Wie können die Chancen von Alleinerziehenden auf dem Arbeitsmarkt erhöht werden? Was hilft, Familie und Beruf besser miteinander zu verbinden? Der Europäische Sozialfonds (ESF) hat einen Ideenwettbewerb durchgeführt und 79 Projekte ausgewählt, die Antworten auf diese Fragen geben wollen. Für die Förderung stehen dieses Jahr insgesamt 60 Millionen Euro aus ESF- und Bundesmitteln zur Verfügung. Die Kommunale Arbeitsförderung Ortenaukreis (KOA) ist einer der ausgewählten Projektträger.
Der Ortenaukreis bekommt eine Million Euro und möchte damit Alleinerziehende bei der Rückkehr in den Beruf unterstützen. Insgesamt gibt es im Kreis rund 1.700 Alleinerziehende – davon 98 Prozent Frauen.
Als Ziele nennt die Projektverantwortliche Claudia Zurmühl, den Frauen eine intensivere und passgenaue Hilfestellung zu geben: „In Zukunft wird sich ein Betreuer um höchstens 60 Frauen kümmern. Dies ist eine überschaubare Anzahl und schafft die Möglichkeit, das ganze Leben und Umfeld der Frauen in den Blick nehmen zu können.“ Dies sei eine Reduzierung um die Hälfte der betroffenen Frauen, ergänzt Zurmühl.
Besonders im Fokus stehen alleinerziehende Frauen mit Kindern unter drei Jahren, denen der Einstieg in den Arbeitsmarkt erleichtert werden soll. „Durch geeignete Fortbildungs– und Umschulungsmaßnahmen sowie Coachings und Beratungen kann dieses Ziel erreicht werden“, so Claudia Zurmühl. Darüber hinaus umfasst das Konzept auch Maßnahmen zur Verbesserung der Berufsorientierung und Berufswahl für besonders junge Mütter, die nach längerer Pause wieder Anschluss an das Berufsleben finden wollen.
Dafür werden geschulte Ansprechpartner bereitgestellt. Durch intensive persönliche Gespräche sollen sie Probleme der Frauen erkennen und Lösungsvorschläge für die Verbesserung der Lebenssituation geben.
Die Maßnahmen des Kommunalen Arbeitskreises zielen vorrangig auf Berufseinsteigerinnen, Wiedereinsteigerinnen, Alleinerziehende und Frauen mit Migrationshintergrund ab. Was sich Hilfebedürftige von dem Projekt des Kommunalen Arbeitskreises erwarten, ist vielfältig.
Die 22-jährige Anja S. erhofft sich durch das Projekt einen unkomplizierten Wiedereinstieg in das Berufsleben. Sie ist alleinerziehende Mutter eines neunjährigen Sohnes und einer zweijährigen Tochter. „Ich denke, es sollten mehr Frauen die Chance bekommen, sich bei solchen Projekten zu orientieren und einen beruflichen Neuanfang zu finden“.
Hauptursache für Schwierigkeiten eines Wiedereinstiegs sei der Mangel an Betreuungsmöglichkeiten für die Kinder. Für Svenja B., 26 Jahre, war das der Anlass für ihre Auszeit nach der Geburt ihrer Kinder: „Vier Jahre wusste ich nicht, wie mein beruflicher Weg weitergehen sollte. Ich hatte große Sorge, meine Kinder und den Job nicht vereinen zu können“.
Besonders junge Mütter, die keinen Schulabschluss vorweisen können, haben es schwerer, im Berufsleben Fuß zu fassen. Aus diesem Grund sollen gezielt Maßnahmen gefördert werden, die dazu beitragen, dass Alleinerziehende Abschlüsse nachholen können und die Betreuung ihrer Kinder während dieser Zeit gesichert ist.
Die 19-jährige Sabrina R. gehört zu den jüngsten alleinerziehenden Müttern im Ortenaukreis. Auch sie erhofft sich eine auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Hilfestellung bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz und einer Betreuungsmöglichkeit für ihren dreijährigen Sohn. „Durch das Projekt erhoffe ich mir umfassende Hilfe bei der Berufsfindung. Unterstützung und Akzeptanz ist besonders für mich als junge Mutter sehr wichtig“.
Eine weitere Zielgruppe sind Frauen, die nach einer längeren Familienpause wieder ins Berufsleben einsteigen wollen. Bei ihnen sollen insbesondere Kenntnisse und Erfahrungen hervorgehoben werden, die sie sich während der Elternzeit aneignen konnten. „Niemand kann so gut organisieren, wie eine alleinerziehende Mutter. Dieses enorme Potenzial muss genutzt werden“, sagt Claudia Zurmühl. Dies soll durch EDV-Kurse, Bewerbungstrainings und Motivationskurse geschehen.
Zur Erhöhung der Chancengleichheit von Frauen bei der Eingliederung in die Arbeitswelt bietet die Kommunale Arbeitsförderung zusätzlich Kurse für Migrantinnen. Dort lernen die Teilnehmerinnen Deutsch, erfahren viel über die deutsche Kultur und welche Fördermöglichkeiten es gibt, um ihre Fähigkeiten auszubauen.
Bis einschließlich 2012 können die Betreuungsleistungen der speziell geschulten und persönlichen Ansprechpartner ausgebaut werden. Ab dem Förderjahr 2010 besteht die Möglichkeit einer weiteren zweijährigen Förderung, sofern sich die Projekte bewähren. Für diese erneute Förderung stehen jährlich bis zu 167.000 Euro zur Verfügung.
Die Geschäftsstelle „Europäischer Sozialfonds“ ist bei der Kommunalen Arbeitsförderung des Ortenaukreises eingerichtet und erteilt Auskünfte zur regionalen Arbeitskreisstrategie unter Telefon: 0781 – 805 9392 oder im Internet unter: www.koa-ortenau.de