) Impfstoffe konsistent, also in immer gleichbleibender Qualität herzustellen. Außerdem gibt es klinische Studien mit wenigen hundert Teilnehmern, um zu bestätigen, dass die Dosis optimal ist.

Frühzeitige Vorbereitung zahlt sich aus

Um im Fall einer Pandemie sehr schnell mit der Impfstoffproduktion beginnen zu können, hat man schon zu Zeiten der Vogelgrippe Impfstoffe entwickelt, die als 'Muster' für den späteren Pandemie-Impfstoff wirken können. Mit einem H5N1-Stamm als Antigen wurde ein normales Zulassungsverfahren einschließlich klinischer Prüfungen mit mehreren tausend Teilnehmern durchlaufen. Diese klinischen Prüfungen zeigen die Wirksamkeit und Verträglichkeit der Impfstoffe. Die Zulassung für diese Impfstoffe hat die EU-Kommission erteilt, denn sie sollten in allen europäischen Mitgliedsstaaten gelten.

Daher kann man mit diesen Musterimpfstoffen nun auch eine normale Stammanpassung durchführen: der bei der Musterzulassung enthaltene H5N1-Virusstamm wird ausgetauscht gegen den pandemischen H1N1-Stamm und entsprechend überprüft.

Die Vorbereitungen sind sehr gut gelaufen. Bereits Ende Mai konnten die ersten Saatviren von den WHO-Kooperationszentren an die Hersteller verteilt werden. So werden in Deutschland Ende September die ersten Impfstoffdosen gegen die Schweinegrippe zur Verfügung stehen können. Danach wird dann kontinuierlich weiterproduziert, während die Impfungen laufen.

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