Eine interessante Zeichnung ziert den Bauzaun am geplanten Neubau der Anna-Seghers-Schule. Etwas eckig sieht das Gebäude darauf aus, aber ganz raffiniert, mit großen Fenstern. Und mit einem Klassenzimmer, das über dem Erdboden zu schweben scheint. Unter der Zeichnung steht „Wir bauen Zukunft“ – der Slogan des Konjunkturpakets II. Daneben der Bundesadler. Auch der Berliner Senat ist mit dem stilisierten Brandenburger Tor vertreten. Denn hier entsteht eine Modellschule im Berliner Gemeinschaftsschulprogramm.
Gemeinschaftsschulen sind Schulen, in denen Kinder und Jugendliche von der 1. bis zur 10. Klasse oder bis zum Abitur gemeinsam unterrichtet werden. Dabei sollen soziale, kulturelle oder ethnische Herkunft sowie Geschlecht, Religionszugehörigkeit oder eine Behinderung keine Rolle spielen. Der Berliner Senat probiert dieses Modell seit Beginn des Schuljahres 2008/09 aus. 14 Schulen oder Schulverbünde beteiligen sich daran.
Es liegt auf der Hand, dass die räumlichen Bedingungen einer herkömmlichen Gesamtschule wie der Anna-Seghers-Schule nicht ausreichen. Bisher besuchten Schülerinnen und Schüler ab der 7. Klasse die Schule. Nun werden künftig auch Erstklässler aufgenommen: eine pädagogische Herausforderung. Aber dafür müssen die Räumlichkeiten stimmen.
Für die Grundstufenklassen entstehen im ehemaligen Schulgarten zwölf Klassenräume sowie Lehrer- und Nebenräume. Das zweigeschossige Gebäude mit seinen großen Fenstern wird auch herausragende energetische Qualitäten haben. Das heißt: optimale Wärmedämmung und Fernwärme aus einer Kraft-Wärme-Kopplung.
Der Neubau kostet rund 2,9 Millionen Euro, wovon 900.000 Euro aus dem Konjunkturpaket kommen. Zum Schuljahresbeginn 2010/2011 soll hier der Unterricht beginnen.
632 Millionen Euro erhält Berlin aus dem Konjunkturpaket II. Davon sind 196 Millionen für Schulen eingeplant, 84 Millionen fließen in Kitas, 134 Millionen in Hochschulen. Bis Dezember 2009 soll die Hälfte aller Bauaufträge vergeben sein, bis Ende März 2010 der Rest. So soll sichergestellt sein, dass die gesamten Mittel bis Ende nächsten Jahres abfließen.
Auch in Baden-Württemberg wird geklotzt und nicht gekleckert. Mit dem Zukunftsinvestitionsprogramm des Bundes und dem Infrastrukturprogramm des Landes stehen hier gut zwei Milliarden Euro zur Verfügung. 1,2 Milliarden Euro davon kommen vom Bund. Zwei Drittel dieser Mittel, also 805 Millionen Euro, fließen in die Bildung.
Davon profitiert auch Ostfildern. Der Ortsteil Nellingen der 35.000-Seelen-Stadt bei Stuttgart freut sich auf sein neues Bildungs- und Betreuungszentrum. 11,5 Millionen kostet der Umbau der ehemaligen Stadthalle. 1,76 Millionen Euro davon kommen vom Bund.
Mehrere Jahre debattierte der Gemeinderat das Projekt. Der Zuschuss des Bundes kam sicher nicht ungelegen, um endlich mit der Umsetzung zu beginnen. Es sei richtig, dieses Projekt jetzt anzugehen, unterstrich Oberbürgermeister Christof Bolay. Damit werde ein wichtiger Schritt getan, um die Ostfilderner Bildungs- und Erziehungseinrichtungen zu verbessern.
Die neue architektonische Lösung bringt nicht nur Energieersparnisse, sondern auch rund 1.000 Quadratmeter mehr Nutzfläche. So wird es im neuen Erdgeschoss zusätzlich ein Restaurant, die Schülermensa und eine Aula mit Bühne geben. Der Saal kann auch „nichtschulischen Nutzern“ zur Verfügung stehen.
Im Obergeschoss werden die Stadtbücherei und ein Schülerhort für zwei Gruppen neue Räume finden. Stadtbücherei und Schülermensa waren bisher in den Gymnasien untergebracht. Dort werden jetzt Räume für den Unterricht frei.
Mehr Platz können die Schulen gut gebrauchen. Schließlich haben sie nach der Schulreform des Landes mehr Gestaltungsspielraum. Die neuen Bildungspläne schreiben nicht mehr vor, was zu unterrichten ist. Sie legen nur noch fest, welche Kompetenzen Kinder und Jugendliche erwerben müssen.
So haben die Klassen 8 bis 10 ein neues Fach Naturwissenschaft und Technik. Möglichst lebensnahe Themen bestimmen den Unterricht. Dabei gibt es so genannte Betrachtungsbereiche wie Mensch, Umwelt, Technik sowie Erde und Weltraum. Um die Methoden der naturwissenschaftlichen Forschung und technischen Entwicklung auszuprobieren und zu üben, brauchen Schulen mehr Platz. Den werden die Schülerinnen und Schüler in Ostfildern ab 2011 haben.